Akrobat am Ball: Sebastien Haller sorgt für allerbeste Laune bei der Eintracht.
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Akrobat am Ball: Sebastien Haller sorgt für allerbeste Laune bei der Eintracht.

Eintracht Frankfurt - Werder Bremen

Sebastien Haller rettet den Sieg

  • Thomas Kilchenstein
    vonThomas Kilchenstein
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  • Ingo Durstewitz
    Ingo Durstewitz
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Sebastien Haller schießt Eintracht Frankfurt in der Schlussminute zum glücklichen 2:1-Sieg gegen Werder Bremen.

Als Schiedsrichter Benjamin Brand dann nach 90 und zwei Minuten abgepfiffen hatte, lagen sich elf Frankfurter jubelnd in den Armen. Mit einem kaum mehr für möglich gehaltenen Treffer waren die Hessen noch zu einem sehr schmeichelhaften 2:1 (1:1)-Erfolg über Werder Bremen gekommen.

Es war Sebastien Haller, der in der 89. Minute nach feiner Vorarbeit des kurz zuvor eingewechselten Taleb Tawatha den Siegtreffer erzielte. Es war bereits sein fünfter Treffer. Fortuna war sehr mit Eintracht Frankfurt im Bunde gewesen, ein Remis wäre das leistungsgerechte Ergebnis gewesen.

Damit blieb die Eintracht auch im zehnten Freitagsspiel hintereinander unbesiegt. Werder, saisonübergreifend seit 14 Spielen ohne Sieg, wird an dieser Niederlage schwer zu knabbern haben. 

Die glückseligen Frankfurter feierten diesen Erfolg noch minutenlang mit den Fans. Mit 18 Punkten sind die Hessen nach einem Drittel der Saison mehr als im Soll. „In der ersten Halbzeit hatten wir echte Probleme“, sagte hinterher Sportvorstand Fredi Bobic. „Wir haben einen starken Torwart. Ein paar muss er halten, dafür ist er ja da“, sagte Bobic grinsend, „ein Unentschieden wäre okay gewesen.“

Torwart Lukas Hradecky ergänzte: „Wir nehmen die drei Punkte gerne, und schauen nur auf das Positive und nicht auf das Negative.“ Selbstkritisch war auch Marc Stendera: „Die erste Hälfte war katastrophal, wir haben um das Gegentor regelrecht gebettelt.“

Erstaunlicherweise hatte Trainer Kovac den flinken Mittelfeldspieler Mijat Gacinovic nicht für die Startformation vorgesehen. Wohl aus taktischen Gründen blieb der Serbe bis zur 67. Minute auf der Bank, verletzt jedenfalls war er nicht. Dafür war erwartungsgemäß Makoto Hasebe ins Team gerückt. Allerdings begann Eintracht Frankfurt eher defensiv, der Japaner agierte auf der Sechs im Mittelfeld, und Carlos Salcedo, David Abraham, Simon Falette und Jetro Willems bildeten dieses Mal eine Viererkette. Überraschend war auch, dass Jonathan de Guzman oder Slobodan Medojevic nicht einmal den Sprung in den 18-Mann-Kader geschafft hatten. 

Man kann jetzt nicht sagen, dass diese Herangehensweise in den ersten 45 Minuten besonders gut hingehauen hätte. Werder Bremen, obzwar bislang noch sieglos und Tabellenvorletzter, war bis auf eine kleine Schwächephase im ersten Abschnitt die bessere Mannschaft.

Die Norddeutschen hatten mehr vom Spiel, sie wirkten selbstbewusst, nahmen das Heft des Handels in die Hand. Bereits nach 90 Sekunden hätten die Gäste sogar in Führung gehen können, Max Kruse fand aber in Torhüter Lukas Hradecky seinen Meister. Sehr bald sollte der Frankfurter Schlussmann zum besten Spieler der Hessen werden, der sie mit Paraden bei Schüssen von Zlatko Junuzovic (40.), Kruse (42.) und Milos Veljkovic (43.) aus Nahdistanz überhaupt im Spiel hielt. Die Frankfurter hatten es allein ihrem Finnen unter der Latte zu verdanken, dass sie nicht zur Pause in Rückstand geraten waren.

Unter dem neuen Trainer Florian Kohfeldt legten die Bremer ein sehr engagiertes Spiel hin. Der bisherige U23-Coach hatte überraschenderweise den defensiven Mittelfeldakteur Thomas Delaney weit nach vorne beordert, um den Frankfurter Spielaufbau schon früh zu stören. Das Spiel zu machen, zählt ohnehin nicht zum Kerngeschäft der Hessen, es gelang auch dieses Mal zunächst nicht.

Rebic: Hummer-Jubel nach dem Treffer 

Dabei lief es relativ schnell nach Plan: Nach 17 Minuten schlenzte Ante Rebic die Kugel sehenswert in den Winkel, es war ein Tor aus dem Nichts und schon das vierte des Kroaten, der den Treffer wieder mit dem mittlerweile berühmten „Hummer-Jubel“ feierte. Dieser frühe Treffer sollte eigentlich „der Dosenöffner“ sein, wie es sich Kovac am Tag in der Pressekonferenz gewünscht hatte.

Kurz darauf hatte Marius Wolf (19.) eine prima Gelegenheit, auf 2:0 zu stellen, doch er vertändelte die gute Vorarbeit von Marc Stendera. Wolf scheiterte nach einer knappen halben Stunde noch einmal mit einem Fernschuss an Torwart Jiri Pavlenka. Aber das war es auch schon mit den Offensivbemühungen der Frankfurter. Vieles war Stückwerk geblieben, vieles kam trotz der Führung über Bemühen nicht hinaus. „Nicht mit dem Kopf durch die Wand“ sollten die Frankfurter spielen, hatte Kovac gefordert. Doch ein bisschen mehr hätte es schon sein können.

Der Gegentreffer verunsicherte die Norddeutschen nur kurz: Dann waren sie wieder auf der Höhe. Und der Ausgleich, den der Finne Niklas Moisander (25.) gegen seinen Landsmann erzielte, ein Stochertor nach einer Ecke, war durchaus verdient. Vor allem beide defensive Außenbahnen waren Frankfurter Schwachstellen, Salcedo und Falette, aber auch Jetro Willems, ließen sich immer wieder überspielen, sie wirkten auch nicht besonders handlungsschnell. Das 1:1 zur Pause war aus Frankfurter Sicht durchaus schmeichelhaft. 

In der zweiten Halbzeit hätte Kevin-Prince Boateng gleich die erneute Führung markieren müssen: Er stand mutterseelenallein vor dem Tor, doch er schaffte es, den feinen Flachpass von Willems nicht im Tor unterzubringen. Das war eine 100-prozentige Gelegenheit für Boateng, der nun deutlich offensiver agierte. Willems war es auch, der nach 64 Minuten nur mit seinem schwächeren rechten Fuß an den Ball kam, Pavlenka konnte mit dem Fuß abwehren.

Danach verflachte die Partie mehr und mehr. In den Strafräumen passierte nicht viel, ein Schuss von Boateng (85.) zwang Pavlenka nochmal zu einer Tat, ein Schuss von Falette strich über die Latte. Alles schien auf ein schiedlich-friedliches Unentschieden hinauszulaufen.

Und dann kam Sebastien Haller, dem 89 Minuten alles missraten war, und sorgte für das sehr schmeichelhafte Happy End. 

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