1. Startseite
  2. Eintracht

Eintracht Frankfurt: Trauer um Ex-Präsident Heller

Erstellt:

Von: Thomas Kilchenstein

Kommentare

Ehemaliger Präsident der Eintracht: Rolf Heller.
Ehemaliger Präsident der Eintracht: Rolf Heller. © Imago

Zum Tod von Rolf Heller, der Eintracht Frankfurt als Präsident durch sportlich und wirtschaftlich ganz schwierige Zeiten steuerte.

Frankfurt – Im Grunde seines Herzens hat sich Rolf Heller, der jetzt im Alter von 78 Jahren nach langer, schwerer Krankheit in Weimar gestorben ist, auf den Amateursportplätzen mit Bratwurst und Bier in der Hand immer wohler gefühlt als in den Vip-Räumen der Bundesligaklubs. Und der Mann hatte wahrlich keine Berührungsängste, kannte jeden und hatte für jeden stets Zeit und die Muße für einen netten Plausch. Rolf Heller, gebürtiger Riederwälder und stets braun gebrannt, hatte für jeden Klub ein Ohr, doch zwei Vereine gehörten seinem Herzen: einmal dem SV Viktoria Preußen, einem Klub mit großer Tradition im Norden Frankfurts, dort spielte er in den 1960ern Mittelstürmer und schoss in einer Saison stolze 56 Tore.

Ein Kreuzbandriss machte seiner Karriere ein Ende, vom Fußball kam er natürlich deswegen noch lange nicht los. Bald schlug er eine Funktionärslaufbahn ein, engagierte sich in der Rechtsabteilung des Hessischen Fußballverbandes, kümmerte sich um Schiedsrichter und saß in diversen Gremien, etwa in Verbandssportgerichten, auch beim Nordostdeutschen Fußballverband.

Eintracht Frankfurt: Zu Zeiten Hellers ehrenamtlich geführt

Die zweite Liebe, im Grunde aber die einzig ganz große, war Eintracht Frankfurt. Dort fing er, 1979, als Jugendleiter an und stieg auf der Funktionärsleiter immer höher – bis er, nach Abteilungsleiter und Vizepräsident – plötzlich, 1996 war das, sogar Präsident wurde – und mit dieser Entscheidung vermutlich das Überleben des Klubs gesichert hatte. Denn damals, die Eintracht war gerade das erste Mal in ihrer Vereinsgeschichte in die zweite Liga abgestiegen und, nach dem Bosman-Urteil, finanziell am Boden, wollte sein Vorgänger, Hans-Joachim Otto, der lediglich sechs Wochen amtierte, Insolvenz anmelden.

Heller wusste das zu verhindern und ließ sich zum Präsidenten wählen, an seiner Seite: Klaus Lötzbeier, ein pensionierter IBM-Manager, und Gaetano Patella, ein ehemaliger Geschäftsführer der Banco di Sicilia. Es war ein sehr ehrpusseliges Trio, das seinerzeit am Riederwald die Fäden zog, doch die drei schafften gemeinsam mit Trainer Horst Ehrmantraut den Wiederaufstieg in die Bundesliga und später das erste Wunder im Stadtwald, der Klassenerhalt nach einem 5:1-Erfolg über den 1. FC Kaiserslautern. Zeitweise hatte Heller, der sich für diese Zeit als Verwaltungsdirektor bei der AOK Thüringen für zwei Jahre hatte beurlauben lassen, auch noch den Posten des sportlichen Leiters inne. Heute undenkbar: Drei ehrenamtlich arbeitende Männer führen einen Bundesligaklub, knapp 20 Jahre ist das erst her. Ein Coup war ihm trotzdem gelungen, als er, der beruflich häufig in Thüringen unterwegs war, den jungen Bernd Schneider von Carl Zeiss Jena entdeckte und in den Riederwald lockte.

Ex-Eintracht-Präsident Heller: „Der gute Mensch vom Riederwald“

Es waren turbulente Zeiten, immer hart am Absturz segelnd, sportlich wie wirtschaftlich. Denn stets drohte der Lizenzentzug. Und doch hatte sich Heller selbst im Haifischbecken Bundesliga seine Freundlichkeit nicht nehmen lassen, seine Verbindlichkeit, er blieb ein netter, umgänglicher, die Harmonie suchender Sympatikus, um Ausgleich bemüht. Die FAZ hat ihn zu seinem 60. Geburtstag mal als „den guten Menschen vom Riederwald“ bezeichnet.

Knapp vier Jahre hat Rolf Heller den Verein geführt, bis 2000, bei seinem Abtritt erhielt er tosenden Beifall von den Mitgliedern. Dann wurde der Klub umgebaut, Octagon stieg ein, die Profiabteilung wurde in eine AG ausgegliedert. Heller blieb der Eintracht treu, erhielt die Ehrenmitgliedschaft, arbeitete im Hintergrund, ohne seine vielen ehrenamtlichen Aufgaben zu vernachlässigen. Als ehemaliger Leitender Verwaltungsdirektor der AOK engagierte er sich im Kassenarztrecht, zudem blieb er in diversen Schiedsämtern in Thüringen, BSG Chemie Leipzig oder Rot-Weiß Erfurt stand er als Berater zur Seite. Daneben kümmerte er sich um seine Immobilien in Weimar, Jena und Gera.

Zuletzt ist es ruhiger geworden um den geselligen Familienvater, der Knochenkrebs hatte ihn unerbittlich im Griff. (Thomas Kilchenstein)

Auch interessant

Kommentare