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Ante Rebic muss bei der Eintracht hohen Erwartungen gerecht werden.
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Ante Rebic muss bei der Eintracht hohen Erwartungen gerecht werden.

Eintracht Frankfurt

Schwer erziehbar, aber gut

  • Frank Hellmann
    VonFrank Hellmann
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Ante Rebic hat nun dreimal hintereinander getroffen. Trainer Niko Kovac will seinen Landsmann dennoch weiter antreiben.

Die Geste war eindeutig. Mit weit ausgebreiteten Armen lief Ante Rebic über den   mitgenommenen Rasen in der Hannoveraner Arena, um nach seinem siegbringenden Streich mit den Fingern eine Botschaft auszusenden. Jene, die den bisweilen arg wankelmütigen Profi von Eintracht Frankfurt kritisieren, sollten besser schweigen – das war die Nachricht, die der Matchwinner mit dem Schlussakt in der 90. Minute verknüpfte, der die gesamte Eintracht-Entourage in Feiertagsstimmung versetzte.

Künstlerisch wertvoll, technisch anspruchsvoll und auch sehenswert war es ja allemal, wie Rebic nach einem weiten Schlag von Torwart Lukas Hradecky, einer Brustablage von Sturmkollege Sebastian Haller mit dieser Direktabnahme die einzige Lücke fand und die gewiss nicht unverdiente Entscheidung besorgte. So einer wird – wie Haller nach seinem Seitfallzieher gegen den VfB Stuttgart – eigentlich im Anschluss zumindest vor alle Kameras zum Gespräch geführt. Das sieht das Ablaufprotokoll der Fußball-Bundesliga so vor.

Doch Rebic verspürte am Samstag keinerlei Redebedarf. Selbst am Bezahlfernsehen stapfte der 24-Jährige hernach vorbei wie ein trotziger Schuljunge. Dafür sprach sein Fußballlehrer Niko Kovac über den schwer Erziehbaren: „Er ist mein Landsmann. Ich weiß, was in seinem Kopf vorgeht. Der Treffer gibt ihm Selbstvertrauen, aber er soll nicht denken, dass er jetzt noch weniger machen muss.“ Über die Härte dieser Aussage war der in Berlin geborene Deutsche-Kroate zunächst selbst verwundert. Er wollte aber deutlich machen: Der zehnfache kroatische Nationalspieler könne es noch besser machen: „Wenn er sein Potenzial abruft, gehört er hier auf seiner Position zu den Top Ten. Man muss ihn ab und zu pieksen.“

Die richtigen Motivationsspritzen

Offenbar verabreicht Kovac Rebic dieser Tage die richtigen Motivationsspritzen. Es gab intern „klare Ansagen“, sagte Kovac, auch was die Zahl seiner Tore angeht. „Ich erwarte von ihm nur das, was er kann.“ Er hat seine Nummer vier bei RB Leipzig eingewechselt, wo Rebic sein erstes Saisontor schoss. Es folgte das zweite gegen den VfB Stuttgart. Und nun gleich das dritte bei Hannover 96. Damit steht er bei sechs (Teilzeit-)Einsätzen schon besser da als nach 24 Bundesligaspielen in der Vorsaison. Da standen in der Bilanz für einen Angreifer seiner Veranlagung kümmerliche zwei Tore.

Gleichwohl gibt es auch in dieser Phase noch Lob und Tadel. Kovac: „Das Tor hat er gut gemacht, aber mit seiner Leistung über 90 Minuten bin ich nicht so zufrieden. Er muss mehr Präsenz zeigen und darf nicht so oft wie ich nur Zuschauer sein.“ Der Coach hatte nach eigener Aussage ernsthaft in der Schlussphase überlegt, den genau wie Haller in der Rückwärtsbewegung nicht mehr sehr aktiven Rebic vom Feld zu winken, doch „ein Bauchgefühl“ habe ihn dazu bewogen, das Risiko zu wagen. Besondere Psychoticks würden nicht dahinterstecken. „Dazu gehört auch das Quäntchen Glück: So ein Schuss kann auch unter dem Tribünendach landen.“

Gleichwohl: Das Verhältnis zwischen dem ehrgeizigen Fußballlehrer und dem bisweilen nachlässigen Fußballer ist ein besonderes. Bereits am Freitag hatte der Trainer auf der Pressekonferenz ausführlicher über den Reifeprozess bei Rebic geredet. „Der Verstand kommt mit dem Alter. Jeder junge Spieler hat nicht die Erfahrung, die Einsicht und das Denken eines Profidaseins. Mit der Zeit lernt man das. Ich glaube, die Zeit, in der er nicht bei uns war, die drei Monate, die können manchmal Gutes bewirken.“

Rebic wurde ja zunächst zum AC Florenz zurückgeschickt. Weil die Hessen die Kaufoption auf den technisch beschlagenen Offensivmann bewusst nicht wahrnahmen, obwohl dieser im Pokalfinale gegen Borussia Dortmund (1:2) bester Eintracht-Akteur und den Ausgleich erzielte, wirkten die unsteten Leistungen aus der Liga noch nach. „Mit seiner Effizienz war er selber unglücklich. Wir wollen, dass er mehr aus seinen Möglichkeiten rausholt“, erklärte Sportvorstand Fredi Bobic, der ganz wie Kovac die Zuckerbrot-und-Peitsche-Formel anwendet. „In erster Linie wird er natürlich für das Toreschießen bezahlt, aber er muss nach hinten einfach noch mehr machen.“ Im FR-Interview sagte Kovac einmal über den Flügelstürmer: „Manchmal hat er Sachen gemacht, die waren der Wahnsinn. Aber dann hat er mich auch in den Wahnsinn getrieben.“ Dessen ungeachtet bezeichnet er Rebic als „meinen Ziehsohn“, unter Kovac wurde er Nationalspieler, der bei der WM in Brasilien dabei war.

Mit dem zweiten Deal auf Leihbasis inklusive erneuter Kaufoption scheint endlich eine Win-win-Situation für beide Seiten entstanden. Der aus Split stammende Stürmer darf den eingeschlagenen Weg nur nicht wieder verlassen. Aber Hoffnung besteht: Da hat einer offenbar mit Verzögerung doch noch wertgeschätzt, was eine Festanstellung in der höchsten deutschen Spielklasse bedeutet.

Bundesliga passt zu ihm

„Die Bundesliga passt zu mir, ich habe zu mir selbst gefunden hier“, sagte er unter der Woche der „Bild“. Er scherzte auch darüber, dass er bei der Eintracht alles verloren habe: In seinem Apartment wohnt Luka Jovic, seinen Spind bekam Haller, seine Rückennummer Kevin-Prince Boateng und seinen Platz im Mannschaftsbus Jetro Willems. „Aber ich habe alles neu gefunden. Vorher wohnte ich im Westend, jetzt in Sachsenhausen.“ Er habe im Sommer erkannt, dass er am Scheidepunkt der Karriere stehe. „Ich war 19, als ich von Kroatien wegging. In großen Ligen wie Italien oder Deutschland ist normal, dass das schwierig ist für einen jungen Spieler.“ Womöglich kriegt der Draufgänger jetzt mit 24 die Kurve.

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