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Eintracht Frankfurt siegt spektakulär

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Von: Thomas Kilchenstein, Ingo Durstewitz

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Voll tragfähig: Randal Kolo Muani schleppt Djibril Sow.
Voll tragfähig: Randal Kolo Muani schleppt Djibril Sow. © dpa

Der 4:2-Erfolg gegen die TSG Hoffenheim hätte noch viel höher ausfallen können. Eintracht Frankfurt zeigt kaum eine Schwäche.

Frankfurt - Insgesamt 29 Punkte konnte Eintracht Frankfurt vor dieser Partie bis zur großen Winterpause noch erringen, 29 wollen sie holen, hatte Trainer Oliver Glaser im Vorfeld gesagt. Der erste Teil des Plans ist schon einmal aufgegangen. In einem atemberaubenden Spiel schlug Eintracht Frankfurt die TSG Hoffenheim mit 4:2 (3:1), und damit waren die Kraichgauer noch bestens bedient. Niemand aus Sinsheim hätte sich beschweren können, wenn es ein halbes dutzend Mal oder öfter bei ihnen im Kasten eingeschlagen hätte. Die Eintracht brannte ein wahres Feuerwerk ab, spielte sich zeitweise förmlich in einen Rausch, brillierte mit wunderschönen Kombinationen. Das war mehr als eine reife Leistung, ein Offensivspektakel vom Allerfeinsten, bei dem Mario Götze einmalig Regie führte. Und Jesper Lindström und Randal Kolo Muani an allen vier Toren direkt beteiligt waren. Mit diesem sechsten Sieg aus den letzten acht Bundesligaspielen kletterte die Eintracht auf Platz vier - ein Champions League-Rang.

Dieses Spiel hatte seinen ersten emotionalen Höhepunkt, da war es noch gar nicht angepfiffen. Martin Hinteregger, der Kultspieler der Eintracht, wurde vorher offiziell verabschiedet. Sportvorstand Markus Krösche nannte ihn eine „Identifikationsfigur“, er, „Hinti“, habe in Frankfurt „eine Ära“ geprägt. „Du bist immer willkommen“. Hinteregger, der im Sommer seine Karriere beendet hatte, sagte, er sei für „alles so dankbar. Für das, was ich in diesem Stadion erlebt habe, träumt man, wenn man mit den Fußball spielen anfängt. Frankfurt wird immer meine Heimat bleiben.“ Der Österreicher, der weiterhin regelmäßig in Frankfurt weilt und bisweilen inkognito bei den Auswärtsspielen in der Champions League dabei war, erhielt vom Klub für seine Verdienste beim Gewinn des Europapokaltitels eine Minikopie des Pokal.

Eintracht Frankfurt beeindruckt auf dem Rasen

Trainer Glasner hatte für dieses allerletzte Heimspiel in diesem Kalenderjahr die erwarteten elf Spieler nominiert, also Daichi Kamada für den leicht an der Wade angeschlagenen Sebastian Rode, und Ansgar Knauff ersetzte nach seinem engagierten Auftritt in Augsburg Lucas Pellegrini auf dem linken Flügel.

Was Eintracht Frankfurt in der Folge auf den Rasen zauberte, war beeindruckend. Vermutlich war das die beste erste Halbzeit in dieser Saison, die Hessen spielten sich förmlich in einen Rausch. Was sie auch mit dem Ball anstellten, klappte, ob Hackentrick, Balleroberung, Pässe in die Tiefe - es sah so leicht und einfach aus. Manch älterer Beobachter fühlte sich in der Tat an Zeiten erinnert, als Uwe Bein, Jay-Jay Okocha, Manni Binz oder Anthony Yeboah den Fußball 2000 zelebrierten. In dieser Verfassung gehört Eintracht Frankfurt derzeit ganz sicher zu den besten Teams der Liga.

Dass die Hausherren nach 45 Minuten lediglich mit 3:1 in Führung lagen, war ein Schönheitsfehler, ein 4:1, 5:1 wäre leicht möglich gewesen. Die Hessen fegten über die TSG Hoffenheim in der ersten Viertelstunde hinweg wie ein Orkan, nach acht Minuten lagen sie bereits mit 2;0 vorn: Erst hatte Djibril Sow (6.) die Führung besorgt, nachdem Jesper Lindström, an den ersten drei Toren direkt beteiligt, sich raffiniert den Ball erkämpft hatte. Dann donnerte Randal Kolo Muani einen Abpraller zum 2:0 (8.) ins Tor, vorher hatte TSG-Torwart Oliver Baumann einen Schuss von Lindström gerade noch abwehren können.

Randal Kolo Muani überragt gegen Hoffenheim: die Einzelkritik

Der schönste Treffer in einer furiosen, ersten Halbzeit war aber das 3:0: Nach einem doppelten Hackentrick, erst von Lindström, dann von Götze, legte Kolo Muani den Ball im Strafraum quer, der mitgelaufene Eric Dina Ebimbe schloss diese wunderschöne Kombination mit dem 3;0 ab. Ansgar Knauff, der sich am linken Flügel pudelwohl fühlt und immer wieder mit rasanten Soli aufwartete, und der nie zu haltenden Lindström hätten mühelos noch ein paar Tore nachlegen können.

Bemerkenswert auch die spielerische Sicherheit der Frankfurter, die das Spiel mit einem enormen Tempo nach vorne trugen. Dabei liegt hinter den Hessen gerade die sechste Englische Woche. Von einem Kräfteverschleiß war nichts zu spüren, alle sprühten förmlich vor Spiellaune. Da griff ein Rädchen ins andere, der Ball rollte zeitweise wie auf Schienen, es gab zu Recht Beifall auf offener Szene für dieses Spektakel.

Hochverdienter Sieg für Eintracht Frankfurt

Doch irgendwie schlich sich im Gefühl des scheinbar sicheren Sieges ein bisschen der Schlendrian ein. Erst köpfte Christoph Baumgartner (37.) das 1:3, mehr oder weniger aus heiterem Himmel, dann traf Ozan Kabak unmittelbar nach dem Wiederanpfiff mit einem Schuss aus 20 Metern zum 2:3. Auf einmal war das Spiel, eigentlich längst entschieden, wieder offen. Zumal die bis dato pomadig auftretenden Kraichgauer plötzlich deutlich mehr Zugriff auf die Partie bekamen.

Aber diese Schwächephase dauerte nur kurz, dann setzte die Frankfurter Offensive erneut ein Zeichen. Scheiterte Lindström eben noch nach einem Solo, machte er es eine Minute später besser (56.). Erneut war es Kolo Muani, der eine brillante Vorarbeite leistete, sich gegen drei Mann durchsetze und querlegte, der Däne nutze dieses Mal seine Möglichkeit. Diese Frankfurter Angriffswucht ist in dieser Dynamik kaum zu stoppen. Lindström, Kamada, der die Latte traf, oder Ebimbe hätten das Ergebnis mühelos höher schrauben können, ja müssen. Die Hoffenheimer hätten sich nicht beschweren können, wenn sie längst hoffnungslos und deutlich ins Hintertreffen geraten wären. Wenn es denn etwas zu kritteln gäbe, dann, dass die Mannschaft ihre zum Großteil glasklaren Möglichkeiten nicht konsequent genug nutzte. Am hochverdienten, im Grunde zu niedrig ausgefallenen Sieg änderte das freilich nichts. (Thomas Kilchenstein und Ingo Durstewitz)

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