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Scheinbar Rot für Marius Wolf: Doch diese Entscheidung nahm Schiedsrichter Harm Osmers wenig später zurück.

Videobeweis

"Rote Karte. Basta. Aus"

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  • Ingo Durstewitz
    Ingo Durstewitz
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Zwei knifflige Schiedsrichterentscheidungen bringen Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic mächtig auf die Palme.

Immerhin hatte Marius Wolf sein Trikot noch nicht vor lauter Wut in die Ecke gepfeffert. Denn plötzlich kamen Zeugwart Franco Lionti und Pressesprecher Jan Strasheim in die Kabine geeilt und holten ihn auf den Platz zurück. Was für ein kuriose Szene. Nach 72 Minuten und einem Foul von Wolf am Bayern-Spieler James Rodriguez hatte ihm Schiedsrichter Harm Osmers (Hannover) zur Verblüffung aller die Rote Karte gezeigt, es war eine viel zu harte Entscheidung.

Doch während Marius Wolf schon stinksauer in den Katakomben verschwunden war, erreichte den Schiedsrichter ein Funksignal aus Köln. Osmers schaute sich die Szene noch einmal auf dem Bildschirm an und revidierte dann seine Entscheidung.

„Er hat sich bei mir entschuldigt und gesagt, es tue ihm Leid.“ Zum Glück war Wolf da schon wieder aufs Feld zurückgeeilt. Dass eine Rote Karte zurückgenommen wird, ist selbst in der an Ungereimtheiten langen Geschichte des Videobeweises ein Novum. Aber korrekt war die Rücknahme allemal. 

Und es war nicht die einzige Szene, in der Schiedsrichter Osmers eine tragende Rolle spielen sollte. Das begann schon früh im Spiel, als Aymen Barkok nach einer frechen Balleroberung an der Strafraumgrenze von Arturo Vidal zu Fall gebracht worden war, der Eintracht-Profi war relativ frei vor dem Tor, Jerome Boateng eilte allenfalls von der Seite heran. „Ich bin allein im Eins gegen Eins mit dem Torwart“, sagte Barkok. Schiri Osmers zückte die Gelbe Karte, nur die Gelbe Karte, und damit waren die Bayern bestens bedient. Eintracht-Vorstand Fredi Bobic, der eigentlich „keinen Bock hatte, über Schiedsrichter zu reden“, es dann aber doch tat, war sichtlich angefressen. 

„Bei 17 anderen Bundesligisten wäre es Rot gewesen“, sagte er und witterte einen „Bayern-Bonus“. Und weiter: „Mehr als eine klare Torchance verhindern, geht nicht. Barkok hätte allein gehen können, er hätte abschließen oder zum freistehenden Ante Rebic spielen können. Das war eine Rote Karte. Basta. Aus.“ 

Dabei, fand er, habe Harm Osmers in vielen Phasen des Spiels „sehr ordentlich gepfiffen und viel laufen lassen“, lediglich „bei den entscheidenden Situationen hat er komplett falsch gelegen. Und die machen in so einem Spiel, in dem es um Kleinigkeiten geht, viel aus. Das sind die Momente eines Spiels, die es in die eine oder andere Richtung kippen lassen können.“ Jetzt habe der Unparteiische schon Hilfe. „Einmal wird sie eingesetzt, beim anderen Mal nicht. Manchmal weiß ich schon gar nicht mehr, warum, wieso, weshalb?“

Was den Sportvorstand am meisten aufgeregt hat, war die Tatsache, dass Raubein Arturo Vidal zehn Minuten nach der Pause nach einem erneuten Foul an Wolf nicht die zwingend gebotene Gelb-Rote Karte gezeigt bekam. Osmers ließ Gnade vor Recht ergehen.

Bayern-Coach Jupp Heynckes reagierte umgehend, unmittelbar nach dieser Aktion holte er den Chilenen vom Platz, um ihn und sein Team vor einem Platzverweis zu bewahren. „Das ist natürlich eine volle Gerade gegen den Schiedsrichter. Das war wie ein K.o.-Schlag im Boxen. Es ist schade, dass das nicht entsprechend gewertet wurde“, schimpfte Bobic.

Ironie des Tages: Ausgerechnet Arturo Vidal hatte dieses Spiel nach 20 Minuten per Kopf entschieden. Wolf hatte, wie er einräumte, Vidal „aus den Augen verloren“. Jener Vidal, der eigentlich gar nicht mehr auf dem Feld hätte stehen dürfen.    

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