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Frankfurts Vaclav Kadlec versucht seine seine Chance zu nutzen.

Eintracht - Hertha

Der seltsame Zusammenbruch

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  • Ingo Durstewitz
    Ingo Durstewitz
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Weshalb Eintracht Frankfurt in der zweiten Hälfte am Spiel nicht mehr teilnahm und den Sieg herschenkte.

Nach dem 45 Minuten andauernden Tiefschlaf hat Armin Veh gar keine Lust mehr verspürt, über dieses vermaledeite Bundesligaspiel zu sprechen oder, besser gesagt, es zu analysieren. „Ich habe keine Antwort darauf“, beschied er einem Fragesteller zunächst. „Ich kann es nicht erklären“, schob er im zweiten Schritt nach. Natürlich hat der Eintracht-Trainer zumindest ein paar Lösungsansätze gehabt, dafür wird er schließlich auch gut bezahlt, aber diese zweite Halbzeit im Spiel gegen Hertha BSC hatte ihn ins Mark getroffen, ja sie ließ ihn ein Stück weit ratlos zurück. Wie viele andere auch.

Man beobachtet wahrlich nicht oft, dass eine Mannschaft quasi mit dem Seitenwechsel förmlich in sich zusammenfällt; eine Mannschaft, die in den 45 Minuten zuvor nicht die Sterne vom Himmel gezaubert, aber doch sehr soliden Fußball gespielt hat – und mit 1:0 in Führung lag. Gegen einen Kontrahenten, der sich zwar nach Kräften wehrte und alles in die Waagschale warf, was er reinzuwerfen hatte, aber in seiner ganzen fußballerischen Struktur doch eher bieder ist. Dieser Frankfurter Zusammenbruch, dieser kolossale Einbruch ist in seiner Ganzheit tatsächlich nur schwer zu verstehen und zu erklären, vielleicht sogar „unerklärlich“, wie Bastian Oczipka sagte. Aber weshalb hat Eintracht Frankfurt nach einer Halbzeit, die grundsolide war, quasi „das Fußball spielen eingestellt und ist nur noch hinterher gelaufen“ (Stefan Reinartz)? War es eher ein mentales oder ein körperliches Problem? Oder eine Zusammenspiel aus beidem?

Körperlich oder mental platt?

Marc Stendera, der fleißige Mittelfeldmann, der gut anfing und im zweiten Abschnitt ebenfalls keinen Zugriff mehr aufs Spiel und die Gegner bekam, glaubt, dass die Beine der Eintracht einen Streich spielten. „Es sah so aus, als hätte uns die Kraft gefehlt, um eine Schippe draufzulegen.“ Diesen Eindruck hatte auch Coach Armin Veh. „Wir waren ein bisschen platt in der zweiten Halbzeit. Wahrscheinlich war es ein körperliches Problem.“

Das lässt allerdings aufhorchen, schließlich ist die Eintracht nicht europäisch im Einsatz. Und die Englische Woche hatten die Frankfurter ja nicht exklusiv, alle Mannschaften mussten dreimal binnen sieben, acht Tagen ran.

Oder hatte die Mannschaft Angst vor der eigenen Courage, hatte sie auf einmal etwas zu verlieren, weil sie diesen Sieg gegen die Berliner unbedingt einfahren wollte, um sich oben festzukrallen? Offensichtlich war, dass die Hessen den knappen Vorsprung irgendwie über die Zeit retten wollten – egal wie.

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Oder lag es, ganz profan, daran, dass einige fußballerischen Pläne schlichtweg nicht aufgegangen sind und die Tagesform nicht so war, um die Männer aus der Kapitale in die Knie zu zwingen? Fakt ist, dass die Systemumstellung von 4-4-2 auf 4-2-3-1 im Laufe der ersten Hälfte nicht den gewünschten Erfolg brachte. Sie hat dem Team keine Stabilität und keine Sicherheit gebracht. Auch wenn Veh sagte: „Daran lag es sicher nicht. Wir haben ja schon nach 20 Minuten umgestellt.“ Und doch wirkt die Eintracht irgendwie immer noch suchend, zumindest jetzt, da sich Haris Seferovic verletzt hat und erst einmal ausfällt. „Da sieht man mal, wie wichtig Haris für unser Spiel ist“, analysierte Marco Russ treffend.

Der Schweizer ist derjenige, der vorne die Bälle auch in größer Bedrängnis hält und verarbeitet und so den Mittelfeldspielern die Gelegenheit gibt, nachzurücken. Ohne Seferovic, das kommt noch erschwerend hinzu, ist Sturmpartner Luc Castaignos nur die Hälfte wert, weshalb er auch zunächst auf der Bank ließ. Für den Holländer stürmte erstmals Vaclav Kadlec – mit überschaubarem Erfolg. Der Tscheche lieferte eine höchst unglückliche Vorstellung ab, und das ist noch sehr defensiv formuliert. Ähnlich zurückhaltend äußerte sich auch Veh: „Er war jetzt nicht so stark, sonst hätte ich ihn ja nicht ausgewechselt.“

„Inui nicht der Heilsbringer“

Doch auch mit seinen Einwechslungen lag der 54-Jährige dieses Mal daneben, das räumte er ein: „Die Wechsel haben nicht geklappt. Die, die reingekommen sind, waren nicht so da, wie ich es mir vorgestellt habe.“ Das gilt in erster Linie für Luca Waldschmidt, aber auch für Castaignos, der keine Bindung zum Spiel fand und die einzige Torchance fast schon dilettantisch vergab. Auch die Mittelfeldspieler versteckten sich im zweiten Abschnitt komplett.

Und so bleiben ein paar Fragezeichen zu viel nach dieser erschreckend trüben zweiten Hälfte, auch die ewige Frage, wer eigentlich auf dem linken Flügel spielen soll. „Für links habe ich niemanden“, sagte Veh. „Da kann ich aufstellen, wen ich will, keiner spielt so, wie ich es mir vorstelle.“ Da drängt sich ja nahezu die Frage auf, weshalb die Eintracht dann den Japaner Takashi Inui nach Spanien hatte ziehen lassen. Veh winkte ab: „Inui wollte weg. Und er war ja bei uns nicht der Heilsbringer.“ Aber zumindest eine Option.

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