Hat Niko Kovac für Köln etwas Besonderes ausgeheckt?
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Hat Niko Kovac für Köln etwas Besonderes ausgeheckt?

1. FC Köln - Eintracht Frankfurt

Selbstkritisches von Niko Kovac

  • Thomas Kilchenstein
    vonThomas Kilchenstein
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Eintracht Frankfurt freut sich auf die Auswärtspartie und will Kölner Unsicherheiten nutzen.

Zwischen zwei Bundesligapartien hat der Frankfurter Trainer Niko Kovac die Zeit gefunden, ein wenig in Magazinen zu blättern - nicht der Erbauung wegen, sondern um sich weiterzubilden. Und es war nicht der „Kicker“, den er sich zu Gemüte führte. Statt dessen blätterte der Fußballlehrer in der aktuellen Ausgabe der „GEO“ und dort ist in der Titelgeschichte Erhellendes über das Geheimnis guter Entscheidungen zu finden. Entscheidungen fallen vielen Menschen schwer, bisweilen auch Trainern bei üppig besetzten Kadern, doch offenbar gibt es Faustregeln, die man beherzigen kann, um sich die Sache zu erleichtern. Etwa, in dem man intuitiv entscheidet, aus dem Bauch heraus, man sollte zudem nie eine 100prozentige Lösung anstreben, 80 Prozent reichten meist aus, man sollte klar wissen, welches Ziel man verfolge und schließlich sollte man die Vielfalt einschränken, denn allzu leicht verliere man sich im Dschungel der Möglichkeiten, empfehlen die Macher aus Hamburg.

Kovac ist zufrieden mit der Trainingsleistung

Es ist jetzt nicht bekannt, welche Ratschläge sich Niko Kovac für die nicht ganz unwichtige Partie heute Abend (18.30 Uhr) gegen den 1. FC Köln zu Herzen genommen hat. Der Tipp mit der Vielfalt wird ihm nicht viel nutzen, denn aktuell hat der Coach personell die Qual der Wahl, bis auf die Langzeitverletzten sind alle Mann an Bord. Dazu hätten die Spieler eine vorbildliche Arbeitsauffassung an den Tag gelegt. „Ich bin sehr zufrieden mit der Trainingsleistung“, sagte Niko Kovac einen Tag vor dem Köln-Spiel. Er wird dessen ungeachtet wieder acht Profis auf die Tribüne schicken müssen.

Ob Niko Kovac deshalb auf sein Bauchgefühl vertraut? Intuitiv entscheidet? Wer weiß das schon. Sicher liegt der 45 Jahre alte Fußballlehrer nicht falsch, auch seine zuletzt getroffenen spieltaktischen Entscheidungen zu hinterfragen. „Das machen wir immer“, sagt er. Im Nachhinein, räumte der Mann jetzt selbstkritisch ein, wäre es womöglich klüger gewesen, das letzte Heimspiel gegen den FC Augsburg offensiver anzugehen. Zwar habe er nach der Pause korrigierend eingegriffen und aus der Fünfer- eine Viererkette gemacht, aber „vielleicht wäre es besser gewesen, gleich mit einer Viererkette zu beginnen“.

Durch diese eher zurückhaltende Taktik „haben wir Qualität nach vorne verloren“, meinte Coach Kovac. Selbsterkenntnis ist oft der erste Weg zur Besserung. Und da hätte es auch gar nicht der öffentlichen Kritik an der Frankfurter Taktik von Sportmanager Bruno Hübner einen Tag nach der zweiten Heimpleite bedurft. Was Hübner da gesagt habe, sei mit ihm, Kovac, abgesprochen gewesen. „Das waren praktisch meine Worte“, sagte Kovac. Bruno Hübner habe lediglich ausgesprochen, „was auch ich dachte“. Hübner hatte die zu defensiv ausgerichtete Herangehensweise der Hessen thematisiert.

