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Wir mochten halbe Hendl. Gern.

STILLLEBEN

Salzburger Strafmandat

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Die Frankfurter Eintracht tritt gegen Salzburg an. Da ist noch eine Rechnung offen - nicht nur sportlich, auch was den ruhenden Verkehr angeht.

Einst fuhren wir, und das ist ziemlich lang her, nach Salzburg. Es ist nicht ganz so lang her wie das bislang einzige Aufeinandertreffen der Frankfurter Eintracht mit Kickern aus der Stadt des großen Komponisten. Aber lang. Wir reisten auch nicht des Fußballs wegen, damals, sondern einzig zum Behufe der Erholung.

Wir hatten Quartier am Hintersee bezogen, die Bezaubernde und ihr Typ, im Berchtesgadener Land, und waren herübergefahren nach Salzburg, einen Spaten voll Kultur auf unser Urlaubskonto zu schaufeln. Einen kleinen Braunen zu genießen und eine Melange im Kaffeehaus, den ewigen Wolfgang Amadeus M. stets zur Seite. Die frühchristlichen Katakomben am Rand eines uralten Bergfriedhofs aufzusuchen.

Das war spannend und erbaulich. Weniger angenehm war die Rückkehr zum nahe der Burg geparkten Personenkraftwagen: Ihn zierte ein Organmandat, sprich: Strafzettel. Dabei waren wir uns keiner Schuld bewusst. Wir fotografierten sogar noch die Situation des ruhenden Verkehrs samt Amtsschild, das unser armes kleines Fahrzeug erkennbar von jedem Vergehen freisprach.

Dann machten wir uns auf den Rückweg. Wir waren im Gasthof Zum Gamsbock abgestiegen (oder Gamsbart, da gehen die Meinungen bis heute auseinander), und hatten die Halbpension hinzugebucht. Normalerweise ist das nicht unsere Art, aber im Gasthof Gamsbart (-bock) kam man praktisch nicht umhin, die Halbpension zu wählen, denn die Zimmerpreise waren so lachhaft günstig, der Verpflegungszuschlag so gering – es wäre schier deppert gewesen, dort nur zu nächtigen und nicht auch zu speisen. Man zahlte noch in Deutscher Mark.

Am Tag unseres Salzburg-Trips sollte es abends halbe Hendl geben im Gasthof Gamsbrunst. Bart. Bock. Wir mochten halbe Hendl. Gern. Der Gasthof hatte freilich seine Speisesaalzeiten an die Gewohnheiten des germanischen Rentnertums angepasst – um halb acht sollte man schon möglichst vor Ort sein, sonst konnte es eng werden mit der Mahlzeit, und die nächste Gaststube war weit.

Trotzdem wählten wir eine landschaftlich schöne Route über die Berge im Grenzgebiet, genossen das Panorama, machten einen Schlenker in jene Schlucht, nahmen diese Serpentinen ... bis uns klar wurde: Hui, jetzt pressiert’s aber langsam! Ausgerechnet zum Zeitpunkt der Erkenntnis zuckelten wir im Schlepptau eines ergrauten Ehepaares aus Baden-Württemberg über einen Bergrücken auf einspuriger Strecke ohne Überholmöglichkeit. Wir gestikulierten, bettelten, womöglich kam es gar zum Einsatz der Lichthupe, und vielleicht überholten wir dann doch an einer Stelle, an der sonst nur Chuck Norris überholt hätte, um schließlich wie verrückt dem Gamsbrett entgegenzubrettern. Bock. Bart.

Keine Ahnung mehr, wer von uns beiden es war, aber plötzlich sagte jemand im Auto trocken: „Und sie fuhren ... um ein halbes Hähnchen!“ Noch heute liegen wir weinend vor Lachen unterm Tisch, wenn wir davon sprechen.

Gänzlich unlustig war es, als aus Salzburg die Rechnung fürs angebliche Falschparken kam: 700 Schilling (100 Mark), oder wir dürften nie wieder nach Austria einreisen. Was ich damit sagen will: Das Parken des Salzburger Mannschaftsbusses heute im Waldstadion – das ist nicht gratis. Das kostet ein paar Gegentore. Servus und küss die Hand.

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