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Gut gemacht, Bro: Prince Boateng klatscht Sebastien Haller für sein Traumtor gegen den VfB ab.

Es war einmal: Sebastien Haller

Ein Traum von einem Tor

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Ein Seitfallzieher von Sebastien Haller gegen Stuttgart verzückt alle.

Als der Ball endlich im Tor lag, hat der Frankfurter Trainer Niko Kovac sein Glück kaum fassen können. Er schlug die Hände über dem Kopf zusammen, schüttelte ungläubig sein Haupt, für ein paar Sekunden rang er um Fassung. Es war kein gewöhnliches Tor. Es war ein Tor, das später das Tor des Monats werden sollte, ein entscheidendes, weil es der 2:1-Siegtreffer war, Sekunden vor dem Ende. Es war ein außergewöhnliches Tor, ein Seitfallzieher, akrobatisch, artistisch, wunderschön, von Sebastien Haller erzielt.

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Der tollkühne Treffer war der absolute Höhepunkt in einem über weite Strecken müden, öden Spiel ohne Höhepunkte, es war eine Darbietung ohne Esprit und Kitzel, und damit symptomatisch für viele Spiele von Eintracht Frankfurt in der Saison 2017/2018. Der Sicherheitsgedanke stand über allem, nur keine Fehler machen, nur nichts wagen. Ein Beispiel: Beim Stand von 1:0 gegen den biederen VfB Stuttgart, gerade erst aufgestiegen, wechselte Kovac an jenem 30. September 2017 Mittelfeldspieler Jonathan de Guzman aus und Stopper Marco Russ ein, später nahm er noch Stürmer Ante Rebic runter und brachte Jetro Willems. Von Mut oder Risikobereitschaft war damals, anders als heute, nichts zu spüren. Es sei alles so eng, sagte Kovac hinterher. „Die Eintracht wird selten Spiele mit zwei, drei Toren Unterschied gewinnen.“ Auch das hat sich mittlerweile gedreht.

An diesem Samstag schien die Eintracht einen sicheren Sieg zu verspielen, nach dem 1:0 durch Ante Rebic (42.) schalteten die Hessen in den Verwaltungsmodus, Simon Terodde (61.) köpfte den Ausgleich, und als Simon Falette (64.) kurz darauf nach Notbremse des Feldes verwiesen wurde, schien alles auf eine Schlappe hinauszulaufen. Doch die Eintracht fing sich. In der dritten Minute der Nachspielzeit schlug Willems einen Freistoß in den Stuttgarter Strafraum, den VfB-Angreifer Matthias Ginczek nur unzureichend klären konnte. Den zu kurz abgewehrten Ball drosch Haller sehenswert ins Netz. 

Es war erst der zweite Treffer des Franzosen, der noch nicht richtig angekommen war in Frankfurt, behäbig und ungelenk wirkte. In den nächsten beiden Partien traf er ebenfalls, ohne solch eine Rolle zu spielen wie in dieser Saison. In der Rückrunde verlor er wegen schwacher Leistungen sogar seinen Stammplatz, traf in der kompletten Rückserie nur noch ein einziges Mal.

In diesem Spiel aber war er zu Recht der gefeierte Held. „Ich versuche eigentlich sehr häufig Seitfallzieher. Ich habe nicht groß nachgedacht“, sagte der Angreifer. Kovac war dennoch überrascht über das kleine Kunststück: „Im Training habe ich das von ihm nicht gesehen.“

Der Sieg spülte die Eintracht am siebten Spieltag mit zehn Punkten auf Platz acht, da war nicht abzusehen, dass die Hessen nach einem Zwischenspurt bis Rang vier klettern sollten und gute Chancen auf einen Champions League-Platz hatten. Und diese Möglichkeit im letzten Viertel der Runde komplett vergeigten. Das soll ihr dieses Mal nicht passieren.

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