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Hört auf: Wilhelm Bender (links), hier mit Eintracht-Boss Heribert Bruchhagen.

Eintracht Frankfurt

Bis zum Schluss in einer fremden Welt

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    Ingo Durstewitz
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Im Aufsichtsrat der Eintracht macht Wilhelm Bender den Weg für Wolfgang Steubing frei.

In der vergangenen Woche erst war ein Bericht über Wilhelm Bender veröffentlicht worden, in dem der Aufsichtsratschef der Frankfurter Eintracht durchblicken ließ, einen Investor an der Hand zu haben, der bereit wäre, der Eintracht einen saftigen Geldbetrag zukommen zu lassen – wenn nur die Finanzpolitik so beibehalten werde wie bisher. Schnell war da von Mr. X die Rede, einem Phantom oder einem weißen Ritter, der da durch den Stadtwald geistere. Finanzvorstand Axel Hellmann dementierte postwendend.

Es gab nicht wenige im Dunstkreis der Eintracht, die es als Benders letzten verzweifelten Versuch ansahen, seinen Posten als Aufsichtsratsvorsitzender über den Sommer hinaus zu retten. Der frühere Fraport-Chef selbst, ein hochangesehener und in der Stadtgesellschaft anerkannter Funktionär, sprach daraufhin kurzerhand von einer Frechheit. Drei Tage später teilte Eintracht Frankfurt kurz vor dem Anpfiff der Bundesligapartie bei Borussia Dortmund mit, dass der 70-Jährige im Sommer nicht mehr für das Kontrollgremium kandidieren werde.

„Das wesentliche Ziel, die Eintracht in der Bundesliga zu etablieren, ist erreicht“, sagte Bender. Nach fünf Jahren Amtszeit will er mehr Zeit für seine ehrenamtlichen Aufgaben und Beratungsangebote in Asien haben. „Ich habe mit ihm über viele Jahre äußerst vertrauensvoll zusammengearbeitet. Das war gut für die Eintracht“, betonte Vorstandsboss Heribert Bruchhagen.

In der Tat hat Wilhelm Bender der Eintracht in manchen Bereichen gut getan, sich Verdienste erworben. Er hat den Klub in der Wirtschaft verankern und gekonnt repräsentieren können. Bender habe, ließen sich die Aufsichtratsmitglieder Peter Fischer und Wolfgang Steubing zitieren, „mit Geschick und hohem Zeiteinsatz wesentlich dazu beigetragen, dass die Eintracht in Gesellschaft und Wirtschaft großes Ansehen genießt“.

Doch eines hat der Manager nie geschafft: mit dem Fußballgeschäft wirklich warm zu werden. Er wandelte bis zum Schluss in einer fremden Welt, fremdelte mit der Branche, bekam keinen Zugang, die Mechanismen erschlossen sich ihm nie so richtig. Er war kein Brückenbauer, der die Organe zusammengeführt, Projekte angeschoben oder Ideen entwickelt hat. Er war mehr der Typ Verwalter, seriös und geachtet, aber kein innovativer Anschieber.

Armin Veh ante portas?

Auch die Beziehungen zu den im sportlichen Sektor handelnden Personen waren belastet: Ex-Trainer Armin Veh ging auf Distanz zum Aufsichtsratschef, das Verhältnis zu Sportdirektor Bruno Hübner ist total zerrüttet – spätestens nachdem Bender dem Manager im vergangenen Sommer Fehler in der Kaderzusammenstellung vorhielt.

Auch der Rückhalt bei den Aktionären schwand zusehends – und das nicht nur beim eingetragenen Verein (mit Peter Fischer an der Spitze) als Hauptgesellschafter, sondern auch bei den „Freunden der Eintracht“, der BHF-Bank und der Steubing AG. Diese vier werden am 30. April den neuen Aufsichtsrat bestücken, zwei, drei neue Räte wird es wohl geben, doch Bender hätte kein Mandat mehr bekommen. Das wusste der kluge Manager natürlich. Auch so ist sein freiwilliger Rückzug zu erklären.
Am 8. Juni wird das Kontrollorgan seinen neuen Vorsitzenden bestimmen – es wird wohl Wolfgang Steubing sein, der erfahrene Börsenguru, der Stallgeruch und in der Branche einen Namen hat, zudem ein gutes Verhältnis zur Mannschaft pflegt. Auch andere, der einflussreiche Investmentbanker Philip Holzer etwa, werden dann tragendere Rollen einnehmen.

Der neue Aufsichtsrat wird auch über die Nachfolge des in gut einem Jahr aus dem Amt scheidenden Vorstandsbosses Heribert Bruchhagen befinden. Dirk Dufner, zurzeit in Hannover Manager auf Abruf, spielt nach FR-Informationen dabei keine Rolle – der ehemalige Trainer Armin Veh in dieser neuen Rolle hingegen sehr wohl.

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