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Ratlosigkeit nach dem Schlusspfiff.
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Ratlosigkeit nach dem Schlusspfiff.

DFB-Pokal

Die Schande von Aue

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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  • Thomas Kilchenstein
    Thomas Kilchenstein
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Die erschreckend schwache Eintracht aus Frankfurt blamiert sich im Pokal beim Drittligisten Erzgebirge Aue bis auf die Knochen und geht schweren Zeiten entgegen.

Als die Blamage dann Realität war, ist der Frankfurter Trainer Armin Veh aufs Feld gelaufen zu seinen begossenen Pudeln. Carlos Zambrano hatte das gelbe „Glückstrikot“ über den Kopf gezogen, andere standen einfach nur da: versteinert, sprachlos, wie vor den Kopf gestoßen, restlos bedient. Ein paar Worte hat Veh dann doch gefunden, es ging in Richtung Alex Meier, und man sah es selbst von der Tribüne aus: Es waren keine sehr freundlichen. Der Mann war angefressen. Und wie. „Wir waren einfach viel zu pomadig. Mich ärgert dieses Niederlage maßlos. So ein Tor dürfen wir niemals kriegen“, sagte der Fußballlehrer sodann.

Eintracht Frankfurt ist nach einer miserablen Leistung aus dem Pokal ausgeschieden. Die Hessen unterlagen 0:1 durch ein Tor von Max Wegner (74.), und das peinliche Aus im Pokal war alles andere als unverdient. Eintracht Frankfurt, und das macht es so dramatisch, hat nicht gegen einen übermächtigen Gegner in einem Hexenkessel verloren, sondern gegen Erzgebirge Aue, einen biederen Drittligisten, der sein letztes Punktspiel mit 0:4 beim Tabellenletzten in den Sand gesetzt hatten. Keine Frage: Die Hessen stecken nach der Schande von Aue tiefer denn je in einer Krise, und das Schlimme daran: Sie haben keinen Plan, wie sie da wieder herauskommen sollen. Die Partie gegen Aue, das sich über satte 527 000 Euro freuen darf, war spielerisch eine Bankrotterklärung, ja es lief so gut wie nichts zusammen. Erschütternd einfach wurden Bälle zum Gegner gespielt oder ins Nirwana.

Nichts stimmt mehr

Eintracht Frankfurt ist nicht wieder zu erkennen. Was ist nur mit dieser Mannschaft passiert? Es stimmt nichts mehr. Dabei hatte man gerade nach dem Sieg in Hannover gedacht, die Frankfurter würden sich wieder berappeln. Pustekuchen. Keiner hat mehr eine Idee, wie man spielen soll, es fehlt nahezu alles, was zu einem erfolgreichen Fußballspiel gehört: Tempo, Esprit, Leidenschaft. Die einfachsten Dinge misslangen, es war auch nicht zu sehen, mit welchem Plan die Eintracht in diese Begegnung gehen wollte. Nie hatte man außerdem das Gefühl, dass der Bundesligist diese Partie unbedingt gewinnen wollten. Vieles wirkte seltsam pomadig, hölzern und stockend. Langsam, quälend langsam sowieso. Die Frankfurter schleppten sich wie eine Altherren-Truppe über den Platz. Die Gäste knüpften nahtlos an die desaströse erste Halbzeit von Hannover an, nur mit dem Unterschied, dass es auch in der zweiten Halbzeit nur unwesentlich besser wurde. Haarsträubende Fehlpässe brachten die Hessen immer wieder selbst in die Bedrängnis.

„In der ersten Halbzeit war Aue richtig gut im Spiel. Wir haben nicht gezeigt, was wir uns vorgenommen haben“, presste Veh hervor. Er war bedient und kurz angebunden. Diese unterirdische Vorstellung hat Spuren hinterlassen. Seine besten Auftritt hatte Rechtsaußen Stefan Aigner nach dem Abpfiff. „Aue war nicht so gut, wir waren so schlecht. Ich habe keine Lust, nach dem Spiel immer hier zu stehen und etwas zu erzählen. Es war einfach ein Scheiß-Spiel von uns“, bemerkte Aigner, dem zuvor praktisch nichts gelungen war.

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Erstaunlicherweise hatte Trainer Veh die Mannschaft noch defensiver aufgestellt als vorher angekündigt. Zwar ließ er erwartungsgemäß Bastian Oczipka auf der Bank, doch statt eines weiteren Stürmers ließ er zwei gelernte Sechser spielen, Slobodan Medojevic und Stefan Reinartz, Marc Stendera, der Matchwinner vom vergangenen Samstag, sollte im 4-2-3-1-System über die linke Seite kommen. Dabei ist seit langem klar, dass ihm das nicht liegt.

Dieses taktische Konzept ging komplett in die Hose. Erzgebirge Aue hatte in der ersten Hälfte die klar besseren Chancen, und hätte nicht Torwart Lukas Hradecky so gut gehalten, der Drittligist hätte schon zur Pause in Führung liegen können. Simon Skarlatidis (10.), Simon Handle (13.und 44.) oder Max Wegner (26.) hatten richtig gute Einschussmöglichkeiten. Ganz im Gegensatz zur Eintracht, die im ersten Abschnitt praktisch nie gefährlich vor das Tor der Erzgebirgler kam. Sie wirkte schlichtweg hilflos.

In der Pause korrigierte Armin Veh dann seine falsche Taktik und Aufstellung: Er nahm Constant Djakpa und den erneut vollkommen enttäuschenden Stefan Reinartz aus der Partie und brachte Bastian Oczipka und Luca Waldschmidt. Und dem jungen Mann bot sich prompt eine erste Chance (49.), doch seinen Flachschuss parierte der weitgehend beschäftigungslose Auer Torwart Martin Männel.

Die allergrößte Chance zur Führung bot sich aber ausgerechnet Alex Meier in der 72. Minute. Nach einer der ganz wenigen gelungene Ballstafetten passte Medojevic haargenau in die Schnittstelle der Abwehr. Meier lief von halblinks aufs Tor zu. Normalerweise ist das ein sicheres Tor, doch der Torjäger zögerte einen Augenblick und scheiterte an Tormann Männel. Allein das zeigte die ganze Verunsicherung, die diese Mannschaft im Kollektiv befallen hat.

Praktisch im Gegenzug fiel die Entscheidung: Skarlatidis verlängerte den Ball mit der Hacke gegen den wieder mal zu langsamen Marco Russ, Max Wegner setzte sich gegen Zambrano, bis dahin noch bester Frankfurter Feldspieler durch, und ließ mit einem Schuss in die lange Ecke auch Hradecky keine Chance. Bei Frankfurt ging nichts mehr, und Armin Veh blieb nichts anderes übrig als sich in Galgenhumor zu flüchten: „Zum Glück haben wir jetzt ein relativ leichtes Spiel.“ Am Freitag kommt Bayern München ins Stadion. Um Eintracht Frankfurt muss man sich nach der Demütigung von Aue echte Sorgen machen.

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