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Marc Stendera auf links - ein Projekt, das endgültig gescheitert ist.
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Marc Stendera auf links - ein Projekt, das endgültig gescheitert ist.

Eintracht Frankfurt

In der Sackgasse

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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  • Thomas Kilchenstein
    Thomas Kilchenstein
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Schon nach einem Viertel der Saison muss Eintracht Frankfurt auf eine Art Notfallplan zurückgreifen. Trainer Armin Veh muss von seinen Idealen abrücken.

Nicht mal 14 Stunden, nachdem Eintracht Frankfurt unsanft auf die Bretter geschickt wurde, versammelte Armin Veh seine Spieler schon wieder um sich. Das Auslaufen wurde um eine halbe Stunde nach hinten verschoben, es herrschte akuter Redebedarf. Es setzte keine Standpauke für die verprügelten Verlierer vom Samstag. „Sie brauchen jetzt keine Predigt“, sagte Veh. „Druck kommt jetzt von außen schon genug. Das ist so in der Bundesliga, das ist normal. Da müssen wir jetzt keine neuen Löcher aufmachen.“ Es ging vielmehr um die grundsätzliche Ausrichtung der Mannschaft, um die generelle Herangehensweise, und die wird, so viel ist sicher, eine andere sein als bisher.

Nach nur neun Spieltagen ist Eintracht Frankfurt schon an einem Punkt angekommen, an dem es so nicht mehr weitergeht. Armin Veh hat sich mit seiner Mannschaft in eine Sackgasse hineinmanövriert, und die Hoffnung, auf dem herkömmlichen Wege wieder hinauszukommen, ist im tristen Oktober bereits versiegt. Schon jetzt ist die Zeit gekommen, Kurskorrekturen vorzunehmen, wichtige Kurskorrekturen. Trainer Veh wird von seinen Idealen abrücken, vielleicht verrät er sie sogar, doch ihm bleibt nichts anderes übrig. Der 54-Jährige wird sich selbst und seiner Philosophie untreu. Der Fußballlehrer merkt, dass es so nicht mehr weitergeht. „Jetzt bin ich als Trainer gefordert. Ich muss das Richtige machen.“ Er kündigte an, das System und die generelle Herangehensweise ändern zu wollen. „Wir kommen nicht durch mit dem, was wir vorhaben. Wir sind an einem Punkt, an dem ich sagen muss: Wir müssen was ändern“, analysierte der Coach. „Wir brauchen Sicherheit und Kompaktheit. Man kann jetzt nicht sagen, wir machen einfach weiter so. Ich sehe nicht, dass der Knoten platzt. Ich bin ja nicht blauäugig.“

Masterplan gescheitert

Sein Masterplan, mit offensiven, attraktiven Fußball Punkte zu holen, ist fürs erste gescheitert. So funktioniert es nicht. „Wir haben es nicht hinbekommen.“ Es ist wie in Andersens Märchen, plötzlich sieht alle Welt, dass der Kaiser ohne Kleider dasteht. Er wird die Mannschaft umstellen, defensiver einstellen, sie enger formieren. Das ist zwingend notwendig. Mit der bisher gezeigten Art des Fußballs wird die Eintracht Schiffbruch erleiden. Das ist Veh nicht verborgen geblieben. „Ich bin ja kein sturer Mensch“, sagte er. Und deshalb werde er tun, was notwendig ist. Die Mannschaft hat, und das ist das eigentlich Alarmierende, nichts, auf was sie sich im Ernstfall zurückziehen kann. Sie steht im jetzigen System viel zu offen und bekommt gar keinen Zugriff auf den Gegner. Dass die Spieler in den Zweikämpfen häufig zu spät kommen, ist ebenfalls kein Zufall und nicht allein dem fehlenden Tempo geschuldet. Es ist auch eine Folge des Rauten-Systems. Die jetzigen Ausrichtung ist keine gute für die Eintracht, weil die Räume zu groß sind.

