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Probleme? Sascha Rösler (links) im Disput mit Sebastian Jung.

Es war einmal

"So ein Rotzlöffel"

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Einst im August 2011: Eintracht-Trainer Armin Veh poltert vehement gegen Sascha Rösler.

Ganz am Ende flog dann auch noch Alex Meier vom Platz, Gelb-Rot nach einem Allerweltsfoul. Sah man nicht alle Tage, so eine Hinausstellung für Alex Meier, der keiner Fliege etwas zu leide tun kann. Das ist ihm auch nicht oft passiert in seiner bewegten Karriere, nur noch einmal, 2015 im Duell mit den Lokalrivalen Mainz 05. Diese Gelbe-Rote Karte, seinerzeit im August 2011, hatte auf das Resultat des recht ereignislosen Spiels gegen Fortuna Düsseldorf keinen Einfluss, es endete verdientermaßen 1:1, die Tore machten Sebastian Jung für die Eintracht und Maximilian Beister für die Rheinländer. 

Und sonst? Stürmer Theofanis Gekas hatte zwei dicke Chancen vergeben und war wieder auf dem direkten Weg ins Denkgefängnis. Trainer Armin Veh wirkte zwar nicht desillusioniert, aber doch nachdenklich. Der damals neue Eintracht-Coach hatte nämlich im Laufe der Wochen erkannt, dass die Hessen in der Breite bei weitem nicht gut aufgestellt waren. Er habe vielleicht 13, maximal 14 Spieler, die gehobenen Zweitligaansprüchen genügten. „Die Wahnsinns-Qualität haben wir nicht dahinter“, urteilte er. „Es ist wichtig, dass die Spieler, die die Qualität haben, nicht längerfristig ausfallen.“ Er dachte an Pirmin Schwegler, Alex Meier oder Sebastien Jung. Das Projekt Wiederaufstieg sei kein Selbstläufer. „Das Ganze ist sehr fragil.“ Es sollte sich aber noch festigen.

War das erste Aufeinandertreffen mit den Fortunen am vierten Spieltag noch reichlich unspektakulär, so war beim Rückspiel im Februar 2012 Feuer ohne Ende drin. Nach einem hitzigen Duell und einer Strafstoßentscheidung für die Fortuna in der Nachspielzeit, die letztlich zum 1:1-Ausgleich führte, brannten bei den sich verschaukelt fühlenden Frankfurtern alle Sicherungen durch. Boss Heribert Bruchhagen wütete mit Zornesröte im Gesicht durch die Mixed Zone, Trainer Veh schwänzte gar die offizielle Pressekonferenz. 

Bruchhagen fuhr schweres Geschütz auf. „Herzlichen Glückwunsch an die Fortuna, diese Methode hat Erfolg. Alle Achtung.“ Er meinte damit das ständige Lamentieren, das ständige Bearbeiten von Schieds- und Linienrichter, der häufige Versuch, einen Frei- oder gar Strafstoß zu schinden. „Sehen Sie sich die Düsseldorfer Spiele an. 21 Spiele. 90 Minuten. Egal, gegen wen. Es ist immer dasselbe. Es ist Methode.“ Er nahm auch Trainer Norbert Meier aufs Korn. „Der Meier hat permanent die Arme hoch, er hat permanent Druck auf den Linienrichter ausgeübt.“ 
Coach Veh hatte seinen Lieblingsgegner gefunden, den er einen Tag später verbal an die Wand nagelte: Sascha Rösler. „Wenn ich sehe, dass so einer als Leader hingestellt wird, als Supertyp, dann wird jeder anständige Sportler mit Füßen getreten“, wetterte Veh. „Das ist kein Leader, das ist ein Schauspieler. Es ist eine Schande für den Fußball, dass man für die Dinger, die er jedes Spiel abzieht, nicht bestraft wird.“ 

Schon vor dem Topspiel hatte Veh den Düsseldorfer Rösler der Schauspielerei und Aufhetzung bezichtigt. Das hatte Folgen: Nach dem Ausgleichstor der Fortuna durch den höchst umstrittenen Strafstoß hatte sich Rösler erst von hinten an Veh herangepirscht, ihm ein paar Nettigkeiten ins Ohr gebrüllt, war dann noch mal auf ihn zugerannt, um ihn im Adrenalinrausch zu einem Duell Mann gegen Mann aufzufordern. Wild-West in Düsseldorf. 

Ob Rösler ihn, wie viele zu hören glaubten und von den Lippen abgelesen haben wollten, mit dem Wort „Hurensohn“ beleidigt habe, war Veh anderntags gefragt worden. „Dazu werde ich nichts sagen“, entgegnete Veh. „Was so ein Rotzlöffel sagt, interessiert mich nicht.“ 

Übrigens: Am Ende stieg die Eintracht auf, die Fortuna ebenfalls, in einem denkwürdigen zweiten Relegationsspiel samt Platzsturm gegen Hertha BSC. 

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