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Gut gedehnt ist halb gewonnen. Marcos Alvarez.
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Gut gedehnt ist halb gewonnen. Marcos Alvarez.

Marcos Alvarez vor erstem Einsatz

Schöne neue Welt

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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Nachwuchsstürmer Marcos Alvarez hat sich in seinem Halbjahr als Profi verbessert und darf auf seinen ersten Bundesligaeinsatz hoffen.

Natürlich ist die Szene bei Marcos Alvarez noch in bester Erinnerung. Wie er da steht an der Seitenauslinie, wie er sich noch mal dehnt und streckt, mehr als 40000 Leute sind im Stadion in der Tiefkühltruhe im Stadtwald, die Eintracht liegt zurück, 1:2 gegen den VfL Wolfsburg, und Trainer Michael Skibbe will alles auf eine Karte setzen, um noch einen Punkt zu retten.

Also soll Alvarez rein, der Nachwuchsmann, blutjunge 18 Jahre alt. Der Stürmer ist ein bisschen nervös und aufgeregt, klar, aber er ist bereit, bei der nächsten Unterbrechung wird er eingewechselt, dann wird er das geschafft haben, wovon so viele Jungs träumen, dann wird er Bundesligaspieler sein. Doch es gibt keine Unterbrechung mehr. Alexander Meier kommt nämlich an den Ball, und wo Meier ist, ist Torgefahr. Meier nimmt die Kugel an, er dreht sich - und schlenzt sie mit dem schwachen linken Fuß genau neben den Pfosten ins Tor. Ein prächtiger Treffer. 2:2. Jubel allenthalben. Auch Alvarez freut sich, aber auch wieder nicht. Denn er wird zurückbeordert, er muss wieder die dicke Daunenjacke anziehen und sich auf die Bank setzen. Der Traum ist geplatzt. Erst einmal.

Mit dem Abstand von einem Monat spricht der Jungprofi ganz abgeklärt von dieser komischen Situation, "ich habe mich gefreut für die Mannschaft", sagt er. Auch wenn dieser Moment für ihn natürlich irgendwie bitter war. "Aber ich werde hoffentlich die Chance bekommen, das nachzuholen", befindet er und lacht. "Ich bin jung, ich muss Geduld haben."

Alvarez, in Gelnhausen geboren und von Kickers Offenbach zur Eintracht gewechselt, wird wohl nicht mehr allzu lange warten müssen. Trainer Skibbe stellt dem Angreifer ein gutes Zeugnis aus. Alva, wie er gerufen wird, habe sich enorm verbessert. "Er ist zum echten Konkurrenten für die anderen geworden. Er wird zu Einsatzzeiten kommen, wir werden ihn in der Bundesliga sehen", sagt Skibbe und fügt lächelnd an: "Und dann wird er auch verwinden, dass er gegen Wolfsburg doch nicht reinkam." Natürlich könnte der junge Mann auch vom Verletzungspech im Frankfurter Sturm profitieren.

Alvarez hat sein erstes halbes Jahr bei den Profis hinter sich, für ihn, den A-Jugendlichen, war das ein Quantensprung. Alle hätten ihm erzählt, wie eminent groß der Unterschied zwischen Jugend- und Profifußball sei, und natürlich habe er das auch gewusst. Irgendwie. Aber wohl nicht so ganz. "Dass die Unterschiede so extrem groß sind, hätte ich nicht gedacht. Das ist schon Wahnsinn." Fast schon ehrfurchtsvoll spricht er von "zwei verschiedenen Welten".

Anfangs habe er schon ein wenig Manschetten gehabt, als er das Neuland erstmals betrat. Die großen Namen, gestandene Spieler, eine andere Galaxie. "Ich kam da hin zu den Profis, keiner kannte mich, da dachte ich mir: ,Verhalte dich erst mal ganz ruhig.´" Aber Anpassungsschwierigkeiten habe es keine gegeben. "Die Integration verlief super, ich bin klasse aufgenommen worden." Die Eintracht-Profis seien keine abgehobenen Schnösel, die einen jungen Mann auflaufen ließen, im Gegenteil. "Sie haben gleich mit mir geflachst, mir sofort das Gefühl gegeben, dazuzugehören." Mittlerweile ist Alvarez aufgetaut, haut selbst mal ein paar Sprüche raus.

Sportlich hat sich der Angreifer allerdings umstellen müssen, ganz gewaltig. Das Spiel sei viel athletischer, schneller, körperbetonter. "Da musst du wach sein, gerade im Kopf." Die ersten sechs Monate seien "eine super Lehrzeit" gewesen, er habe eminent viel gelernt. "Ich bin um zehn bis 15 Prozent besser geworden", glaubt er selbst. Er merke das auch, wenn er in der A-Jugend antritt, für die er spielberechtigt ist. Zwölf Tore in neun Spielen hat er in dieser Runde geschossen. Den Jugendspielern ist er einen Schritt voraus.

Alvarez profitiert auch von seinen neuen Mitspielern, Chris, Maik Franz, Nikos Liberopoulos zählt er auf. "Die geben mir immer Tipps, wie ich noch besser werden kann." Ratschläge welcher Art? "Wie ich den Ball besser abschirmen, meinen Körper effektiver einsetzen kann und dass ich nicht nur versuchen soll, mit meinem starken rechten Fuß zum Abschluss zu kommen", erzählt er. Gerade von Liberopoulos, dem ausgebufften Griechen, schwärmt er: "Alles, was er macht, hat Hand und Fuß. Und vor dem Tor ist er überragend. Zu solchen Spielern kann man nur aufschauen."

Maik Franz, der Alvarez im Trainingslager mit einer satten Grätsche gleich mal einen dicken Knöchel verpasste, findet lobende Worte für das Talent. Er habe sich gut entwickelt, "er ist schnell, technisch gut, er hat alle Anlagen, um es zum Profi zu schaffen", findet Franz. Nun komme es darauf an, dass er alles dem großen Ziel, es als Fußballprofi zu schaffen, unterordne. "Ein paar Prozent mehr Ernsthaftigkeit", findet Franz, dann könne es was werden mit einer Karriere. Alvarez will alles dafür tun: "Ich hoffe auf meine Chance. Und dann werden wir sehen, ob ich es schaffe oder nicht."

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