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Sebastian Jung will endlich wieder Fußball spielen.

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Sebastian Jung nimmt neuen Anlauf

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Der frühere Frankfurter Sebastian Jung will nach langer Misere einen kompletten Neuanfang machen.

Am letzten Mittwoch war Sebastian Jung in London, natürlich nicht auf Shoppingtour, er war dienstlich in der englischen Kapitale. Der Förderkader des VfL Wolfsburg, der sich aus Profis, U-23- und U-19-Spielern zusammensetzt, nimmt am Premier-League-International-Cup teil, 24 Mannschaften spielen in sechs Gruppen den Sieger aus, die „Wölfe“ trafen in der Vorrunde auch auf Athletic Bilbao. Am Mittwoch also stand Sebi Jung 90 Minuten beim 4:0-Sieg gegen die Spanier auf dem Rasen. „Das hat Spaß gemacht“, sagt der mittlerweile auch schon 28 Jahre alte Rechtsverteidiger.

Die gute Nachricht ist: Sebastian Jung, der Königsteiner Bub, bei Eintracht Frankfurt seit Kindesbeinen am Ball, spielt wieder Fußball. Seit knapp vier Wochen ist er beschwerdefrei, ist wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen, das ist bei seiner Verletzten-Historie allemal eine Meldung wert. Zuletzt laborierte der Mann an komplizierten Muskelsehnen-Verletzungen, das letzte Mal spielte er in der Bundesliga am 17. Februar dieses Jahres gegen Bayern München, davor kam er für eine Minute ins Spiel. Es sollten in der Saison 2017/18 seine einzigen Einsätzen gewesen sein.

Nur 39 Einsätze in Wolfsburg

Nein, man kann nicht sagen, dass der Wechsel von Sebastian Jung von der Eintracht im Sommer 2014 zum VfL Wolfsburg unter einem günstigen Stern gestanden hat. In den viereinhalb Jahren in Wolfsburg kam der frühere Frankfurter Dauerspieler auf ganze 39 Einsätze (von 136 möglichen). Im ersten Jahr lief es noch ganz manierlich, 22-mal spielte der Sebi beim VfL, er wurde Vizemeister und Pokalsieger, aber beim Triumph von Berlin 2015 saß er neben Kumpel Patrick Ochs auf der Tribüne. „Die letzten zwei Jahre waren wirklich schlecht, für den VfL und für mich.“

Die Krux des Sebastian Jung, seinerzeit auf dem Sprung zum festen Mitglied der Nationalmannschaft, begann im März 2016, als im Champions League-Spiel gegen KAA Gent das Kreuzband riss. „Damit fing die ganze Misere an“, sagt Sebastian Jung heute. Im Grunde sei es so, dass „ich mich seitdem zurück kämpfe“. Doch Verletzungen warfen ihn immer wieder zurück: Außenbandriss am Sprunggelenk, Risswunde am Knie, Faserrisse, dazu zuletzt die Sehnen-Blessur in der Wade - kaum hatte sich Jung in den Kader gekämpft, hat ihn eine neuerliche Verletzung gebremst. Das ist auch deshalb verwunderlich, weil Jung bei der Eintracht im Kern so gut wie nie verletzt war; er war Stammspieler, stand immer auf dem Rasen, wurde in Frankfurt auch Nationalspieler. 115 seiner 154 Bundesligaspiele bestritt er für die Eintracht.

Nun nimmt der 28-Jährige einen neuen Anlauf. Im Januar, da war er noch angeschlagen, hat er seinen Vertrag in Wolfsburg verlängert, bis Sommer 2019. Mittlerweile ist er mit seiner Freundin in eine Doppelhaushälfte vor den Toren Wolfsburgs gezogen. „Ich will einen kompletten Neuanfang machen“, sagt er.

Er will sich in Wolfsburg durchsetzen, auch gegen starke Konkurrenz wie William und Paul Verhaegh. „Ich will zeigen, dass ich doch Fußball spielen kann und meine Zeit nicht nur in der Reha zubringe.“ Aber dafür muss er 100-prozentig fit werden. „Ich muss erst einmal in die Lage kommen, konkurrenzfähig zu sein.“ Dazu tun die Spiele im Förderkader gut.

Jung bereut Wechsel nach Wolfsburg nicht

Den Schritt nach Wolfsburg hat Jung, trotz allen Pechs, nicht bereut. „Zum damaligen Zeitpunkt war das die logische Entscheidung“, sagt er heute. Dass er nicht richtig in Tritt kam, konnte niemand ahnen. Immerhin habe er Europa League gespielt, dazu in der Champions League, „das nimmt mir keiner“. Den Sprung zum Nationalspieler hat er hingegen nicht geschafft, obwohl gerade auf seiner Position, rechts hinten, viel Bedarf herrscht.

Den Kontakt zur Eintracht, für die er 16 Jahre kickte, hat er natürlich nie abreißen lassen. Er ist oft in Frankfurt oder bei seinen Eltern in Königstein. In der Länderspielpause hat er unlängst bei einem Spiel von Hessen Dreieich vorbeigeschaut und da auch seinen väterlichen Freund Karl-Heinz Körbel getroffen. Alex Schur, sein Förderer, hat ihn in Wolfsburg besucht. So leicht lassen sich Wurzeln in die Heimat nicht kappen.

Sein Tipp: 2:1

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