Martin Hinteregger

Aus dem Schatten ins Licht

Alles im Griff und im Blick: Frankfurts Verteidiger Martin Hinteregger gegen 96-Stürmer Bobby Wood.
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Alles im Griff und im Blick: Frankfurts Verteidiger Martin Hinteregger gegen 96-Stürmer Bobby Wood.
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    Ingo Durstewitz
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Martin Hinteregger hat sich in Windeseile zu einer Korsettstange gemausert – auch Almamy Touré überzeugt gleich.

Hinterher, als der Dreier an der Leine dann doch recht locker eingefahren war, sprachen viele wieder von der ungezügelten Offensivlust der Eintracht. Ante Rebic hatte getroffen, zum achten Mal, Dauerknipser Luka Jovic natürlich ebenso, 15 Treffer verzeichnet er nun, und am Ende setzte der stets im Angriffsmodus befindliche Filip Kostic noch einen drauf: fulminanter Vollspanstoß hinein ins Glück zum 3:0. Deckel drauf, aus die Maus.

Nur Sebastien Haller ging dieses Mal leer aus, und als der Franzose ausgewechselt wurde kurz vor Schluss, nach 86 Minuten, da fand er das gar nicht so lustig. Es folgte gar ein Wortgefecht mit Trainer Adi Hütter, Hallers Blick war böse, wütend und abwinkend stapfte er von dannen. Merkwürdig irgendwie.

Coach Hütter ging über den kleinen Zwischenfall in der ihm eigenen Nonchalance hinweg. „Wir werden das intern klären. Das ist aber kein großes Thema, wir haben 3:0 gewonnen, alles ist gut“, bedeutete der 49-Jährige und schob lächelnd nach: „Vielleicht wollte er ja auch noch ein Tor machen zwar.“ So sah es auch Sportdirektor Bruno Hübner, der zumindest im Ansatz Verständnis äußerte: „Es steht 2:0, und er hat noch kein Tor gemacht, klar will er da noch weiterspielen.“

Aber der Mittelstürmer sei erst am Donnerstag in diesem höchst intensiven Europacupspiel gegen Schachtjor Donezk über die volle Distanz gegangen. „Ihm sind ein bisschen die Kräfte ausgegangen, er sollte auch geschont werden.“ Darauf hätte der Angreifer selbst wohl gerne verzichtet. Und doch: Wenn nach einem ungefährdeten 3:0-Auswärtserfolg über ein kleines Scharmützel diskutiert wird, weiß man, dass die Probleme der Eintracht nicht besonders groß sein können.

Das Bemerkenswerte an dem Sieg in Hannover war nicht etwa, dass die Frankfurter Offensivkräfte das Spiel entschieden haben, das kennt man ja mittlerweile, sie sind die Lebensversicherung der Eintracht, ganz klar. Das Besondere war vielmehr, dass die Männer, die sonst eher im Schatten stehen, die Ausputzer, einen erstaunlich unaufgeregten Job verrichteten und den – zugegebenermaßen – doch sehr harmlosen Hannoveranern kaum eine nennenswerte Chance ermöglichten.

Torwart Kevin Trapp musste kein einziges Mal ernsthaft eingreifen – und das obwohl in Martin Hinteregger und Almamy Touré gleich zwei Drittel der Dreierkette mit Spielern besetzt war, die bis vor einigen Wochen noch in anderen Vereinen spielten: Hinteregger in Augsburg, Touré in Monaco. Für den 22-Jährigen war es sogar das erste Spiel für seinen Klub, er machte seine Sache, diese vornweg, sehr solide und souverän.

Nebenmann Hinteregger war sicherlich der beste Feldspieler auf dem Platz, als freier Mann der Deckung machte er ein klasse Spiel, lief viele Bälle ab, fegte dazwischen, wenn es sein musste. Es war kein Zufall, dass er zu Beginn der zweiten Halbzeit einen Steilpass abfing und das Spiel mit einem klugen Zuspiel neu eröffnete: Sekunden später zappelte der Ball zum ersten Mal im Tor der Hannoveraner (54.). „Wahnsinn, wie er spielt“, jubilierte Sportdirektor Hübner.

Trainer Hütter hat auch nicht davor zurückgeschreckt, seine Abwehr umzubauen. Das war vor dem überaus wichtigen Europa-League-Rückspiel gegen Donezk, als er den Österreicher in die Mitte der Kette stellte und den auf dieser Position überragenden Makoto Hasebe eine Position nach vorne zog. Ein Schachzug, der insgesamt aufging, auch wenn Hasebe im Mittelfeld sicher nicht so brilliert wie als moderner Libero, aber der Japaner hat natürlich auch eine Grundqualität, mit der er dem Team auf vielen Positionen helfen kann.

Hinteregger fühlt sich hinten in der Zentrale wohl, obgleich er dort eigentlich nicht zu Hause ist. Doch gerade Routinier Hasebe habe ihm sehr viel Unterstützung zukommen lassen. „Ich habe sehr viele Gespräche mit ihm geführt, das hat mir geholfen, gute Leistungen zu bringen.“

Insgesamt wundert sich der Österreicher aber selbst, wie gut er sich eingegliedert hat und akklimatisieren konnte. „Es war nicht abzusehen, dass ich mich so extrem schnell einfinden konnte“, sagte der aus Augsburg ausgeliehene Akteur und fügte ganz pragmatisch an: „Ich bin ja erst mal nur für ein halbes Jahr hier. Ich bin dafür geholt worden, um sofort zu funktionieren.“

Hütter als Mentor

Adi Hütter, den er aus Salzburger Zeiten kennt und schätzt, trägt entscheidenden Anteil daran, dass sich der 26-Jährige binnen kürzester Zeit zu einem wichtigen Stabilisator, einer Korsettstange aufgeschwungen hat. „Es ist sicherlich ein Vorteil, dass ich Adi gut kenne“, betonte der Verteidiger.

Der Fußballlehrer selbst ist nicht überrascht, dass sich Hinteregger schnell eingefügt hat. „Aber die Art und Weise, wie er auftritt, beeindruckt mich schon.“ Er wisse aus gemeinsamen Tagen bei RB Salzburg sehr genau, „wie ich ihn packen muss“, denn dass der Spieler seinen eigenen Kopf hat, ist klar. „Er ist eine eigenständige Persönlichkeit“, umschrieb es der Trainer, der den Eindruck hat, dass sein Landsmann in Frankfurt „sehr glücklich“ ist.

Das trifft momentan auch auf Almamy Touré zu, der am Sonntag zu seinem ersten Einsatz kam und sehr wohl andeutete, dass er in der Verteidigung eine Verstärkung werden kann, am Ball ist der 22-Jährige sehr sicher und versiert. „Er hat gespielt, als wäre er schon ewig bei uns“, lobte Manager Hübner. „Abgeklärt und ruhig. An ihm werden wir noch viel Spaß haben.“

Der Spieler selbst war ebenfalls zufrieden mit seinem Debüt. „Es ist gut gelaufen, ich habe mich gut gefühlt“, sagte er. Überrascht sei er nicht gewesen, dass er für Kapitän David Abraham in die ersten Elf und auf die rechte Seite der Dreierkette gerutscht war. „Ich war bereit“, befand er: „Und jetzt bin ich sehr stolz.“

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