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Markus Krösche: Der mit dem Rundumblick bei Eintracht Frankfurt

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Von: Ingo Durstewitz

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Markus Krösche von Eintracht Frankfurt
Markus Krösche, Sportvorstand bei Eintracht Frankfurt. (Archivfoto) © Jan Huebner / Imago Images

Eintracht-Serie: 17. und letzter Teil: Sportvorstand Markus Krösche ist so etwas wie der Anti-Bobic und hat in Frankfurt eine neue Kultur des Miteinanders eingeführt.

Frankfurt – Unmittelbar nach der Auslosung, die Eintracht Frankfurt, wie man erst später wusste, in eine andere Sphäre katapultieren sollte, wurde Markus Krösche nicht müde, den Kopf zu schütteln. Gerade war der Eintracht der größtmögliche Opponent fürs Viertelfinale zugeteilt worden, der Weltklub FC Barcelona, als dem Sportvorstand jemand bedeutete: Okay, schön und gut, tolles Los, prima fürs Renommee und die Marke Eintracht, coole Sache, aber, hey, Hand aufs Herz: Sportlich ja schon irgendwie blöd, weil dieser Gegner biete halt die größtmögliche Wahrscheinlichkeit, sich alsbald aus dem so liebgewonnenen Wettbewerb mit Namen Europa League zu verabschieden. Der Sportvorstand schüttelte also den Kopf, immer wieder, und lächelte milde, ehe er entgegnete: „Nein, das sehe ich ganz anders. Das wäre die völlig falsche Herangehensweise. Barcelona hin oder her: Unser Anspruch und unser Ziel bleibt ganz klar das Halbfinale.“ Und dann das Finale und der Titel. Klare Sache.

Markus Krösche hat an diesem Tag im März keine Show aufgeführt, im inneren Zirkel waren die Verantwortlichen der felsenfesten Überzeugung, eine Chance zu haben gegen Barcelona und auch den Pokal holen zu können. Und, siehe da, so kam es dann ja auch. Im ersten Amtsjahr gleich mal die Europa League gewonnen – wenn das jemand Markus Krösche vor einem Jahr prophezeit hätte, hätte dieser wahrscheinlich an der geistigen Frische seines Gegenübers gezweifelt. Manchmal kann der gebürtige Hannoveraner das immer noch nicht glauben alles, manchmal wirkt er irgendwie verloren, weil die Dimension zu groß ist, um es greifen zu können. In den ersten Tagen nach dem monumentalen Erfolg von Sevilla war das sowieso nicht zu realisieren. Als Krösche im TV-Stammtisch von Sport 1 mit dem den Pokal im Anschlag durch die Glastür schritt und die Menschen sich erhoben, referierte er in etwa so ekstatisch über den Titelgewinn und die rauschende Feier, als wolle er ein 1:1 gegen den VfL Bochum erklären.

Eintracht Frankfurt: Markus Krösche ist keiner, der rumeiert

Nein, Markus Krösche ist kein Temperamentsbolzen, kein heißblütiger Macher, der aus dem Bauch heraus entscheidet. Er ist ein rationaler Typ, verkopft, einer mit Weitblick und einer klaren Idee, mit Stringenz und Strategie. „Ein Glücksfall für Eintracht Frankfurt“, wie Philip Holzer findet. Der Aufsichtsratschef hat das Paderborner Urgestein eingestellt, es auf Herz und Nieren geprüft und in unzähligen Verhandlungen von einem Wechsel aus Leipzig an den Main überzeugt. Holzer schwärmt von der Analytik und dem Tiefgang des Managers. „Exzellent.“

Hat alles im Griff, hat alle im Blick: Markus Krösche.
Hat alles im Griff, hat alle im Blick: Markus Krösche. © dpa

Krösche, in Frankfurt-Bockenheim zu Hause, hat Manieren, er kommt nie zu spät, ist verbindlich und verlässlich. Wer um Rückruf bittet, wird zurückgerufen. Anfragen lässt er nicht ins Leere laufen. Der 41-Jährige, studierter Betriebswirt, lizenzierter Fußballlehrer, Familienvater, hat auf der Geschäftsstelle eine neue Kultur des Miteinanders eingeführt, es geht mehr um Teamarbeit, darum, die Mitarbeiter mitzunehmen. Alleingänge sind nicht seine Sache, er ist so etwas wie der Anti-Bobic. Breitbeinig war einmal.

