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Rückschritt bei Eintracht Frankfurt: „Für unsere Ansprüche zu wenig“

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Von: Thomas Kilchenstein, Daniel Schmitt

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Aufgeheizte Stimmung: Goncalo Paciencia rangelt mit einigen Bielefeldern.
Aufgeheizte Stimmung: Goncalo Paciencia rangelt mit einigen Bielefeldern. © dpa

Eintracht Frankfurt misslingt der Start in 2022, manch Defizit erinnert gar an den Saisonauftakt - doch Trainer Oliver Glasner sieht auch die positiven Aspekte.

Frankfurt – Der Abpfiff an diesem Freitagabend im Frankfurter Kühlschrank war noch nicht lange her, da tat der Fußballlehrer Oliver Glasner seine ersten Eindrücke kund. Und der Chefanleiter des Bundesligisten Eintracht Frankfurt wollte denn mit seiner kickenden Truppe nicht allzu hart ins Gericht gehen. Die 0:2 (0:2)-Niederlage gegen die bis dahin drittschlechteste Mannschaft der Liga, Arminia Bielefeld, sei freilich „enttäuschend“, auch habe sein Team gewiss nicht alles richtig gemacht, aber so alles in allem bilanzierte Glasner: „Ich kann den Jungs keinen Vorwurf machen.“

Eine Floskel unter Fußballern, die gerne mal dazwischen rutscht in solch einer eiligen Analyse kurz nach Spielschluss, die der Trainer Oliver Glasner auch hauptsächlich auf das in der Tat vorhandene Missverhältnis zwischen Torversuchen (17) und Torerfolgen (0) seiner Mannschaft bezog, die letztlich aber das Erlebte nicht ganz traf. Denn natürlich hatten sich die Frankfurter etwas vorzuwerfen am Freitag im Stadtwald: Sie waren nicht gut genug, um einen prächtig organisierten, die Eintracht-Fehler konsequent ausnutzenden, aber keineswegs übermächtigen Tabellen-16. zu bezwingen.

Eintracht Frankfurt: Hinter den eigenen Erwartungen zurück

Andere Eintracht-Beteiligte dröselten das 0:2 entsprechend enttäuscht wie ernüchtert auf. „Ich bin schon deutlich verärgert, weil die Niederlage einfach unnötig war, weil wir von Anfang an keine Konsequenz im Verteidigen hatten, zu einfache Gegentore bekommen und unsere Chancen nicht genutzt haben“, sagte etwa Sportvorstand Markus Krösche. Kapitän Sebastian Rode pflichtete ihm bei, empfand den Abend als „gebraucht“ und schloss daraus: „Wir müssen wieder an den Basics arbeiten, dass wir hinten kompakter stehen. Wir sind bitter in die Rückrunde gestartet.“ Die Punkteausbeute sei mau. In der Tat ist sie das.

Von neun möglichen Zählern in diesem Jahr aus den Partien gegen Dortmund, Augsburg und Bielefeld sammelten die Hessen gerade mal einen. Das ist, und das sind die Fakten, schlechter als zu Saisonbeginn, als den Frankfurtern in eben jenen Paarungen zwei Punkte gelungen waren. Schon damals eigentlich zu wenig. „Wir sind mit dem Rückrundenstart nicht zufrieden, hätten gegen Dortmund und Augsburg gewinnen können, vielleicht gewinnen müssen, und haben gegen Bielefeld keine gute Leistung abgerufen“, sagte Krösche: „Von daher ist das von der Punkteausbeute und für unsere Ansprüche zu wenig.“

Die Ansprüche in Frankfurt sind ja deutlich gestiegen nach der Leistungssteigerung im Herbst und zum Ausklang des vergangenen Jahres. Alles für den Einzug in den Europapokal wolle man tun, hieß es. Mit gerade 28 Punkten auf dem Konto ist das Erreichen dieses Ziels natürlich weiterhin möglich, die Saison ist noch sehr lange, erste Chancen aber, sich oben festzubeißen, sind vergeigt. Derzeit erinnert die Eintracht von Januar 2022 auch wieder ein Stück weit an die Eintracht aus dem August 2021 - fußballerisch läuft die Kugel zwar um einiges flüssiger als damals, aber eben längst nicht mehr so gut wie noch in den Partien vor Weihnachten. Durch Abwehrböcke und Chancenwucher bringen sich die Hessen zudem in Nöte, die nicht nötig wären.

Eintracht Frankfurt: „Verdiente Niederlage“

Vor den Gegentoren von Patrick Wimmer (5.) und Alessandro Schöpf (27.) habe sich seine Elf defensiv „teilweise stümperhaft“ verhalten, habe „Sicherheitsabstand“ gewahrt, kritisierte Glasner, gerade die linke Seite sei zu offen gewesen. Im Offensivspiel habe zudem ein „Mangel an Effizienz“ geherrscht, so der Trainer. Dazu hätte auch Glasner selbst wohl besser von Beginn an den spielstärkeren Makoto Hasebe auf dem Libero-Posten aufgeboten, anstelle des an diesem Tage erstaunlich überforderten Martin Hinteregger. Dem Frankfurter Aufbauspiel gegen einen gut verteidigenden Gegner hätte dies nur zuträglich sein können.

Der hohe Ballbesitzanteil gegen die Arminia (64 Prozent) verpufft zu oft durch leichte Ballverluste. Und schaffte es die Kugel doch in den Strafraum, hauptsächlich nach Flanken von Filip Kostic (13 Stück), war das Zentrum zu mager besetzt. Dazu verschoss gerade Stürmer Rafael Borré klarste Tormöglichkeiten, symptomatisch sein Fehlversuch frei vor Bielefelds Schlussmann Stefan Ortega in der Nachspielzeit. Der Eindruck, die Hessen hätten noch drei Stunden weiterspielen können und es wäre ihnen kein Treffer gelungen, drängte sich nicht umsonst auf. „Wenn du vorne kein Tor erzielst und hinten schlecht verteidigst, verlierst du das Spiel“, sagte Glasner und fügte an: „Daher ist es eine verdiente Niederlage.“

Eintracht Frankfurt: Glasner will nüchtern analysieren

Nun heißt es für die Eintracht: Zurück auf Los! Was im Monopoly ein unangenehmer Zug ist, bedeutet für die Eintracht nun Risiko und Chance zugleich. So hätten sich die Frankfurter einerseits sicher gewünscht, deutlich weiter, gefestigter, besser zu sein in dieser Saisonphase, nicht mehr diese Mängel vom Rundenbeginn auch jetzt noch in ihrem Spiel durchblitzen zu lassen. Andererseits haben sie es ja schon mal hinbekommen, ihre Leistungen auf ein höheres Niveau zu heben, die Rückkehr zu derartigen, stabileren, erfolgreicheren Auftritten scheint zumindest nicht allzu weit entfernt. Auch gegen die Arminia war ja nicht alles schlecht, wenngleich auch vieles eben nicht gut. Er sei daher überhaupt nicht beunruhigt, strahlte der Trainer Zuversicht aus, schließlich habe sein Team in dieser Runde schon andere, schwierige Situationen gemeistert. Auch sei das jetzt „über weite Strecken deutlich besser als in der Hinrunde“.

Zudem: So nervig es für die Beteiligten, Trainer wie Spieler, auch sein dürfte, die nun anstehende Zwei-Wochen-Spielpause mit einer Niederlage in den Hinterköpfen bestreiten zu müssen, so bietet die in Europa kaum genutzte Länderspielperiode immerhin die Option, konzentriert an den eigenen Mängeln wie Stärken zu arbeiten. Nur drei Eintracht-Profis (Daichi Kamada, Rafael Borré, Ajdin Hrustic) sind international auf Reisen, der restliche Kader kann sich unter die Fittiche von Coach Glasner begeben. Der sagt kämpferisch: „Wir haben uns den Start ins Jahr anders vorgestellt. Jetzt haben wir aber zwei Wochen Zeit, um nüchtern die Fehler zu analysieren, die Ärmel hochzukrempeln und Gas zu geben.“ Heißt: Zurück auf Los! (Von Daniel Schmitt und Thomas Kilchenstein)

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