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Schallende Ohrfeige für Eintracht Frankfurt

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Von: Ingo Durstewitz

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Eintracht Frankfurt bekommt einfach keine Konstanz in die eigene Leistung und geht beim Schlusslicht Bochum sang- und klanglos unter.

Frankfurt – Vor dem Gang in den tiefen Westen zum abgeschlagenen Schlusslicht betonte Eintracht-Anführer Sebastian Rode: „Wir wollen nicht, wie so oft, wieder der Aufbaugegner sein.“ Gesagt, nur nicht getan. Nach dem Abpfiff der Partie beim vormaligen Prügelknaben VfL Bochum sprach ein frustrierter Kapitän: „Uns fehlt wieder einmal die Konstanz.“ Und: „Wir haben es sehr schlecht gemacht und uns auf das Bochumer Spiel eingelassen. Da haben wir kein Land gesehen.“ Auch das noch: „Wir dürfen niemanden auf die leichte Schulter nehmen, sonst passiert so etwas.“

Ja, dann passiert so etwas, was eigentlich nicht passieren sollte, der Eintracht aber immer wieder passiert. Sie ist ein willkommener Unterstützer für die Kleinen und Hilfsbedürftigen, sie taugt trefflich dazu, die Schwachen aufzupäppeln. Das war schon früher so, ist heute so und wird wahrscheinlich immer so bleiben. Es ist ein Phänomen.

Eintracht Frankfurt: Es herrscht Frust

Den VfL Bochum hat es gefreut, die Ruhrpottler hatten vor dem Spiel gegen den Europa-League-Sieger und Champions-League-Teilnehmer nur ein Pünktchen auf dem Konto und ganze fünf Tore geschossen. Und dann, in einmal 90 Minuten, gleich drei Treffer, was locker zu den ersten drei Punkten reichte. Bei Eintracht Frankfurt herrschte Frust in hoher Dosis: „Es war meine Aufstellung, meine Systemumstellung“, sagte Trainer Oliver Glasner und heftete sich die 0:3 (0:0)-Schlappe ans Revers: „Es ist eine sehr bittere Niederlage für uns, für die ich zu 100 Prozent die Verantwortung übernehme.“ Schon einmal, in der Vorsaison, hatte er sich ähnlich geäußert, damals nahm der Coach die 0:2-Schlappe bei Union Berlin „zu 100 Prozent auf meine Kappe“. Das war Mitte April dieses Jahres, nur ein Monat später holte sich die Eintracht den Europapokal, ein monumentaler Triumph. In der Liga lief sie letztlich auf Rang elf ein. Mehr als dürftig.

Viel zu häufig zweiter Sieger: Luca Pellegrini.
Viel zu häufig zweiter Sieger: Luca Pellegrini. © imago

Auch in dieser Saison scheint das Team nicht konstant genug, um die gestiegenen Erwartungen vollauf zu erfüllen. Es kann offensichtlich nicht in jedem Spiel die notwendige Spannung aufbauen, um selbst oder gerade gegen minderbemittelte Gegner keinen Schiffbruch zu erleiden. Ausreißer nach unten sind immer wieder mal drin – vor Wochen setzte es nach seltsam blutleerer Vorstellung ein 0:1 gegen Kellerkind VfL Wolfsburg. Nun die nächste Blamage, eine 0:3-Abreibung beim Schlusslicht aus Bochum. Peinlich, peinlich.

Eintracht Frankfurt: Nicht gefestigt genug für ganz oben?

Die Eintracht wird mit dieser Einstellung nicht in die Spitze der Liga vordringen können, dazu bedarf es nämlich einer gewissen Kontinuität, eines verlässlichen Leistungsniveaus und einer inneren Bereitschaft. Es geht nicht darum, alle Spiele gewinnen zu müssen, das ist nicht möglich. Aber es geht darum, die Ausschläge zu minimieren. Wer nach oben will, muss die meisten Partien gegen die Kleinen und die Mittelständler gewinnen, dort müssen die Punkte geholt werden, die einen internationalen Startplatz garantieren. Doch das schaffen die Frankfurter nicht, nicht in der letzten Saison und offenkundig auch nicht in dieser Spielzeit. Die Ausbeute gegen Hertha BSC, Köln, Wolfsburg und Bochum: zwei Pünktchen. Das ist dünn, ganz dünn, und es ist entlarvend.

