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Jetzt geht es um Feinheiten bei der Eintracht

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Von: Daniel Schmitt, Ingo Durstewitz

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Eine Klasse für sich: Mario Götze (rechts), Spieler des Spiels in Magdeburg.
Eine Klasse für sich: Mario Götze (r.), Spieler des Spiels in Magdeburg. © dpa

Eintracht Frankfurt kann auf vielversprechenden Grundlagen aufbauen, die Nagelproben aber folgen jetzt erst.

Magdeburg/Frankfurt – Wenn bei Fußballtrainern von akribisch arbeitenden Menschen gesprochen wird, von welchen, die nichts dem Zufall überlassen, kann dieser Einschätzung im einen oder anderen Fall auch eine gewisse Glorifizierung zugrunde liegen. Natürlich, sie freuen sich alle, wenn es im Ernstfall tatsächlich so läuft, wie sie es sich vorgestellt hatten, Unterschiede in Sachen Verbissenheit, Detailversessenheit, eben Akribie aber gibt es dann doch. Oliver Glasner von Eintracht Frankfurt zählt gewiss zu jener Sorte Trainern, die es da ziemlich genau nehmen mit ihrem Fußball und ihren Fußballern.

Am Montagabend zum Beispiel, nur Sekunden nach dem erstaunlich abgeklärten Auftaktsieg im DFB-Pokal beim Zweitligisten 1. FC Magdeburg (4:0), redete der Coach auf seine Spieler ein. Noch auf dem Platz erklärte er dem spät eingewechselten Lucas Alario, was dieser denn künftig besser machen könne, dabei hatte der Argentinier ja sogar noch ein Tor geschossen, doch manch ein Laufweg wäre anders wohl doch sinnvoller gewesen. Oder Mario Götze. Auch mit dem vom DFB zum Spieler des Spiels gewählten Neuzugang analysierte Glasner auf dem Feld einige Verbesserungsansätze.

Eintracht Frankfurt: Nach Magdeburg warten Gegner von Weltformat

„Am Ende haben wir nicht so konsequent attackiert und waren in ein paar Situationen zu konteranfällig“, ließ der Coach hinterher die Öffentlichkeit wissen: „Magdeburg hat uns gezeigt, woran wir arbeiten müssen. Es sind Details, in denen die Abstimmung noch nicht genau passt.“ Nun war Oliver Glasner nicht unzufrieden, natürlich nicht, schließlich hatte sein Team einen souveränen Pflichtspielauftakt hingelegt, vielleicht sogar souveräner, besser, spielstärker als vorher erwartet. Der Trainer war auch keineswegs drüber in diesen Momenten nach dem Abpfiff, erklärte ruhig und sachlich seine Vorstellungen, denn er wusste auch, dass es genau das jetzt braucht.

Nur nicht übermütig werden, nach Magdeburg warten schließlich andere Kaliber, welche von Weltformat. Erst am Freitag zum Bundesligastart der FC Bayern München, dann kommende Woche im Uefa-Supercup Real Madrid. Da sollten besser alle Laufwege passen, eine Konteranfälligkeit vermieden werden. Auch manch defensiver Wackler weniger wäre hilfreich. „Es war das erste Pflichtspiel, aber ansprechen muss man es. Die Jungs sind nicht fertig, doch die Bereitschaft ist da, immer besser zu werden“, sagte Glasner. Es gehe um Details, die „Bayern München oder Real Madrid gnadenlos ausnutzen.“ Das will der Trainer vermeiden.

Ohne einen Favoritensieg im Pokal überbewerten zu wollen, ist es doch beachtlich, dass die Frankfurter nach bisher etwa fünf Wochen Vorbereitung bereits an den Details feilen können. Die Grundlagen also scheinen gelegt und eingeschliffen zu sein. Dieser Eindruck des Trainers spiegelte sich auf dem Rasen wider.

