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Und es hat Zoom gemacht, mal wieder: Torschütze Haller springt Torschütze Rebic an.

Eintracht Frankfurt

Die Serientäter

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  • Ingo Durstewitz
    Ingo Durstewitz
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Eintracht Frankfurt stellt weiterhin die Mannschaft der Stunde und fühlt sich in schwindelerregender Höhe pudelwohl.

Die Gelassenheit, die der Frankfurter Trainer Adi Hütter auch in Zeiten des Misserfolgs zu Beginn der Saison (Ja, den hat es tatsächlich auch gegeben) ausgestrahlt hatte, diese Gelassenheit strahlte der Mann auch am späten Samstagabend im ZDF-Studio aus, als Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein ihn erst fragte, ob er das Aktuelle Sportstudio schon mal gesehen habe und dann, ob er Fredi Bobic auf einem alten Bild erkenne. Man musste den Eindruck gewinnen, da habe sich das Fernsehen einen Mann eingeladen, der die letzten 20 Jahre in einem sehr tiefen Tal in den Bergen verbracht hatte. Aber Adi Hütter, dieser so unaufgeregt, besonnen und entspannt daherkommende, sehr höfliche Vorarlberger, lächelte diese kleine Despektierlichkeit einfach weg. Es ist ja ohnehin momentan so, dass ihm alles gelingt, was er beginnt.

Nun hat Eintracht Frankfurt auch noch beim Angstgegner gewonnen, 3:1 (1:0) beim FC Augsburg, wo es bei sechs Anläufen in der Fuggerstadt noch nie etwas zu holen gab. „Stolz“ sei er, dass auch diese Negativserie gerissen sei, sagte Hütter. Es ist der neunte Sieg im zehnten Spiel, siebenmal in der Bundesliga, dreimal in der Europa League, 28 und von möglichen 30 Zählern haben die Frankfurter Überflieger aufs Konto geschaufelt, und an solch eine Siegesserie können sich nicht mal mehr die Alten erinnern, nicht mal Marco Russ, 33, „nicht mal im Ansatz“. Die letzte Niederlage, 1:3 bei Borussia Mönchengladbach, datiert vom 26. September, also vor genau zwei Monaten. 

Mittlerweile ist die Mannschaft von damals mit der von heute kaum mehr zu vergleichen. Da spielten die Hessen noch mit einer Viererabwehrkette, einem Makoto Hasebe im defensiven Mittelfeld, einem Filip Kostic auf halblinks und lediglich mit einer einzigen Spitze, mit Sebastien Haller. Mit einer Systemumstellung und dem Mut zur Offensive kam die Wende, seit dem 4:1 gegen Hannover 96 hat sich die Mannschaften gefunden. Seitdem geht es nur noch bergauf, von Tabellenplatz 15 (nach fünf Spielen und vier Punkten) stürmten die Frankfurter in den folgenden sieben Partien unter die ersten Drei und packten dabei 19 Zähler aufs Konto. Nach der Hinrunde der vergangenen Saison lagen die Frankfurter bei 26 Punkten, jetzt haben sie schon 23. Und ein Torverhältnis (29:14) wie seit Yeboahs Zeiten nicht mehr.

Und es waren in Augsburg jene trefflichen Drei im Sturm, Luka Jovic, Ante Rebic und Sebastien Haller, die den Unterschied machten und jetzt schon an 28 der bislang in der Liga erzielten 29 Treffer direkt beteiligt waren. Haller markierte das 2:0 (47.), er legte zudem Jonathan de Guzman zur Führung auf (1.), schließlich machte Rebic (68.) mit dem 3:0 den Deckel drauf.

Die „Drei da vorne“ (Russ) haben bislang gemeinsam unglaubliche 23 Treffer erzielt - Haller und Jovic je neun, Rebic fünf - etwas ähnlich torgefährliches gibt es derzeit in der Bundesliga nicht, und nur das Pariser Dreigestirn von Saint Germain mit den Weltstars Edinson Cavani, Neymar und Kylian Mbappe haben aktuell in ganz Europa mehr Tore (29) erzielt. Kein Wunder also, dass einem langsam die Superlative ausgehen, um dieses Frankfurter Phänomen halbwegs umschreiben zu können. „Unfassbar“ sei es, sagte etwa der selten um Worte verlegene Torwart Kevin Trapp, wie die Mannschaft momentan auftrumpfe und in welchen Gefilden der Tabelle sie stehe.

Selbst vom geschlagenen Gegner kommen mittlerweile Komplimente, der tüchtige Augsburger Torwart Andreas Luhe attestierte den Frankfurtern, sie spielten „einen sehr ehrlichen Fußball, der mir persönlich gefällt“. Und Kollege Martin Hinteregger gab zu Protokoll, wie schwer es für ihn gewesen sei, gegen diese drei Angreifer verteidigen zu müssen, die ständig die Positionen wechseln, die nie zu greifen seien und permanent Zug nach vorne hätten.

Eintracht Frankfurt bleibt erfreulich selbstkritisch

Zur Wahrheit gehört auch: Der FC Augsburg hatte ein richtig gutes Spiel gemacht, war so aufgetreten wie erwartet, nicklig, unbequem, und nicht nur der fleißige Dauerläufer Gelson Fernandes analysierte nach der Partie treffend: „Wir hätten auch verlieren können, wir hätten zur Pause 1:3 hinten liegen können.“ Die Begegnung, fand Adi Hütter erfreulich selbstkritisch, „kann auch in eine andere Richtung gehen“. Hätte einer aus dem magischen Dreieck das Trikot der Augsburger getragen, vermutlich hätten die Hausherren das Spiel gewonnen. 

Die Schwaben freilich leisteten sich den Luxus, trotz 25 Torschüssen lediglich mit dem vorletzten, von Sergio Cordova (90.), getroffen zu haben. Ein Treffer, der insbesondere Torhüter Trapp nervte, aber ihn nervt ja jeder Gegentreffer. Man verliere am Ende einer Partie viel zu viele leichte Bälle, lasse in der Konzentration nach, spiele weniger seriös. Das müsse man abstellen, fand Trapp, der das alsbald selbst als Meckern auf hohem Niveau einschätzte.

Auch Hütter bekundete: „Ich habe vieles gesehen, was wir nicht gut gemacht haben.“ Gerade in der ersten Halbzeit habe man im Mittelfeld zu wenig Zugriff gehabt. Der 48-Jährige verdichtete im zweiten Abschnitt das Mittelfeld, zog Ante Rebic etwas zurück und mahnte mehr „taktische Disziplin“ an. Denn das fuchst ihn ungemein. „Für mich ist entscheidend, welches Bild wir auf dem Platz abgeben, und wenn wir taktisch nicht diszipliniert sind, dann stört mich das sehr.“ 

Die Härchen in der Suppe, die Hütter trotz des Erfolgs fand, zeigen zum einen, dass die Ansprüche in Frankfurt rapide gestiegen sind, was angesichts dieser unglaublichen Serie nicht mehr verwundern kann. Und Hütters leichte Unzufriedenheit zeugt zum anderen von einem ausgesprochenen Realitätssinn. „Ich vergesse nicht, wo wir herkommen. Wir sollten den Ball flach halten.“ Und das macht Hütter auch in glückseligen Zeiten. 

Dessen ungeachtet aber ist ein Ende des   Höhenflugs nicht in Sicht. Der starke de Guzman, der noch nie zu einem solch frühen Zeitpunkt ein Tor erzielt hat, will den Trend fortsetzen: „Wir sind ein frisches Team, jeder ist hungrig auf mehr.“ 

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