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Nur die Nummer zwei im Eintracht-Tor: Frederik Rönnow

Eintracht Frankfurt

Frederik Rönnow: Sicher im Schatten

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Der Frankfurter Torhüter Frederik Rönnow muss im Sommer eine Entscheidung treffen, dabei will er doch bloß spielen.

Der zweite Mann im Frankfurter Tor, der Däne Frederik Rönnow, hat einmal in einem ausführlichen Interview mit der Frankfurter Rundschau sehr plausibel erklärt, warum er lange Zeit lieber gut Englisch spreche als schlecht Deutsch. Er fühle sich in dieser Sprache sicherer, „und wenn man unsicher ist in einer Sprache, dann verliert man auch irgendwie Autorität und Persönlichkeit.“ Das war im Dezember des vergangenen Jahres, Rönnow erlebte gerade seine beste Zeit bei Eintracht Frankfurt, er durfte endlich das Allerheiligste der Hessen hüten. Das tat er über die Maßen gut, was nicht alle erwartet hatten, weil der kluge Kopf keinen besonders glücklichen Start beim Bundesligisten hatte, damals im Sommer 2018.

Dieser Tage, die auf der ganzen Welt von einem Virus beherrscht sind, hat Rönnow gesagt, das Schwierigste für ihn sei „die Unsicherheit darüber, was die Zukunft“ bringe. Er sagte das in einem Interview mit der vereinseigenen Medienabteilung, er sagte das vor allem in einem sehr ordentlichen Deutsch. Nun fühlt sich der Ballfänger offenkundig auch in der schwierigen deutschen Sprache sicher. Vielleicht noch nicht so sicher wie an jenem 18. Oktober des vergangenen Jahres, als er in der Begegnung gegen Bayer Leverkusen (3:0) „eines meiner besten Spiele“ abgeliefert hatte und sich wahrlich „unbezwingbar“ fühlte, wie er seinerzeit sagte, aber doch so, dass er nichts an Autorität einzubüßen glaubt. Natürlich hat die Pandemie auch ihn in vielen Bereichen des privaten Lebens ausgebremst, wobei er jetzt immerhin mehr Zeit erübrigen kann für seinen kleinen Sohn Theodor, bald sieben Monate alt und einen Tag vor dem Leverkusen-Spiel zur Welt gekommen.

Rein sportlich sind bei Eintracht Frankfurt die Einschränkungen bei den Torhütern vielleicht nicht ganz so groß wie bei den Feldspielern, die weiterhin nur in kleinen Gruppen und ohne Zweikämpfe üben müssen. Die überschaubare Torwarttruppe mit ihm, Kevin Trapp, Felix Wiedwald und Trainer Jan Zimmermann spürt die Veränderungen nicht in diesem Maße. Allenfalls die Spiele zum Schluss fehlen, aber torwartspezifisches Üben, Flanken abfangen und Torschusstraining komme wahrlich nicht zu kurz. „Unsere Stürmer geben voll Power“, sagt der 27-Jährige, die Hände glühen da schon mal nach einer Einheit.

Der Wechsel auf der Position des Torwarttrainers – für Moppes Petz kam Jan Zimmermann – war für Rönnow anfangs nicht ganz einfach. „Zimbo“, sagt der Däne, „ist mein bester Freund in der Mannschaft“, über Nacht war er, zuvor Torwart Nummer vier, plötzlich sein Chef. Zimmermann mache aber einen guten Job, lobt er den Ex-Kollegen, „moderner“ sei das Training jetzt unter Zimmermann.

Wohin die Reise aber in den nächsten Monaten gehen wird, weiß auch Frederik Rönnow nicht. In Frankfurt besitzt er noch ein Arbeitspapier bis 2022, aber an Kevin Trapp, die Nummer eins, wird er nicht so leicht vorbeikommen. Er weiß das natürlich, „die Konkurrenz ist groß“, sagt er. Aus dem Schatten von Kevin Trapp kann er nur schwer heraustreten. Er hat, logisch, nie ein Hehl daraus gemacht, spielen zu wollen. In der dänischen Nationalelf ist er ebenfalls die Nummer zwei, hinter Kasper Schmeichel von Leicester City, die (verschobene) Europameisterschaft ist weiterhin sein großes Ziel.

Und dass er ein guter Torwart ist, hat er da unter Beweis gestellt als er gebraucht wurde. Nachdem sich Trapp im Spiel bei Union Berlin schwer an der Schulter verletzt hatte, hat Rönnow den Stammkeeper sehr gut vertreten, sowohl in der Liga als auch in Pokal und in der Europa League, wo er fünf Spiele machte. „Im Herbst“, sagt Skatspieler Rönnow, „hatte ich eine gute Phase“, nicht nur gegen Bayer Leverkusen. Rönnow avancierte sehr schnell zum Rückhalt der Mannschaft. Und es hätte womöglich nach der Winterpause ein echtes und spannendes Duell mit Platzhirsch Kevin Trapp um die eine Position unter der Latte werden können, wenn sich Rönnow nicht mal wieder verletzt hatte, ein Sehneneinriss im rechten Oberschenkel warf ihn zurück. Als er wieder fit war, stand Trapp längst wieder im Frankfurter Gehäuse – so als wäre er nie weg gewesen. Rönnow musste erneut ins zweite Glied, erneut hatte ihn eine Verletzung entscheidend zurückgeworfen, wie schon kurz nach seinem Wechsel vor knapp zwei Jahren aus Bröndby.

Ob sich der sehr empathische Schlussmann im Sommer neu orientieren will und wird, ist offen, niemand vermag seriös vorauszuahnen, welche Auswirkungen die Corona-Krise auf den Transfermarkt haben wird. Womöglich sitzen selbst bei ambitionierten Klubs die Scheine nicht mehr so locker wie noch zuvor. Im Fußball gehe alles so rasend schnell, hat Rönnow einst der FR erzählt. Er hat es ja am eigenen Leib erfahren. „Es gibt nur schwarz und weiß, hälst du den Ball, bist du der Größte – lässt du ihn rein, bist du eine Niete.“ Er lebe im Hier und Jetzt, „es kommt, wie es kommt“. Das sagte er damals, allerdings noch auf Englisch.

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