Krösche ist dennoch keiner, der rumeiert, er kann sich durchsetzen, hat klare Vorstellungen und ist ein Typ der klaren Ansagen. Er ist direkt in der Ansprache, ehrlich. Auch zu den Spielern. Er ist hartnäckig und umtriebig, kümmert sich um die Projekte, die nicht bis in den letzten Winkel ausgeleuchtet werden, er hat sich des leidigen Themas Nachwuchs ernsthaft und mit Nachdruck angenommen, hat am Riederwald vieles umgekrempelt, nicht nur personell. Die (überfällige) Wiedereinführung der zweiten Mannschaft kann er sich ans Revers heften.

Zu seinen engsten Vertrauten zählen Ole Siegel, sein persönlicher Referent, und Timmo Hardung, der Leiter der Lizenzspielerabteilung, der nicht nur mit Bayern-Trainer Julian Nagelsmann eng befreundet ist, sondern auch in der Branche einen guten Ruf genießt. Dafür sind andere, die vorher wichtig waren, in den Hintergrund getreten: Die Expertise von Ben Manga etwa, dem Perlentaucher, ist weniger gefragt, was schade ist, weil der Kadermanager ein hervorragendes Auge hat. Von den jüngsten Transfers war er nur noch in den Deal mit dem Franzosen Randal Kolo Muani eng eingebunden.

Krösche, ein absoluter Verfechter des Offensivfußballs („Mir ist der 5:3-Weg lieber als der 1:0-Weg“), geht auch bei der Spielersuche seinen Weg, vertraut den Scouts, aber auch technischen Hilfsmitteln. Fußballer werden heutzutage von allen möglichen Datenbanken durchleuchtet. Für Krösche ist entscheidend, früher und schneller zu sein als andere. Talente entdecken, die Potenzial haben, aber noch nicht groß rausgekommen sind. Und dann im nächsten Schritt: Sie entwickeln, besser machen, in Wert setzen. Klingt einfach, ist es aber nicht. Es ist die hohe Kunst des Managers-Daseins.

Eintracht Frankfurt: Markus Krösche gelingt Transfer-Coup mit Mario Götze

Seinen größten Transfer hat er sicherlich in diesem Sommer abgewickelt, oder zumindest den spektakulärsten. Den einstigen Superstar Mario Götze in den Stadtwald zu locken, zu fairen Konditionen, nein, das wäre vor nicht allzu langer Zeit noch undenkbar gewesen. Krösche ist begeistert vom gereiften 30-Jährigen. „Mario ist ein richtig guter Typ, der viel erlebt hat, auch schon die negativen Seiten des Fußballs“, sagte der frühere Leverkusener Assistenztrainer von Roger Schmidt. „Er brennt total für die Eintracht, er kann ein Anker für die jungen Spieler sein.“

Krösche, als Spieler beim SC Paderborn auf der Sechs zu Hause, zwar nicht übermäßig talentiert, aber mit großem Verständnis und mit einer Art Rundumblick gesegnet, ist ehrgeizig. Dass die Mannschaft in der Bundesliga nur auf Rang elf eingelaufen ist, hat ihn geärgert – trotz des historischen Triumphs in Sevilla. Für die neue Saison hat er die Latte hochgelegt. „In der Champions League wollen wir die Gruppenphase überstehen“, sagt er. „Und in der Bundesliga um die europäischen Plätze mitspielen.“ Und vielleicht noch irgendeinen Titel holen. (Ingo Durstewitz)

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