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Loune, Awusi und Co.: Die hoffnungsvollsten Eintracht-Talente

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Von: Daniel Schmitt

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Langfristig an die Eintracht gebunden: Junior Awusi, 16 Jahre alt.
Langfristig an die Eintracht gebunden: Junior Awusi, 16 Jahre alt. © Imago

Die Eintracht scheint mit ihrem Nachwuchsarbeit auf dem richtigen Weg, jener zu den Profis ist aber ziemlich weit geworden.

Das Urteil von Oliver Glasner, dem Chef der Frankfurter Bundesligafußballer, ist schon vor geraumer Zeit gefallen, es ist eindeutig: „Hessenliga können sie, da können wir einen Haken dran machen.“ Gemeint sind Mehdi Loune und Marcel Wenig, beide 18, ob ihres Talents längst von der Eintracht mit Profiverträgen ausgestattet, bisher meist aber in der wiederbelebten Reserve am Ball. Hessenliga also, fünfte Spielklasse. Fußball auf dem Dorf, Walldorf, Waldgirmes, Weidenhausen. Weit weg von der Glitzerwelt. Oliver Glasner präzisiert daher mit Blick auf die Talente: „Die Ansprüche für die Jungs sind natürlich andere, weshalb wir sie mitnehmen, um sie auf einem höheren Level spielen zu sehen.“

Mitte November auf der Japan-Reise, zuletzt im WM-Paralleltraining im Stadtwald sowie beim finalen Testspieldoppelpack gegen Sandhausen und Bergamo - Glasner ließ einige Nachwuchskräfte reinschnuppern. Der zentrale Mittelfeldmann Marcel Wenig, der bereits drei Minuten Bundesligaluft atmen durfte, hat sich zwar den Mittelfuß gebrochen, U21-Kollege Loune aber machte durchaus auf sich aufmerksam.

Mehdi Loune wird Sprung zugetraut

Der Techniker, klein gewachsen, flinke Wendungen, einst beim FSV Frankfurt, seit der U16 bei der Eintracht, fiel im Training nicht ab und dadurch sogar auf. Beim Jahresabschlussspiel in Bergamo kam er Mitte der zweiten Hälfte in die Partie und bereitete ein Tor von Lucas Alario gekonnt vor. Loune kann kicken, das ist offensichtlich, ihm wird bei der Eintracht der (große) Sprung vom Nachwuchstalent zum Profi zugetraut, wenngleich sich beim Offensivmann taktisch wie physisch noch eine Menge Potenzial erkennen lässt.

Oliver Glasner jedoch hält es für wichtig, den jungen Leuten ihre Chancen zu geben - und wenn nicht in Saisonphasen wie zuletzt, wann dann? Eine halbe Stunde auf dem Platz gegen Bergamo bringe einem jungen Kerl eben deutlich mehr als ein weiteres Spiel in der Hessenliga, sagt Glasner, der ja selbst bei der einen oder anderen Partie der U21 auf der Tribüne saß. Statt am vergangenen Freitag in Baunatal aufzulaufen, reiste Loune nun eben mit nach Italien. „Es geht nicht um Punkte in den einzelnen Spielen, sondern um die Entwicklung der Spieler“, so Glasner.

Trifft oft, könnte aber noch öfter treffen: Nacho Ferri.
Trifft oft, könnte aber noch öfter treffen: Nacho Ferri. © Imago

Im Idealfall geht beides einher. Die zweite Mannschaft führt die Hessenliga zum Jahreswechsel mit drei Punkten Vorsprung an, der Aufstieg in die Viertklassigkeit ist machbar. Die U19 liegt zwar in der Junioren-Bundesliga nur auf Rang 13, hat sich mit Unterstützung einiger Hessenliga-Spieler – unter anderem Loune, Wenig, auch Stürmer Nacho Ferri, 18, der viele Tore schießt und dennoch an seiner Kaltschnäuzigkeit arbeiten muss – aber in der Youth League gut verkauft und den Einzug ins Achtelfinale klar gemacht. Dort geht es Anfang Februar gegen AZ Alkmaar. Die U17 ist guter Tabellenvierter.

