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Sebastian Rode: Der Schmerzlose

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Von: Daniel Schmitt

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Voll am Kopf getroffen: Sebastian Rode blutet.
Voll am Kopf getroffen: Sebastian Rode blutet. © AFP

Der Mittelfeldmotor von Eintracht Frankfurt erlebt den Höhepunkt seiner Karriere - und sinkt ergriffen danieder auf den Rasen des Stadions von Sevilla.

Das Spiel war kaum losgegangen, nicht mal zehn Minuten alt, da ahnte Sebastian Rode bereits, wie es drei Stunden später enden würde. Zumindest glaubte er fest daran, wie es aus seiner Sicht enden sollte, redete es sich ein, manifestierte es in seinem Oberstübchen, das just in dieser frühen Phase des Spiels heftig pochte. Der Schmerz an der Stirn, das nach unten plätschernde Blut, die Momente des Bangens im Unwissen, wie schlimm es denn nun wirklich aussieht dort oben, wo er nicht hinschauen kann.

Der zwar unfreiwillige, aber doch üble Stollentritt von Glasgow-Raubein John Lundstram ins Gesicht des Kapitäns von Eintracht Frankfurt - seltsamerweise nicht mal mit einer Gelben Karte geahndet - machte dem 31-Jährigen Mut. Der Aberglaube, ohnehin weit verbreitet unter Fußballern, brach sich Bahn bei ihm, die Erinnerungen an einen seiner ehemaligen Mitspieler war präsent. „Ich war direkt wieder bei Bewusstsein, insofern war es okay. Ich habe sofort an Schweini im WM-Finale 2014 gedacht, das war ein gutes Omen“, so Rode.

Schweini, Bastian Schweinsteiger, war damals in Maracana-zu Rio, ebenso wie nun Sebastian Rode in Sanchez-Pizjuan zu Sevilla, eine ganze Weile des Spiels mit einem Turban an der lädierten Stirn über den Rasen gerannt, später irgendwann vor allem noch gewankt. Heroische Bilder, damals wie am Mittwochabend. Irgendwann im Laufe der nächtlichen Frankfurter Feierlichkeiten, zwei, drei Stunden nach dem Abpfiff, präsentierte Sebastian Rode dann auch für aller Welt sichtbar, was zuvor die blau-weißen Kopfbinden verborgen hatten. Einen drei, vier Zentimeter langen Cut, mittlerweile genäht, gesäumt von einer sich deutlich anbahnenden Beule. Rodes Statement dazu: „Hauptsache das Ding geholt. Alles andere ist egal.“ Das eine oder anderen kühle Blonde zur Betäubung wird auch geholfen haben.

Ein Kapitän als Co-Trainer

Natürlich sei die Kopfverletzung „ein Schock“ für die ganze Mannschaft gewesen, sagte der Frankfurter Trainer Oliver Glasner hinterher, „aber zum Glück ist nichts Schlimmeres passiert und Sebastian konnte weiterspielen.“ Der nie einem Zweikampf aus dem Weg gehende Mittelfeldspieler war ja schon vor drei Jahren in einem bedeutenden Spiel hart getroffen worden, London, Stamford Bridge, das Halbfinalrückspiel bei Chelsea, in dem Rode nach 70 Minuten schwer am Knie verletzt aufgeben musste. Diesmal hielt er lange durch, mehr als beachtlich, nicht die Verletzung am Kopf, sondern die bis auf den letzten Tropfen verbrauchten Kraftreserven bewogen Trainer Glasner dazu, seinen Vorbildspieler vor der Verlängerung vom Platz zu holen.

Doch Sebastian Rode wäre nicht Sebastian Rode hätte er einfach aufgehört. Die finalen Minuten des „größten Tags meiner Karriere“ erlebte er stehend direkt an der Seitenlinie, als weiterer Co-Trainer. Er protestierte, feuert an, schrie seine Nervosität heraus. Und als der letzte Schuss von Rafael Borré tatsächlich im Netz zappelte, sank er einfach danieder aufs Grün. Kraftlos, überwältigt, heroisch.

Ein Rode lässt sich nicht unterkriegen: Bandagiert geht es weiter, immer weiter.
Ein Rode lässt sich nicht unterkriegen: Bandagiert geht es weiter, immer weiter. © dpa

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