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Will auf Schalke dieses Mal länger als 33 Sekunden dabei sein: Abräumer Gelson Fernandes.

Gelson Fernandes

Old school

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Gelson Fernandes von Eintracht Frankfurt sieht dem Pokalfinale mit Wehmut entgegen und will gegen Schalke 04 das Europa-Ticket lösen

Im Wirbel um die märchenhafte Rückkehr des Alexander Meier inklusive seines Treffers zum 3:0 gegen den Hamburger SV ist ein bisschen untergegangen, wer eigentlich die Vorarbeit zu diesem Happyend à la Hollywood geliefert hatte. Natürlich hat Stopper David Abraham die feine Flanke geschlagen, was bemerkenswert genug ist, weil das feinen Flanken nicht direkt zur Kernkompetenz des rustikalen Argentiniers zählt. Zuvor aber hatte - nach einem fast schon amateurhaft verdaddelten Konterversuch von Omar Mascarell - ausgerechnet Gelson Fernandes seine Füße im Spiel: Der Schweizer Nationalspieler schlug einen prima Pass weit hinaus auf die rechte Seite, wo dann Abraham zu seinem kleinen Solo ansetzte. Auch diesen Ball von Fernandes ist man in Frankfurt eigentlich nicht gewohnt: Der 31 Jahre alte defensive Mittelfeldspieler, eine wahre Frohnatur, gehört eher in die Rubrik kerniger Abräumer, er ist einer, der den Säbel statt des Floretts führt.

Gelson da Conceição Tavares Fernandes ist old school. Er rackert, ackert, macht und tut, zerstört, klaut die Bälle, er läuft seine Gegenspieler müde. Der Mann mit kapverdischen Wurzeln spult meist die meisten Kilometer aller Eintracht-Profis ab, am Samstag gegen den HSV waren es wieder 13 Kilometer. Seine spezifischen Fähigkeiten umschreibt er so: „Erfahrung, Wille, kämpferische Qualitäten.“ Seine spielerischen Mittel sind limitiert, ein moderner Sechser, der das Spiel aufbaut, ist er wahrlich nicht. Aber er weiß sich einzuschätzen, hat sich eine angenehme Ehrlichkeit bewahrt: „Gegen mich ist es schwer zu spielen, ich verteidige gut, aber ich habe nicht so einen Spielaufbau wie Xabi Alonso.“ Für die Offensive fällt er meist aus, Tore erzielt er so gut wie nie, in den 426 Spielen seiner Karriere für die unterschiedlichsten Klubs in unterschiedlichsten Ligen in der Schweiz, England, Frankreich, Portugal, Italien und Deutschland hat er 14 Mal getroffen, das ist nicht viel. „Wenn die Mannschaft auf meine Tore warten müsste, steigen wir ab“, sagte er einmal lachend.

Und nun wird er auch noch das Pokalfinale verpassen. 33 Sekunden nach seiner Einwechslung Mitte April im Halbfinale gegen Schalke sah der immer fröhliche Eidgenosse nach einem Foul an Leon Goretzka die Rote Karte, zwei Spiele Sperre. „Lieber ich raus als die Mannschaft raus“, sagt er jetzt. „Das ist okay.“ Noch hält sich der Schmerz über das verpasste Endspiel in Grenzen, aber das wird kommen, glaubt er, so um den 19. Mai herum. „Ich werde nicht mehr viele Pokalfinals in Deutschland erleben“, sagt er, „vielleicht“, feixt er im nächsten Moment, „im nächsten Jahr.“ Fernandes will aber die Mannschaft unbedingt mit einer Motivationsrede einschwören auf diesen Saisonhöhepunkt.

Sein Endspiel, zumindest in der Bundesliga, wird schon an diesem Samstag angepfiffen, es geht wieder gegen Schalke 04. „Die wollen Revanche“, vermutet er, für das Ausscheiden im Halbfinale. Ob er zum Einsatz komme, wisse er noch nicht. Alle seien aktuell im Training, das Trainer Niko Kovac angezogen hat. Also auch die angeschlagenen Timothy Chandler, Ante Rebic und Jonathan de Guzman. „Vielleicht darf ich mehr als 33 Sekunden spielen“, kalauert Fernandes. Bislang ist der 31-Jährige in seinen 18 Bundesligaeinsätzen für die Hessen um einen Platzverweis oder eine Gelb-Rote Karte herumgekommen, vier Gelbe Karten hat er bislang gesehen - davon drei in den ersten drei Spielen.

Für Eintracht Frankfurt freilich ist das letzte Saisonspiel von immenser Bedeutung für eine mögliche Qualifikation für die Europa League. „Wir haben in 33 Spielen alles gegeben und dann nimmt dir am letzten Tag einer den Platz weg. Nein, das wollen wir nicht“, sagt Fernandes und geht ganz zuversichtlich in diese Partie. Leidenschaft, Einsatz, Kampfbereitschaft sind zurück, „das ist unsere DNA.“ Und ein Erfolg auf Schalke, ein Erreichen des internationalen Geschäfts, würde mit Sicherheit auch die Stimmung vor dem Berliner Finale enorm anheben.

Sieben Sprachen, drei Weltmeisterschaften

Gelson Fernandes selbst, der in seiner bislang 14 Jahre währenden Karriere bei zehn Klubs gespielt hat, unter anderem bei Manchester City, Leicester, Chievo Verona, Udinese Calcio, Sporting Lissabon, AS St. Etienne, Stade Rennes und beim SC Freiburg, Gelson Fernandes also hat in diesem Sommer noch einiges mehr vor. Die WM in Russland ist bereits seine dritte Weltmeisterschaft, die er spielt, schon 2010 in Südafrika und 2014 in Brasilien war er dabei. Costa Rica, Brasilien und Serbien (mit Mannschaftskollege Mijat Gacinovic) sind die Schweizer Gruppengegner. 64 Länderspiele hat der Strahlemann, der sieben Sprachen spricht, schon auf dem Buckel, wenn auch längst nicht mehr als Stammspieler. Zuletzt hat der Vater einer Tochter bei den Eidgenossen keine tragende Rolle mehr gespielt, im März dieses Jahres durfte er zweimal ran, gegen Panama und Griechenland in aller Freundschaft.

Wie ein typischer Schweizer wirkt der Mann nun wirklich nicht, dabei wird er, der in seiner Karriere in halb Europa spielte, nach Beendigung seiner Laufbahn in die Schweiz zurückkehren, „in die Berge, na klar“, sprudelt es nur so aus ihm heraus. Und Skifahren kann er auch, der Mann von den kapverdischen Inseln. Dort, in der Schweiz, fühlt er sich zu Hause, dort wird sein künftiger Lebensmittelpunkt sein.

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