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Muss Konstanz in seine Mannschaft bringen: Thomas Schaaf.

Eintracht Frankfurt

Zu schwach für Gleichstarke

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Die kommenden Gegner der Eintracht sind nicht gerade Schwergewichte in der Bundesliga. Aber die Frankfurter üben sich im Umgang mit den Beladenen in Zurückhaltung.

Die bevorstehenden vier Begegnungen der Frankfurter Eintracht sind für einen Mittelklassebundesligisten, der noch mit einem Auge in die Regionen schielt, in denen es deutlich komfortabler und angenehmer zugeht als im zugigen Kellergeschoss des Klassements, wie gemalt. Eigentlich. Zu Hause gegen den Hamburger SV, auswärts in Köln, daheim gegen den SC Paderborn, in der Fremde beim VfB Stuttgart. Das sind vier Teams, denen das Wasser bis zum Hals steht, das sind vier Mannschaften, die zurzeit unter den letzten Sechs im Tableau angesiedelt sind. Gute Voraussetzungen also für einen Mittelfeldklub das Punktekonto aufzubessern. Möchte man, oberflächlich betrachtet, folgern. Bei Eintracht Frankfurt ist das Gegenteil der Fall.

Gute Ergebnisse gegen die Großen

Mit einigem Unbehagen blicken die Verantwortlichen diesem Viererpack entgegen. Das hat sehr stark mit den Erfahrungen in dieser Saison zu tun. Denn die Hessen haben gegen die Großen der Liga höchst selten verloren, nur gegen die der deutschen Fußballwelt enteilten Bayern und auch gegen die wackeren Augsburger, die aber generell nicht als Schwergewicht zu bezeichnen sind.

Die Eintracht hat im Gegenzug gegen Schalke 04 gewonnen (und hätte auch das Hinspiel, 2:2, gewinnen müssen) und gegen den Champions-League-Teilnehmer Borussia Dortmund, sie hat drei Punkte aus dem Borussia-Park in Mönchengladbach entführt. Sie hat gegen Wolfsburg zweimal Remis gespielt, in Leverkusen schon so gut wie gewonnen gehabt, wenn Slobodan Medojevic nicht dieser verhängnisvolle Fehlpass unterlaufen wäre und der zweite Ersatztorwart Timo Hildebrand einen Schuss in die kurze Ecke nicht einfach hätte passieren lassen.

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Es fällt auf: Immer dann, wenn die Mannschaft im Brennpunkt steht, wenn sie sich gegen vermeintlich stärke Teams zur Wehr setzen muss, dann spielt sie am oberen Limit, dann hievt sie sich selbst auf ein Niveau, das es ihr ermöglicht, gegen 16 von 17 anderen Bundesligisten zu gewinnen. Das ist für den Moment ganz schön und bringt auch Respekt und Anerkennung, ein gutes Gefühl sowieso, es gibt dem Team auch eine gewisse Bestätigung. Aber wenn sich die Highlights niemals bestätigen und in den Alltag hinüber retten lassen, dann ist das nicht wirklich befriedigend. Diese Schwankungen machen ratlos.

Die Funktionäre sind mittlerweile jedenfalls ziemlich erbost darüber, wie viele Chancen die Mannschaft liegen lässt, weiter nach oben zu klettern. Denn es war selten so einfach, in die Nähe der Europapokalplätze zu gelangen wie in dieser Saison. Das liegt an der Ausgeglichenheit der Liga oder auch an der generellen Schwäche hinter den Bayern. Außer den Münchnern und dem VfL Wolfsburg gibt es keine Mannschaft, die konstant und sicher punktet. Die alte Floskel, wonach jeder jeden schlagen könne, trifft in dieser Spielzeit tatsächlich zu. Wie ausgeglichen (schwach) die Liga ist, zeigt auch der Aufstieg von Werder Bremen, die Hanseaten haben sich innerhalb kürzester Zeit mit einer Siegesserie in Schlagdistanz zu den internationalen Startplätzen gebracht.

Indiskutable Leistung in Mainz

Dort könnte auch die Eintracht stehen, wenn sie nicht so wankelmütig und unstet wäre. Sie ist für die Beladenen und Angeschlagenen ein dankbarer Aufbaugegner. 

Als etwa die Mainzer in der vorvergangenen Woche einen neuen Trainer präsentierten, den ziemlich coolen und wilden Martin Schmidt, da haben schon viele Eintracht-Fans gewettet, dass die Frankfurter Spieler ganz sicher für einen Traumeinstand des neuen Zampanos sorgen würden. So kam es natürlich auch. Mit 1:3 ging die Eintracht unter. Sie zeigte über weite Strecke eine indiskutable Leistung.

Es war nicht so, dass die Mainzer die Frankfurter auseinander genommen oder spielerisch brilliert hätten, nein, sie haben schlichtweg mehr Entschlossenheit, Mut, Siegeswillen und Eigenmotivation an den Tag gelegt. Das reicht in aller Regel, um die Eintracht niederzuhalten. Das ist etwas, das den Verantwortlichen mittlerweile die Zornesröte ins Gesicht treibt.

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Die Eintracht, das ist die Krux, ist in den Duellen mit den eigentlich Gleichstarken meistens der Unterlegene. Die Mannschaft hat die sportlichen Fähigkeiten, um besser zu stehen. Nur: Das mentale Rüstzeug fehlt. Das hat das Team nicht. Und das ist auch ein Qualitätsmerkmal. Einige Spieler sind zu bequem und zu schnell mit dem Erreichten zufrieden. Deshalb hat sich der Ton draußen im Stadtwald verschärft.

Der Eintracht fehlt einfach die Konstanz, sie hat in dieser Spielzeit nur eine wirklich gute Phase gehabt, das war im Spätherbst bis Weihnachten, als man dachte, das Team habe sich gefunden, es schien sich auf einem ordentlichen bis guten Niveau stabilisiert zu haben. Doch dann kam die Winterpause, und das zarte Pflänzchen war zertreten, der Aufschwung abrupt gestoppt.

Kommende Spiele stellen die Weichen

Und mittlerweile ist hinten nicht nur die Schießbude wieder geöffnet, sondern auch die spielerische Qualität überschaubar. Viele Bälle fliegen hoch und weit von der Abwehr über das Mittelfeld hinweg in den Angriff. „Wir wichsen die Bälle nur noch nach vorne“, monierte Stefan Aigner. Die fußballerische Armut hat natürlich auch etwas mit dem Glauben an die eigene Stärke und dem Selbstvertrauen zu tun – das leidet gerade dann, wenn der Gegner aggressiver, mutiger, furchtloser zu Werke geht. Und das machen meistens die Teams, denen das Wasser bis zum Hals steht.

In den kommenden vier Spielen könnten die Hessen die Weichen stellen, um sich für den Bundesligaendspurt in Stellung zu bringen. Mit neun, zehn Punkten könnte man kalkulieren, wenn man normale Maßstäbe anlegen könnte an diese Mannschaft. Doch mittlerweile sind die Verantwortlichen froh, wenn man halbwegs unbeschadet aus diesen Spielen herauskommt – und den Abstand nach unten hält oder ausbaut. Die Frankfurter haben fünf Punkte Rückstand auf Rang sechs, aber auch nur sechs Punkte Vorsprung auf Platz 16.

Am Samstag müsste die Eintracht den Hamburger SV schlagen, um sich nach hinten abzusichern. Doch sollte es klappen mit einem Dreier, dann wäre auch der Abstand nach oben verkürzt. Das wiederum würde sehr wahrscheinlich zu einer totalen Verkrampfung in den nächsten Spielen führen.

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