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Makoto Hasebe tat immer das Richtige.

Makoto Hasebe

Der Ruhepol

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  • Ingo Durstewitz
    Ingo Durstewitz
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Makoto Hasebe weiß, was er tut, und liefert international eine Weltklasseleistung ab.

Makoto Hasebe ist nach seiner Galavorstellung wie immer höflich ans Flatterband getreten und hat seinen Landsleuten vom japanischen Fernsehen Rede und Antwort gestanden, unaufgeregt, freundlich, ernsthaft, so wie es seine Art ist. Und so wie er es wahrscheinlich auch nach einem Vorbereitungsspiel gegen einen Fünftligisten getan hätte. Dabei hatte Makoto Hasebe gerade gegen das italienische Spitzenteam Lazio Rom „eine Weltklasse-Partie“ hingelegt, wie der Frankfurter Trainer Adi Hütter hinterher keineswegs übertrieb. 

Hasebe strahlt Ruhe aus

Der 34-jährige Hasebe war an diesem ganz besonderen Abend der alle überragende Mann auf dem Feld, der nicht nur 100 Prozent seiner direkten Zweikämpfe gewonnen hatte, sondern der Gelassenheit, Ruhe und Souveränität ausstrahlte, die auf alle abfärbte. Selbst Torwart Kevin Trapp, Nationalspieler und auf internationaler Bühne zu Hause, war hinterher voll des Lobes: „Überragend. Gerade als Torwart ist es gut zu wissen, dass da einer ist, der weiß, was er macht.“ Treffender kann man das Wirken des Defensivspielers kaum umschreiben. 

Was Makoto Hasebe an diesem Abend auch tat, er tat das Richtige. Er antizipierte, lief Bälle ab, stopfte Löcher, dirigierte, war präsent – vor allem aber: Er war der absolute Ruhepol, er „gibt der Mannschaft Sicherheit“ (Hütter). Wann immer der 34-Jährige am Ball war, wusste jeder auf dem Rasen und im weiten Stadionrund: Jetzt kann nichts mehr passieren. Hasebe kann das Spiel wie kaum ein anderer bei der Eintracht lesen, er weiß, wie es funktioniert, denn er ist ein Stratege.

Hinterher, auch das kommt nicht so oft vor, beglückwünschten ihn die Kollegen für seine famose Leistung. „Nach dem Hannover-Spiel habe ich Ante Rebic herausgehoben“, sagte bei der Analyse der Kapitän Marco Russ, „heute hebe ich Makoto hervor.“ Hütter hieb in die gleiche Kerbe: „Taktisch diszipliniert, alles abgelaufen, eine absolute Bank für uns.“ Seine große internationale Erfahrung – er nahm an vier Weltmeisterschaften teil – spielte Hasebe jetzt auf europäischem Parkett gewinnbringend aus. 

Die Partie gegen Lazio war ohne Zweifel eines seiner besten Spiele im Eintracht-Dress, und das will bei 131 Pflichtspielen für die Frankfurter schon etwas heißen. Ohnehin hat der Japaner, seit 2014 im Hessischen, in dieser Runde bislang bärenstark gespielt, ob in der Fünferkette wie zuletzt oder im defensiven Mittelfeld, die außergewöhnliche Leistung in der Europa League war also beileibe keine Eintagsfliege.

Insofern hatte es zu Beginn der Saison allenthalben überrascht, dass Adi Hütter glaubte, auf den Routinier verzichten zu können. Gegen Freiburg war Hasebe noch krank, aber gegen Bremen und Dortmund setzte er den früheren Kapitän der japanischen Nationalmannschaft auf die Bank.

Es war das erste Mal in Frankfurt, dass „Hase“, wie er gerufen wird, nicht spielte, obwohl er weder gesperrt noch verletzt war. Er sei mit seiner Situation „nicht zufrieden“, sagte Hasebe seinerzeit. Deutlicher wollte der stets loyale Musterprofi nicht werden. Keine Frage: Die Nichtnominierung hat an ihm genagt. 

 Aktuell fühlt sich Makoto Hasebe, dessen Vertrag im Sommer nächsten Jahres endet und der dann, sofern er nicht noch ein Jahr dranhängt, bei der Eintracht als Repräsentant tätig sein wird, so fit wie lange nicht mehr. Nach der Weltmeisterschaft in Russland ist er nach 114 Spielen für Nippons Auswahl aus der Nationalmannschaft zurückgetreten.

Die vielen anstrengenden Interkontinentalflüge zu Länderspieleinsätzen fallen weg und kommen ganz offensichtlich Eintracht Frankfurt zugute. Nie, so scheint es, war Makoto Hasebe, der ewig junge alte Mann, so wertvoll wie heute.

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