Ohnehin, so heißt es aus dem inneren Zirkel am Riederwald, habe die U17 einige verheißungsvolle Talente in ihren Reihen, sei der beste Jahrgang seit langem. Namen will zwar niemand nennen, der Druck soll von den Jugendlichen (noch) ferngehalten werden, einige aber sind offensichtlich: So wurde unlängst zum Beispiel Außenstürmer Junior Awusi, 16, mit einem „langfristigen Vertrag“ ausgestattet. Awusi kommt auf zwölf Tore und 13 Vorlagen in der B-Junioren-Bundesliga, als Lohn durfte er mit nach Japan jetten.

Zuletzt mit den Profis in Japan: Mehdi Loune.
Zuletzt mit den Profis in Japan: Mehdi Loune. © Eibner/Imago

Ebenso zur fernöstlichen Reisegruppe gehörten Mittelfeldmann Noah Fenyö, Verteidiger Derek Boakiye-Osei sowie Stürmer Anas Alaoui, alle 16, dem im Spiel gegen Urawa Red Diamonds gar ein Treffer gelang. Er kommt im Ligabetrieb auf 16 Saisontreffer und führt damit die Torschützenliste der Süd/Südwest-Staffel an. Auch er wurde „langfristig“, was auch immer das im Detail heißen mag, an den Klub gebunden. „Er bringt alles mit, um den Sprung in den Profifußball zu schaffen. Alle Beteiligten glauben an sein Potenzial“, sagt Alexander Richter, Leiter des Nachwuchsleistungszentrums (NLZ).

Es ist zu spüren, dass sich etwas tut am Riederwald, etwas vorangeht, zarte Pflänzchen sprießen. Alexander Richter als Chef, Ralph Gunesch als Übergangstrainer, Timmo Hardung als Leiter der Lizenzspielerabteilung als Verbindungsmann zu den Profis, Sportvorstand Markus Krösche, der den Weg erst anstieß und nun mitgeht. Die Talente jedenfalls dienen nicht mehr einfach nur dazu, wie zu Zeiten von Sportvorstand Fredi Bobic, den Kader der Profis aufgrund von strikten DFL-Auflagen aufzufüllen.

Bester Torschütze der A-Jugend-Bundesliga: Anas Alaoui.
Bester Torschütze der A-Jugend-Bundesliga: Anas Alaoui. © Jan Huebner/Imago

Allerdings: Noch ist es ein weiter Weg für die Frankfurter Nachwuchskicker bis zu den eigenen Profis, der in den vergangenen Jahren gar noch weiter geworden ist. Man schaue sich nur mal die qualitativ hochwertige Offensive der aktuellen Glasner-Truppe an. Randal Kolo Muani, Mario Götze, Daichi Kamada, Jesper Lindström, Lucas Alario, Rafael Borrré - da will ein 17-, 18-, 19-Jähriger erstmal mithalten und in diese Phalanx hineinstoßen können. Der aus Spanien mit vielen Vorschusslorbeeren geholte Fabio Blanco etwa konnte sich nicht im Ansatz durchsetzen, zockt jetzt zwar in der zweiten Truppe des FC Barcelona, kommt dort jedoch nicht über Kurzeinsätze hinaus. Vielleicht, man ahnt es, war die Einschätzung des Oliver Glasner entgegen des Hypes doch nicht ganz verkehrt.

Ob es bald also wieder einer vom Riederwald ins Waldstadion packt? NLZ-Leiter Richter sieht die ersten Schritte gemacht, mehr allerdings auch nicht: „Grundsätzlich sind wir froh, dass wir die Durchlässigkeit zu den Profis immer weiter erhöhen und unseren Talenten eine klare Perspektive aufzeigen können.“

Man wird sehen.

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