Das Ziel für den Mittwoch hat Niko Kovac indes klar im Blick: Eintracht Frankfurt will mit aller Macht eine weitere Niederlage verhindern. Dummerweise liegt der letzte Sieg in Köln schon mehr als 23 Jahre zurück, 1994 war das, beim 3:2 am letzten Spieltag. Solche Statistiken nimmt Kovac zwar zur Kenntnis, sie bedeuten ihm aber nichts. „Was war, kann ich nicht beeinflussen“, sagt er, warum solle er sich folglich damit beschäftigen.

Warnung vor Köln

Eintracht Frankfurt trifft am Mittwoch bekanntlich auf einen Gegner, dem der Start in die neue Saison komplett daneben geraten ist, „ein angeschlagener Gegner ist immer gefährlich“. Als Tabellenletzter steht der 1. FC Köln unter gehörigem Druck, wen will man eigentlich vor eigenem Publikum noch schlagen, wenn nicht Eintracht Frankfurt, heißt es im Rheinland. Es läuft nicht rund in Köln, wo die Verunsicherung der Mannschaft fast mit Händen zu greifen ist. „Wir wollen dafür sorgen, dass noch mehr Unruhe reinkommt“, sagt Niko Kovac. „Wir müssen dem Gegner auf den Zahn fühlen, wollen seine Unsicherheit ausnutzen.“ Immerhin kann die Eintracht auswärts antreten, da fühlt sie sich freier, weil sie das Spiel nicht machen muss. Zu viel Ballbesitz tut den Hessen nicht gut, auch der 1. FC Köln hat durchaus seine Probleme damit, kreativ ein Spiel zu gestalten. Beide Teams wollen im Grunde reagieren statt agieren, beide wollen eigentlich den Ball gar nicht haben. So gehe es vielen Klubs in der Liga. „Es gibt in der Bundesliga drei, vier Mannschaften, die mit der Kugel so richtig was anfangen können.“

Dazu gehört die Frankfurter Eintracht nicht, die „mit zwei, drei Punkten hinten dran ist“, findet Kovac. Da habe man sich nach vier Spieltagen mehr ausgerechnet. Andererseits dürfe man die Lage auch „nicht zu kritisch sehen“. Im gleichen Atemzug warnte der Fußballlehrer aber auch davor, allzu „entspannt“ in die Partie zu gehen. Nach Köln muss die Eintracht nach Leipzig, wo es noch einen Tick schwerer wird zu punkten.

Taktisch dürfte die Eintracht ähnlich auftreten wie zuletzt, also erneut mit einer Fünferkette und einem gut sortierten Mittelfeld. Dieses System sollte man in der Tat nicht wechseln, weil es gerade auswärts dem Team zu mehr Stabilität verhilft. Die Hessen müssen ja nicht um jeden Preis stürmen, können aus einer gut gestaffelten Abwehr heraus auf ihre Chancen warten. „Wir haben auswärts durchaus Fähigkeiten, den Gegner zu überraschen“, sagt Kovac. In dieser Runde ist die Eintracht in der Fremde noch ungeschlagen.

Personell wird es Veränderungen geben, keine Frage. „Wir werden frische Kräfte bringen“, verspricht der Coach, angesichts der Englischen Woche „wir bringen die Jungs, die körperlich gut drauf sind“. Sebastien Haller, der Stürmer ohne Fortune, wird spielen, alles andere wäre eine faustdicke Überraschung. „Er arbeitet viel für die Mannschaft.“ Zudem genießt er weiterhin die Rückendeckung des Trainers, das habe ihm Kovac in diesen Tagen noch einmal versichert. „Ein Stürmer seines Kalibers wird treffen.“ Irgendwann.

Wer an seiner Seite spielt, Luka Jovic oder Ante Rebic oder wieder Kevin-Prince Boateng, wollte Kovac natürlich nicht verraten. Genauso wenig, ob Jonathan de Guzman aussetzt oder Marc Stendera eine Chance bekommt. Um diese Entscheidungen wird der Fußballlehre nicht drumherum kommen. Dass Niko Kovac am Ende aber eine Münze wirft, um zu entscheiden, wer spielt und wer nicht - das ist nun wirklich nicht zu erwarten. Selbst wenn das in Hamburger Magazinen empfohlen wird.

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