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„Wir können Geschichte schreiben“, sagt Kevin Trapp.

SGE-Torwart Kevin Trapp

Eintracht Frankfurt: Sensationell oder doch nur gut?

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SGE-Torwart Kevin Trapp ist ziemlich angefressen und setzt die Kollegen unter Druck.

Der Frankfurter Torwart Kevin Trapp war nach der drögen Nullnummer gegen Hertha BSC ganz schön angefressen. Dem 28-Jährige stand die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben, als er in der Mixed Zone vor die Journalisten trat. Den deutschen Nationalkeeper, ehrgeizig bis zum Anschlag, treibt die Sorge um, auf den letzten Metern der Saison alles zu verspielen. Deshalb nahm Trapp kein Blatt vor den Mund, wählte deutliche Worte und sprach, sehr leise, wie es seine Art ist, über...

...die verpasste Gelegenheit, Platz vier zu manifestieren und die Konkurrenz vielleicht sogar zu distanzieren:
Wir hatten eine Riesenchance, uns mit einem Sieg richtig festzusetzen. Zu Hause gegen eine Mannschaft, die nichts mehr zu gewinnen und nichts mehr zu verlieren hat, so zu spielen, das ist einfach nur schade und traurig. Wir haben in den vergangenen Monaten so viel, hart und lange gearbeitet, um dort zu stehen, wo wir momentan stehen. Da sollten wir alles dafür tun, um diese große Chance zu nutzen.

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...den möglichen Kräfteverschleiß und die Müdigkeit nach der langen Saison mit 45 Pflichtspielen:
Die Saison nähert sich ihrem Ende, und mit Sicherheit sagen jetzt viele, dass sie nicht mehr so die Kraft wie am Anfang haben, keine Frage, aber ich sage auch: Das kann man sich auch einreden.

...die fehlende Leichtigkeit im Spiel der Eintracht
Ich hätte mir etwas mehr Freude in unserem Spiel gewünscht, aber es war bis zum Schluss irgendwie lethargisch und träge. Ich hatte nie das Gefühl, dass noch viel kommt von uns. Wir haben sehr viele leichte Fehler gemacht, es war ja nicht so, dass uns die Hertha extrem unter Druck gesetzt hat. Das war einfach ein schlechtes Spiel. Wir haben das in der Halbzeit auch angesprochen, aber im zweiten Durchgang habe ich keine große Steigerung gesehen. Es sollte einfach nicht sein. Das ist sehr schade, weil Hertha BSC in dieser Phase sicher eher zu den schwächeren Mannschaften gehört.

...den Schlussspurt und die Aussichten in den kommenden Wochen:
Wir haben noch drei Wochen, in denen wir Geschichte schreiben können, oder wir stehen in drei Wochen da und haben uns alles nehmen lassen, was wir uns vorher in acht, neun Monaten erarbeitet haben. Da hat keiner Lust drauf. Also, ich will nach der Saison nicht dastehen und sagen: ,Bis Ende April waren wir richtig gut, dann hatten wir drei Wochen, in denen nix mehr ging und wir alles verspielt haben.‘ Wir müssen uns voll dem hingeben, was wir vor uns haben und an nichts anderes denken. Wenn wir uns das jetzt noch wegnehmen lassen würden, wäre das enttäuschend. Wir haben viel geleistet. Wir spielen eine richtig gute Saison, viel besser als jeder geglaubt hat. Wir können aus dieser guten Saison eine sensationelle Saison machen. Oder es bleibt bei einer guten Saison. Wir allen wollen, dass sie sensationell wird. Wir müssen einfach alles geben und alles raushauen, damit wir den vierten Platz behalten. Dazu müssen wir das Maximum rausholen. Gegen Berlin haben wir das definitiv nicht getan.

...den Druck, etwas zu verlieren, und das Spiel mit den Nerven:
Das hat nichts mit den Nerven oder Druck zu tun, das ist Quatsch. Natürlich ist der Druck da, wenn man den Platz verteidigen will, den wir jetzt inne haben. Andererseits muss man ja auch sagen: Wir sind in der Bundesliga Vierter und stehen im Halbfinale der Europa League gegen Chelsea London, eine Mannschaft, die sonst in der Champions League zu Hause ist – da hat man doch eigentlich keinen Druck. Es gibt außerdem schlimmere Situationen, wenn man gegen den Abstieg spielt und ein Spiel unbedingt gewinnen muss etwa. Da hat man Druck. Klar ist, dass wir unsere Spiele gewinnen müssen, wenn wir oben bleiben wollen. Das ist uns jetzt nicht gelungen. Es wäre unheimlich schade, wenn wir das noch verspielen würden.

...die Mentalität der Eintracht-Mannschaft:
Wir müssen über diesen Punkt, wenn es wehtut und schwer wird, hinweggehen, da müssen wir sagen: ,Egal, wir wollen das, wir ziehen das jetzt durch.‘ Es ist ja nicht so, dass wir die Mentalität nicht haben. Die Mentalität haben wir, deshalb bin ich eigentlich positiv. Doch das Spiel gegen Hertha war einfach extrem enttäuschend.

Aufgezeichnet: Ingo Durstewitz

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