Eintracht Frankfurt: Erfolgshungrig von der Startelf bis zur Bank

Die Eintracht zeigte in Magdeburg nicht nur einen konzentrierten, willigen, ja erfolgshungrigen Auftritt, sondern auch einen fußballerisch ausgesprochen ansprechenden. Die Abläufe passten, der Ball lief flüssig durch die eigenen Reihen, meist mit wenigen Kontakten, es gab Rochaden und viele kurze Pässe, unterbrochen von einzelnen längeren. „Das kann sich sehen lassen“, so der Trainer. Die positiven Eindrücke aus der Vorbereitung bestätigten sich.

Ebenfalls wichtig: Auch die eingewechselten Profis, vor allem die Neuen Randal Kolo Muani und Lucas Alario, zeigten engagierte Leistungen, wollten ihrem Trainer beweisen, dass sie auch einen Platz in der Startelf verdient hätten. Völlig hinten runter rutscht derzeit dagegen Jens Petter Hauge. Der Verlierer der Vorbereitung stand nicht einmal mehr im Kader, ebenso wenig übrigens - was weniger bemerkenswert, weil längst absehbar war - wie Goncalo Paciencia und Ajdin Hrustic. An Letzterem soll der italienische Erstligist Salernitana, Arbeitgeber von Franck Ribery, Interesse zeigen.

Das Eintracht-Team jedenfalls vereint eine ordentliche Portion spielerischer Klasse. Allen voran Mario Götze zauberte nach einer recht unauffälligen Vorbereitung einen höchst auffälligen Auftakt hin. Der 30-Jährige war überall zu finden auf dem Feld, er suchte den Ball und der Ball ihn. Mit fließenden Bewegungen, gekonnten Annahmen, präzisen Pässen leitete er gefühlt jeden Frankfurter Angriff ein. Nicht umsonst war er an den ersten drei Toren von Daichi Kamada (2) und Jesper Lindström in der Entstehung beteiligt. Es schien fast so, als spiele er schon länger mit seinen neuen Kollegen. Andererseits kann ein Mario Götze eben kicken, da fällt die Anpassung leichter, so ist das eben mit guten Fußballern.

Eintracht Frankfurt - viel Spielfreude in der Offensive

Trainer Glasner geizte später nicht mit Lob für den einzigen Neuen in seiner Startelf: „Dieser weiträumige Blick, wenn der Gegner presst und dann die Lösung parat zu haben, das ist allerhöchste Kunst.“ Es habe Spaß gemacht, ließ Götze selbst wissen, der Wechsel nach Frankfurt sei ohnehin eine richtige Entscheidung gewesen, „es fühlt sich gut an“.

Mario Götze, Daichi Kamada, Filip Kostić, Jesper Lindström, Djibril Sow, Ansgar Knauff, auch Rafael Borré - da tragen Jungs das Eintracht-Trikot, die mit dem Ball umgehen können, die gewiss keine Feindschaft mit dem runden Leder pflegen. Gerade Kamada zeigte mal wieder, was er so alles kann: ziemlich viel. Auf neuer und sicher noch etwas ungewohnter Position im defensiven Mittelfeld avancierte er neben Götze zum Mann des Spiels, verlor gefühlt keinen Ball, war präsent in den Zweikämpfen, initiierte die Angriffe und schoss als Sechser zwei Tore. Die Aufstellung von Kamada im defensiven Bereich schien manchen vorher ein Wagnis, fürs Eintracht-Spiel war sie letztlich ein Gewinn.

Doch nun kommen die Bayern und Real. Kann das gegen diese Weltklubs auch funktionieren? Oder wäre es zu viel Risiko? Zumal Glasner die zweikampfstärkeren Alternativen Sebastian Rode und Kristijan Jakic in der Hinterhand weiß. Einerseits. Andererseits kann der Eintracht-Trainer nach diesen herausragenden Leistungen von Leuten wie Lindström, Götze oder Kamada ja nicht ernsthaft einen von ihnen auf die Ersatzbank setzen. Irgendwie alles gar nicht mal so einfach, diese Qual der Wahl. (Daniel Schmitt, Ingo Durstwitz)

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