Zumal die Eintracht im Offensivspiel gleich zwei Spieler hat, die kaum am Spiel teilnehmen (Alex Meier und Luc Castaignos), das kann sich eine Mittelklassemannschaft kaum erlauben. Immerhin trifft Meier verlässlich. Auch das Experiment mit Marc Stendera auf links ist endgültig gescheitert. Der 19-Jährige ist ein Mann für die Zentrale, nicht für außen. Zumal sein Defensivverhalten zumindest am Samstag nicht bundesligatauglich war. Das bekannte Problem: Auf ein 4-2-3-1 umzustellen ist schwierig, weil es bekanntermaßen keinen Linksaußen gibt. Eine kolossale Fehlplanung, zumal der Klub auch noch Takashi Inui ziehen ließ. Vorstandschef Heribert Bruchhagen rechtfertigte den Verkauf ohne Not am Sonntag: „Von seiner Körpersprache hat er klar zum Ausdruck gebracht, dass er unbedingt weg will.“ Macht es allerdings nicht besser.

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Auch die Baustelle hinten rechts nicht geschlossen zu haben, fällt der Eintracht jetzt auf die Füße. Und in Stefan Reinartz ist ein Mittelfeldspieler geholt worden, der Erfahrung und Übersicht mitbringt, aber von der Spielanlage doch sehr dem bestehenden Personal im defensiven Mittelfeld ähnelt. Reinartz ist jetzt, in der Krise, auch nur ein Mitläufer und eine große Enttäuschung. Er kann das Team nicht führen – weder fußballerisch noch verbal.

Die Situation ist schon jetzt fast mit der vor zwei Jahren vergleichbar, als die Eintracht im Winter arg in Abstiegsnot geschliddert ist und Veh erst den arbeitslosen Alexander Madlung verpflichtete (was zunächst kaum jemand nachvollziehen konnte) und dann im zweiten Schritt die Schotten dicht machte. Das sollte im Grunde damals eine Ausnahme bleiben, eine Ausnahme in einer Ausnahmesituation, wenn man so will. Es gibt aber noch andere Unterschiede: Damals war die Eintracht international tätig und hatte in der Vorrunde beileibe keine schlechten Leistungen gezeigt, war durch eine unzureichende Punktausbeute aber quasi zum Handeln gezwungen. Jetzt ist die Situation insofern eine andere, da die Eintracht viel zu selten guten Fußball nach den Vorstellungen ihres Trainers angeboten hat.

Im Grunde muss man sagen: Vehs Projekt ist erst einmal gescheitert, seine Vorstellungen von Fußball sind von der Tagesaktualität überrollt worden. Entweder weil er die Mannschaft falsch eingeschätzt hat oder aber das Team nicht das umsetzen kann, was er erwartet. Es geht aktuell nur noch um Schadensbegrenzung und darum, nicht noch tiefer in den „Negativstrudel“ (Johannes Flum) hineinzurutschen und sich nach Möglichkeit von den Abstiegsrängen fernzuhalten.

Die Suche nach den Gründen für die Krise in Frankfurt ist vielschichtig. Ob die Mannschaft wirklich überschätzt ist? Ob sie nicht auf Vehs Welle funkt? Oder ob sie, wie gerne von außen kolportiert, sich zu sehr gemütlich gemacht hat in der Wohlfühloase unter Armin Veh? Vorstandschef Heribert Bruchhagen winkt ab: „Wenn man die beiden Pole wohlfühlen oder schlechte Stimmung heranzieht, dann hat das keine Bedeutung.“ Wichtig sei, dass sich die Profis individuell verbesserten. „Sieben, acht Spieler müssen sich in ihrem Leistungsbild steigern“, findet der Klubchef.

Was der Vorstandsvorsitzenden wirklich Kopfzerbrechen bereitet: „Dass Stuttgart und Hoffenheim hinter uns stehen, macht mir Sorgen. Sie sind nämlich nicht schlechter als wir.“

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