Entsprechend hart gingen die Verantwortlichen mit den Spielern ins Gericht. Coach Glasner, der mit seiner Aufstellung und seinen Umstellungen voll daneben lag und dieses Spiel klar vercoacht hat, musste an sich halten, um nicht – wie schon nach der Wolfsburg-Pleite – zu einem Rundumschlag auszuholen. Der kam damals intern nicht gut an. So schluckte er dieses Mal seinen Ärger herunter, äußerte sich nur in gebotener Kürze. „Es ist meine Verantwortung, dafür zu sorgen, dass die Spieler mit dem richtigen Spirit auf dem Platz stehen, und das war nicht der Fall“, sagte er und verkündete: „Ich bin hundertprozentig überzeugt, dass ich mit meinem Trainerteam die richtigen Schlüsse ziehen werde. Und das werdet Ihr dann alle sehen.“

Eintracht Frankfurt: Djibril Sow auf der Suche nach Makoto Hesebe

Vielleicht sollte der 48-Jährige auch endlich erkennen, dass seine immer wieder mal praktizierte Viererkette nicht zu dieser Mannschaft passt. Selbst die Spieler wünschen es sich anders, Marathonmann Djibril Sow etwa vermisste den Altmeister: „Makoto Hasebe hat gefehlt, weil er mit seiner Erfahrung das hinten ordnen kann.“ Sow, dieses Mal auch nur Mitläufer, wunderte sich, dass „wir nicht die gleiche Energie aufs Feld gebracht haben wie in den vorherigen Spielen.“ Das ist eine Frage der Einstellung, der mentalen Bereitschaft.

Auch der für den Sport zuständige Verantwortliche war mächtig bedient. „Es hat alles nicht gepasst, von der Einstellung, von der Zweikampfhärte und den fußballerischen Fähigkeiten“, grantelte Sportvorstand Markus Krösche. „Du musst in jedem Spiel bei 100 Prozent sein, wir waren bei vielleicht 50 oder 60 Prozent. So kannst du kein Spiel gewinnen. Wir waren richtig schlecht und haben verdient verloren.“ Diese Anfälligkeit ist dem 42-Jährigen schon lange ein Dorn im Auge, er hat das intern schon häufiger deutlich kritisiert und auch den Trainer in die Pflicht genommen. Bislang erfolglos.

Eintracht Frankfurt: Am Mittwoch dann die Champions League

Trotz aller Unzulänglichkeiten war die Eintracht nicht chancenlos, der auf Bewährung spielende Lucas Alario hatte zwei ganz gute Möglichkeiten (7./23.), der erneut denkbar schwache Rafael Borré traf einmal nur den Pfosten (63.) und einem Treffer von Daichi Kamada wurde wegen einer knappen Abseitsstellung zu Recht die Anerkennung verwehrt (80.). Das war’s aber auch. Den leidenschaftlich kämpfenden Westdeutschen reichten die Treffer von Philipp Hofmann (71.) und Philipp Förster (90.) zum Sieg, Evan Ndicka traf zudem in den eigenen Kasten (87.). 0:3. Und tschüss.

Am Mittwoch nun geht es nach England, London, Champions League. Da wird die Eintracht sehr wahrscheinlich wieder ein anderes Gesicht zeigen, wird sie auch müssen. Tottenham ist vorbereitet, die Spurs machten es besser als ihr Kontrahent: 1:0-Erfolg bei Brighton & Hove Albion, Torschütze Harry Kane. Klarer Fall für den alten Mann Makoto Hasebe. (Ingo Durstewitz)

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