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Fast schon wieder in alter Frische: Nelson Valdez ist zurück am Ball.

Eintracht Frankfurt

Schritt für Schritt

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Nelson Valdez kehrt fünf Monate nach seinem Kreuzbandriss ins Training zurück. Eine Prognose, wann der Angreifer wieder spielen kann, gibt es noch nicht.

So rundum zufrieden ist Nelson Antonio Haedo Valdez noch nicht, nachdem er am gestrigen Donnerstag das erste Mal seit seinem Kreuzbandriss am 30. August des vergangenen Jahres wieder auf dem Platz steht. Er hat ein bisschen Ball gespielt, ein paar Pässe geschlagen, ist mit Fitnesstrainer Michael Fabacher und dem jungen Joel Gerezgiher, der seinen Faserriss auskuriert hat, ein paar Runde gelaufen auf dem Platz vor der Wintersporthalle und hat all das gemacht, was er nach der schweren Operation schon darf. Aber etwas störte den 31 Jahr alten Paraguayer dann noch: „Die Fußballschuhe, sie fühlen sich so eng an.“

Nelson Valdez hat ja in den vergangenen knapp fünf Monaten alles getragen, nur keine Kickstiefel. Ans neue Schuhwerk muss sich der flinke Stürmer also noch gewöhnen, aber nach dem, was er durchgemacht hat in den letzten Monaten, ist das allenfalls eine Petitesse. Dementsprechend ist auch sein Gemütszustand: „Ich bin überglücklich, wieder auf dem Platz zu stehen“, sagt er strahlend. Endlich „bin ich wieder ein bisschen bei der Mannschaft“, endlich ist auch ein Ende der Schinderei im Kraftraum und in der Reha in Sicht. Drei bis vier Stunden war er täglich an den Geräten zugange, auch am Samstag und am Sonntag. Er hat geschuftet für sein Comeback. Und das kommt früher als gedacht.

Gutes Heilfleisch

19 Wochen, knapp fünf Monate ist es her, dass im Spiel gegen den VfL Wolfsburg das Kreuzband im rechten Knie riss, bei einer an sich völlig harmlosen Aktion. Es war erst das zweite Punktspiel von Nelson Valdez für die Eintracht. Und doch hat Valdez Glück gehabt, im Mitleidenschaft war nur das Kreuzband gezogen, Knorpel, Meniskus, Außen- und Innenbänder waren heil geblieben. Ohnehin hätten ihm die Ärzte bescheinigt, für einen Fußballer erstaunlich intakte Knie zu haben. Der Paraguayer kam schneller auf die Beine als gedacht, normal sind sechs Monate. „Ich habe Indianerfleisch, das heilt schneller“, sagte er bereits im September der FR in einem Interview. Alle Muskeln müssen jetzt aufgebaut werden. Aber an Gewicht hat er, anders als etwa Carlos Zambrano, der in der Verletzungspause fünf, sechs Kilo zugelegt hat, nicht zugenommen. 76 Kilogramm wiegt er weiterhin, „nur anders verteilt“.

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Nelson Valdez will in zwei, drei Wochen „voll“ ins Mannschaftstraining einsteigen. Jetzt muss er noch langsam machen. „Ich darf nicht schießen“, sagt er. Fünf von sechs Belastungstests hat er zuletzt bestanden, bei Sprüngen oder Dreh- und Seitbewegungen hat er allerdings keine Probleme. Ende Februar/Anfang März will der zweifache Vater fit für die Bundesliga sein.

Trainer Thomas Schaaf hat zwar „ein gutes Gefühl“ bei Valdez, aber ihn müsse man immer wieder bremsen. „Er ist ein unruhiger Charakter. Wenn er was Rundes rumliegen sieht, will er dagegen treten.“ Schaaf hat deswegen Valdez geraten, sich nicht zu viel zuzumuten. „Jetzt macht er es sorgfältig.“ Aber eine Prognose, wann mit dem Stürmer zu rechnen ist, wagt Schaaf nicht. „Die Zeit ist noch nicht reif.“

Kein Ersatz für Lanig

Natürlich weiß auch der Paraguayer, dass er nichts überstürzen darf. Angst, das Knie zu früh zu belasten, hat er nicht, „aber ich will alles richtig machen“. Deshalb ist er auch nicht mit ins Trainingslager nach Abu Dhabi gereist, „das hätte keinen Sinn ergeben“, so weit ist er noch nicht. Außerdem kenne er Abu Dhabi auswendig, er hat dort 2013 ein Jahr lang bei Al-Jazira gespielt. Schritt für Schritt will sich Valdez wieder an sein Niveau herantasten. Fünf Jahre, so hat der 31-Jährige im letzten Jahr gesagt, wolle er allemal noch spielen.

Während Valdez also vorsichtig mit dem Ball kickte, fehlten am Donnerstag die Herren Kittel, Ignjovski und Madlung wegen Erkältung und Alexander Meier, weil er seine Patella-Sehne routinehalber behandeln lassen musste. Heute, beim Geheimtraining vor dem Freundschaftsspiel am Samstag im Stadion (15 Uhr) gegen Servette Genf, soll er aber wieder dabei sein. Derweil sieht Schaaf keine Notwendigkeit, wegen des Wechsels von Martin Lanig zu Apoel Nikosia sich nach neuem Personal umzusehen. „Wir haben im Mittelfeld genug Möglichkeiten“, sagt er. Auch Stürmer Vaclav Kadlec wird, so sieht es derzeit aus, weiter in Frankfurt bleiben und versuchen, zu alter Form zurückzukehren. Kevin Trapp, der sich am letzten Tag im Trainingslager an den Adduktoren verletzte, stand übrigens gestern fit im Tor.

Während der fußballlosen Zeit hat Nelson Valdez gemeinsam mit seinen Schwiegereltern in Bremen ein Restaurant eröffnet, die „Südtiroler Hütte“. Spezialität: Knödel. „Es läuft super“, sagt der Fußballer. Auch der Ehefrau von Trainer Schaaf habe es bei ihm schon gemundet. Inzwischen hat er die Kochschürze mit den Fußballschuhen vertauscht. Den zu engen.

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