+
Kann derzeit nur in zivil helfen: David Abraham (re.) gratuliert Martin Hinteregger.

David Abraham

Die Säule bröckelt

  • schließen

Eintracht-Kapitän David Abraham kommt wegen ständiger Wadenprobleme einfach nicht auf die Beine.

Am Mittwoch hat David Abraham ein paar nette Bilder auf Instagram gepostet, in action. Es zeigt den Abwehrspieler von Eintracht Frankfurt allerdings nicht im Trikot und im Kampf um den Ball, sondern mit Söhnchen Alfonso in Disneyland in Paris. Er sieht glücklich aus.

Fußball hat der 32 Jahre alte Kapitän der Frankfurter schon eine Weile nicht mehr gespielt, weder trainingshalber noch mit der Mannschaft um Punkte, weder in Liga noch Europa League. Das letzte Mal, dass der Argentinier seine Füße im Fußballspiel hatte, war im Rückspiel gegen Schachtjor Donezk, das war am 21. Februar dieses Jahres. Danach war der Mann verletzt, „die Wade“, hieß es geheimnisvoll, lasse ein Üben mit Ball nicht zu, allenfalls könne der Stopper „individuell“ trainieren. „Individuell“ bedeutet: Da tritt einer auf dem Ergometer in die Pedale oder stemmt Gewichte, macht ein wenig Gymnastik- und Stabilitätsübungen – sieht aber keinen Ball. Wann David Abraham wieder ins Team zurückkehrt? So genau weiß das keiner.

In dieser bislang so grandios verlaufenen Saison hat David Abraham, normalerweise ein unangetasteter Stammspieler, in der Liga ganze elf Einsätze hinter sich gebracht, dazu kommen vier Spiele in der Europa League, je eines in Pokal und Supercup, das sind 17 Begegnungen. Er hat auf der anderen Seite aber auch schon 21 Spiele verpasst. Und das Erstaunliche: Bis zu dieser Saison galt David Abraham nicht als besonders verletzungsanfällig, mal ein Muskelfaserriss hier, mal ein paar Adduktorenprobleme dort, Blessuren, die man eben so hat als Leistungssportler, aber nie was Gravierendes. So lange wie im Augenblick hat der Routinier noch nie aussetzen müssen.

Lesen Sie auch: Eintracht-Testspiel gegen Heringen/Mensfelden

„Das Ganze geht zurück auf meine Verletzung aus der letzten Saison“, erzählte Abraham unlängst im FR-Interview. Im Spiel beim Hamburger SV, Mitte Dezember 2017, hatte er einen Schlag aufs Wadenbein bekommen, woraus sich ein Knochenödem gebildet hatte, zwei Monate fiel der zweikampfstarke Verteidiger aus. Danach lief es eine Weile gut, dann zog er sich in der Hinrunde, beim 3:1-Sieg in Augsburg, bereits nach fünf Minuten einen Muskelfaserriss zu, fiel erneut sechs Wochen aus. „In der Vorbereitung in den USA habe ich dann im Testspiel gegen Flamengo einen Schlag auf diese Stelle am Wadenbein bekommen. Seitdem habe ich wieder Beschwerden“, erzählte Abraham. Zwei Bundesligaspiele in der Rückrunde, gegen Freiburg und Bremen, hielt er durch, mehr schlecht als recht, dann machte sich die Wade erneut bemerkbar. „Das sind unangenehme, langwierige Geschichten“, sagt der Kapitän im Abseits, da die Muskulatur bei jedem Schritt beansprucht werde. Und so eine Verletzung brauche viel Geduld, mit Massagen und Behandlungen will er sie bekämpfen. Bisher mit mäßigem Erfolg.

Abrahams Ausfall hat keine Auswirkung auf den Erfolg der Mannschaft

Das Bemerkenswerte allerdings ist: Der Ausfall des lange Zeit verlässlichsten und auch besten Verteidigers der Eintracht hat nahezu keine Auswirkungen auf den Erfolg der Mannschaft. Das ist natürlich einer guten Kaderplanung geschuldet, vor allem aber der Tatsache, dass die Wintereinkäufe für die Defensive, Martin Hinteregger und Almamy Touré über die Maßen gut eingeschlagen haben und eine Lücke, die ein Fehlen des schnellen, kopfballstarken Verteidigers Abraham reißen sollte, erst gar nicht entstehen ließ. Abraham, 2015 für 1.5 Millionen Euro von der TSG Hoffenheim verpflichtet, ist längst bestens ersetzt worden.

Es liegt noch nicht lange zurück, da war das kaum vorstellbar. Eine Abwehr ohne David Abraham, der in den vier Jahren seiner Vereinszugehörigkeit bislang in 116 Pflichtspielen seine Knochen hingehalten hat, immer sehr solide, meistens auch überdurchschnittlich gut gespielt hat, könne nicht dicht halten, hieß es. Niko Kovac, der alte Trainer, hat ihn mal als „unsere Lebensversicherung“ geadelt, für Sportvorstand Fredi Bobic ist „Vadder Abraham“ eine „absolute Säule in unserer Abwehr“. Ende 2017 wurde sein Kontrakt gleich um vier Jahre bis 2021 verlängert - als damals 31-Jähriger, das allein zeigt die Wertschätzung, die der Latino genießt. Der aus der argentinischen Provinz Santa Fe stammende Abraham sei „ein vorbildlicher Führungsspieler“, schwärmte Bobic weiter. Und: „Er ist auch menschlich ein Hauptgewinn für jede Mannschaft.“

Lesen Sie auch: Der Traum von der Champions League

In der Tat zählt Abraham zu jenen Spielern, die dank ihrer Erfahrung und Empathie die Mannschaft führen. Abraham ist einer, der sich kümmert, der Verantwortung auch in der Kabine übernimmt. Selbst jetzt, da er nicht spielt, ist er nahe dran, in zivil zwar, aber nicht weniger engagiert.

Seine Karriere wird Abraham, der mit 17 Jahren bei Independiente Buenos Aires zum Profi wurde, 2005 an der Seite von Lionel Messi und Sergio Agüero die U-20-Weltmeisterschaft gewann und 2018 in Berlin als Kapitän gemeinsam mit Alex Meier als Erster den DFB-Pokal in die Luft stemmte, in Frankfurt beenden, zumindest ist das so geplant. Danach wird er in die Heimat zurückkehren, nach Chabas, wo es im Sommer bis zu 40 Grad heiß werden kann. „Die Menschen kennen mich, seit ich ein kleiner Junge war“, hat er mal von Zuhause erzählt. „Da bin ich einer von ihnen.“ Aktuell will er das auch, wieder einer von elf Eintracht-Spielern werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare