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Die Rückkehr des Sprinters

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Von: Ingo Durstewitz

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Mischt wieder mit: David Abraham (rechts), hier gegen Mijat Gacinovic.
Mischt wieder mit: David Abraham (rechts), hier gegen Mijat Gacinovic. © Jan Huebner

Eintracht-Abwehrchef David Abraham ist zurück und greift wieder an.

Das Strampeln auf dem Ergometer hat er hinter sich gelassen, endlich, endlich. Nachdem der Frankfurter Fußballprofi David Abraham in den vergangenen Wochen unendlich viele Kilometer auf dem Trockenen abgespult hat, darf er jetzt wieder gegen den Ball treten. „Ich bin so weit hergestellt“, sagt der 31-Jährige. „Es waren harte Wochen.“ Doch so ganz ohne Radfahren geht es nicht, natürlich nicht. Als sich das anberaumte Pressegespräch nach dem Training etwas in die Länge zieht, grätscht Eintracht-Sprecher Carsten Knoop mannhaft dazwischen: „Das geht ja schon lang genug, er muss auch noch aufs Rad.“ Ist klar. 

David Abraham, in Abwesenheit von Alexander Meier Kapitän der Eintracht und seit rund zwei Monaten außer Gefecht, können 20 Minuten Fahrradfahren nichts mehr anhaben, in gebotener Routine bekämpft er die Monotonie auf dem Ergometer. Es hat ja seinen Sinn gehabt, konditionell, glaubt er, habe er deshalb nicht so viel Substanz verloren. Er geht gar so weit zu behaupten: „Ich bin topfit.“ Was erst noch zu belegen wäre. 

Grünes Licht vom Arzt

Seit er im Auswärtsspiel beim Hamburger SV am 12. Dezember einen Schlag auf die Wade bekommen hatte und sich eine Einblutung im Knochen bildete, konnte der Argentinier seiner Arbeit in der Abwehr der Eintracht nicht mehr nachgehen. Ursprünglich waren die Verantwortlichen davon ausgegangen, dass der Verteidiger kurz darauf im Heimspiel gegen Schalke 04 wieder zur Verfügung stehen könnte. Doch aus vier Tagen Pause sind acht Wochen geworden. „Ich war lange außen vor“, sagt er knapp.

Am Sonntag nach dem 4:2-Erfolg gegen den 1.FC Köln trainierte der Abwehrchef erstmals ernsthaft wieder mit den Kollegen, am Mittwoch stand die erste Einheit der Woche an. „Ich habe jetzt Grünes Licht“, sagt er. Ob er schon im kommenden Heimspiel am ungewohnten Montag gegen RB Leipzig wieder wird mittun können? „Wir müssen jetzt schauen, wie ich auf die Belastungen reagiere“, befindet er. Aber grundsätzlich sei er wieder auf der Höhe und biete seine Arbeitskraft an. „Ich habe keine Zeit verloren und konditionell nicht viel abgebaut.“

Natürlich müsse er noch „Zutrauen zum Ball finden“, denn die Kugel war zuletzt selten im Spiel bei ihm, doch innerhalb weniger Tagen werde sich das regulieren lassen. 

Abrahams größtes Pfund ist seine Schnelligkeit, es gibt nicht viele Stürmer, die ihm entwischen. Es ist eher umgekehrt. Und gerade gegen den enorm flinken Leipziger Timo Werner könnte Abrahams Tempo ein nicht unerheblicher Faktor sein. Das könnte von der Konstellation her passen. 

Andererseits weiß niemand, ob dem Eintracht-Profi nach einer Handvoll Trainingseinheiten nicht wirklich die Wettkampfhärte und die Spielpraxis fehlt, um einen Hochkaräter wie Werner in Schach zu halten. Zumal die Eintracht-Abwehr auch in seiner Abwesenheit erstaunlich gut funktionierte, Trainer Niko Kovac hat in der zurückliegenden Englischen Woche sogar eine Rotation light eingeführt und jedem seiner drei verbliebenen Innenverteidiger zwei Spiele gegönnt. Marco Russ, Carlos Salcedo und Simo Falette setzten jeweils ein Spiel aus. Nur Makoto Hasebe spielte immer. Und das sollte auch weiterhin so sein. „Hase ist in alter Form“, hat auch Sportdirektor Bruno Hübner erkannt. Es gibt überhaupt keinen Grund, den spielintelligenten und in dieser Verfassung nicht zu ersetzenden Japaner aus dem Zentrum der Abwehr zu ziehen.

Trainer Niko Kovac war ja auch erst auf die Idee gekommen, Abraham als zentralen Mittelblock aufzubieten, weil Hasebe in der Vorrunde mit seinen Knien zu kämpfen hatte und er sich nicht in allerbester Form präsentierte. Das ist längst anders, zumal sich auch das Spiel der Eintracht verändert hat. Die Hessen legen wieder sehr viel mehr Wert auf spielerische Lösungen – und dafür ist Makoto Hasbe im Zusammenspiel mit Omar Mascarell im defensiven Mittelfeld prädestiniert. Für Abaraham müsste also entweder Falette oder Salcedo weichen.

Der Vizekpitän hat mit Zufriedenheit beobachtet, wie sehr sich das Team entwickelt hat. Und einem untadeligen Mannschaftsspieler wie ihm ist abzunehmen, dass diese Freude tatsächlich echt und ungetrübt ist. „Ich bin froh, in eine Mannschaft zurückzukehren, die eine positive Dynamik hat, die stabil ist und funktioniert.“ 

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