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Schleichendes Gift

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Von: Thomas Kilchenstein

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Ungeklärte Zukunft: Niko Kovac.
Ungeklärte Zukunft: Niko Kovac. © dpa

Die sportliche Leitung von Eintracht Frankfurt wäre gut beraten, in der Trainerfrage so schnell wie möglich reinen Tisch zu machen. Ein Kommentar.

Dass sich Eintracht Frankfurt an Ostersonntag ein faules Ei ins eigene Netz gelegt hat, ist ärgerlich, hat aber nichts mit der aktuellen Diskussion darüber zu tun, ob Niko Kovac im kommenden Jahr womöglich den FC Bayern München anleitet. Das wäre zu simpel, dazu hat die Mannschaft in Bremen insgesamt viel zu gut Fußball gespielt. Und doch ist das Gerede über einen etwaigen Wechsel der Frankfurter Lokomotive an die Isar nicht zielführend, es bringt Unruhe in den seriös arbeitenden Klub, verstellt den Blick auf das Wesentliche: In der kommenden Saison international unterwegs zu sein, vielleicht gar in der Königsklasse. Die sportliche Leitung von Eintracht Frankfurt wäre gut beraten, reinen Tisch zu machen, und zwar so schnell wie möglich. Derzeit lavieren alle nur um den heißen Brei herum, zuvorderst Niko Kovac, der die Gerüchte ja selbst neu entfacht hat, als er, zu seiner Zukunft in Frankfurt befragt, sagte, er bleibe – „wenn nichts dazwischen kommt“. Er hat sich damit ein schönes Hintertürchen offen gelassen. Auch Vorstand Fredi Bobic bleibt in dieser Frage wachsweich, „rechts und links wird gequatscht“, er habe „einen Kanal“, und das sei der Trainer. Was das aber konkret bedeuten soll, verrät auch er nicht.

Warum in aller Welt zieren sie sich so bei Eintracht Frankfurt? Warum sagt Kovac nicht, er bleibt in Frankfurt ? Warum bekennt er sich nicht zu diesem Verein, den er wieder groß gemacht hat? Warum spricht Bobic kein Machtwort? Die plausibelste Antwort kann nur lauten: Weil halt doch etwas dran ist am Interesse der Bayern, weil Kovac auf der ominösen Liste steht. Denn die Bayern klopfen derzeit deutschsprachige Kandidaten ab, der Frankfurter Trainer gehört offenbar dazu, als einer von zwei oder drei. Kein Wunder also, dass da ein ehrgeiziger Trainer wie Niko Kovac ins Grübeln gerät – trotz einer erst im Januar abgeschlossenen lebenslangen Mitgliedschaft bei Eintracht Frankfurt und dem Standing, das er sich in Frankfurt erworben hat. Wer sollte es ihm verdenken? Dem Lockruf der Bayern zu widerstehen, ist schwer, sie sind so etwas wie höhere Gewalt. Ein Engagement beim Abomeister ist immer auch der Ritterschlag in einem Trainerleben. Für Kovac wäre es ein wahrlich steiler Aufstieg, vom No-Name-Neuling bis zum Coach des Branchenführers, binnen zwei Jahren. Auch wenn er ganz sicher nicht die erste - und auch nicht zweite - Wahl der Bayern ist: Verlockend ist dieses Jobangebot allemal, selbst als Kompromisslösung. Sein Weggang würde in Frankfurt eine große Lücke reißen, keine Frage. Kovac ist der Architekt des Frankfurter Höhenfluges, er hält diese Mannschaft aus aller Herren Länder dank seiner Empathie, Sozialkompetenz und Disziplin zusammen, er hat im Stadtwald alles im Griff. Diese Aufbauarbeit wäre gefährdet. Insofern sollte in Frankfurt so schnell wie möglich Klarheit geschaffen werden. So oder so. Wenn Kovac zu den Bayern gehen will, soll er es sagen. Das ist nicht verwerflich, wenn auch typisch. Die Ungewissheit aber wirkt wie ein schleichendes Gift.

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