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Hoffnungslos unterlegen: Carlos Salcedo (li.) und Frederik Rönnow sind bedient, die Bayern haben gut lachen.

Supercup

Schwer ernüchtert

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  • Ingo Durstewitz
    Ingo Durstewitz
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Eintracht Frankfurt liefert bei der 0:5-Klatsche im Supercup gegen Bayern München eine peinliche Vorstellung ab.

Nach dem 0:5 (0:2)-Debakel am Sonntagabend im Supercup erwies sich Eintracht Frankfurt wenigstens als fairer Verlierer. Bei der Siegerehrung blieben die Spieler auf dem Platz und gratulierten den Münchnern artig. Das hatten die Bayern am 19. Mai in Berliner Pokalfinale nicht für nötig befunden.

Ansonsten aber war es eine zutiefst ernüchternde Veranstaltung: Eintracht Frankfurt unterlag Bayern München in einem selten gesehen einseitigen Spiel und auch in der Höhe verdient. Der Auftritt der Frankfurt war nahe an der Peinlichkeit. So kann man in der Bundesliga nicht auftreten. Das 0:5 war eine gewaltige Ohrfeige. Auf die Hessen und ihre Sportliche Führung wartet noch viel Arbeit. „Sie waren uns in allen Belangen überlegen. Das 2:0 für Bayern war aus meiner Sicht der Knackpunkt. Gegen Ende sind wir in eine Klatsche gelaufen, die wir nicht wollten“, sagte Trainer Adi Hütter.

Dabei er sich so sehr auf seine Heimpremiere gefreut. Doch dann entwickelte sich dieser Supercup sehr schnell in die Richtung, die allenthalben erwartet worden war: Die Bayern gaben den Ton an, die Eintracht hechelte hilflos hinterher. Die Münchner waren mit voller Kapelle angetreten, Bayern-Trainer Niko Kovac, der mit vereinzelten Pfiffen, aber auch mit warmen Beifall in Frankfurt empfangen wurde, hatte – bis auf den leicht angeschlagen James - seine beste Formation aufgeboten.

Niko Kovacs Bayern setzen die Vorgaben um

Und sein Team setzte um, was er angekündigt hatte: „Wir wollen den ersten Titel“, hatte Kovac vorher klare Vorgaben erteilt. Zur Pause lag der Deutsche Meister, ohne sich besonders verausgabt zu haben, bereits mit 2:0 in Führung, und zur Pause gab es auch schon die ersten Pfiffe aus dem Frankfurter Block.

Der neue Frankfurter Trainer Hütter hatte lediglich zwei der acht Neuzugänge für gut genug für den Kader befunden, Torwart Frederik Rönnow und der defensive Mittelfeldspieler Lucas Torro. Das sagt schon eine ganze Menge aus über die Qualität der neuen Leute. Und Rönnow, immerhin dänischer Nationaltorhüter, hinterließ bei seinem Einstand einen alles andere als glücklichen Eindruck. Beim 0:2, einem Kopfball von Robert Lewandowski (26.), unterlief er amateurhaft eine Ecke von Arjen Robben, auch sonst wirkte er unsicher, beim 0:4 lenkte er die Kugel zum Torschützen Kingsley Coman. Dazu kam, dass sein Spiel mit dem Ball ebenfalls verbesserungswürdig ist. Er wird sich für die Bundesliga enorm steigern müssen. Oder die Eintracht bekommt ein echtes Torwartproblem. Und das ist nur eines von vielen Problemen.

Steigern - das gilt für die komplette Frankfurter Mannschaft, die an diesem lauen Sonntagabend den Bayern haushoch unterlegen und im Grunde allenfalls ein besserer Sparringspartner war. Im Grunde klappte nichts bei den Hessen im neuen schwarzen Dress. Sie waren in allen Belangen chancenlos. Gerade in puncto Tempo und Ballsicherheit tat sich ein Klassenunterschied auf, die Bayern marschierten, die Frankfurter liefen hilflos hinterher. Von Spielfreude, gar von einem Kombinationsspiel war nicht das Geringste zu sehen. Gut, bis zum Bundesligastart sind es noch zwei Wochen, der Kader ist noch nicht komplett. Aber wer die Leistung vom Sonntag zum Maßstab nimmt, dem muss Angst und Bange um Eintracht Frankfurt werden.

Dass die Eintracht im eigenen Stadion gegen übermächtige Münchner nicht viele Torchancen würde bekommen, war weitgehend erwartet worden. Dass aber auch die Defensive, im vergangenen Jahr noch eine der Stärken, derart ins Schwimmen geraten sollte, war bedenklich. Zeitweise wirkte die Hintermannschaft wie ein aufgescheuchter Hühnerhaufen, viel zu oft wurde der Ball in höchster Not nur nach vorne geschlagen. Dennoch konnte Lewandowski zweimal unbedrängt einköpfen, das erste Mal nach 21 Minuten.

Robert Lewandowski killt die letzte Stimmung

Das 2:0 nach knapp 30 Minuten war ein ziemlicher Stimmungskiller. Ohnehin hatten die Anhänger aus der Nordwestkurve bei der von der Deutschen Fußball Liga ausgerichteten Veranstalter offenbar keine Lust auf Choreographie. Es gab auch keine Banner oder Plakate, und gesungen wurde auch nicht. Das passte zu der sehr dürftigen Leistung der Frankfurter.

 Nach der Pause hatte Hütter umgestellt. Aus der Dreierkette wurde eine Viererkette, Makoto Hasebe agierte als zusätzliche Sechs neben dem sehr blassen Lucas Torro. Grundlegendes änderte sich nicht: Die Bayern agierten souverän, hatten gefühlte 60, 70 Prozent Ballbesitz und waren jeder Zeit Herr im fremden Haus. Im Gegenteil: Robert Lewandowski (54) erzielte das 3:0, sein dritter Treffer an diesem Abend, nachdem er David Abraham düpiert hatte, Kingsley Coman (63.) gar das 4:0. Auch da sah der bemitleidenswerte Rönnow nicht gut aus, er lenkte die scharfe Hereingabe von David Alaba dem Franzosen direkt vor die Füße.

Immerhin kam danach der Frankfurter Publikumsliebling Ante Rebic ins Spiel, der von den Fans frenetisch gefeiert wurde. Natürlich konnte er genauso wenig mehr bewegen wie die ebenfalls noch eingewechselten Luca Jovic (für den indisponierten Sebastien Haller) und Danny Blum.

Blum immerhin schoss ein Mal auf das Bayern-Tor, in der 74. Minute. Es war der erste, harmlose Schuss, den Nationaltorhüter Manuel Neuer halten musste. Ansonsten konnte er sich am gefälligen Spiel der Münchner erfreuen, die nach 85 Minuten durch Thiago sogar noch das 5:0 erzielten und damit die Blamage für Eintracht Frankfurt perfekt machten.

Glück hatte David Abraham, der Lewandowski mit dem Ellbogen ins Gesicht schlug. Das war eine glasklare Rote Karte. Das sollte der Kapitän sich künftig tunlichst verkneifen.

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