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Erneuern oder Bewahren? Axel Hellmann (li.) neben Heribert Bruchhagen.

Eintracht-Kommentar

Richtungsstreit

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Heribert Bruchhagen versus Axel Hellmann: In der arabischen Wüste hat sich im Trainingslager der Eintracht ein merkwürdiges Schauspiel abgespielt. Ein Kommentar.

Es war ein merkwürdiges Schauspiel, das sich der verdutzten Presseschar am Sonntagmittag im Frankfurter Trainingscamp am Persischen Golf darbot. Erst legte Vorstandschef Heribert Bruchhagen seine Zweifel an der grundsätzlichen finanziellen Ausrichtung der Eintracht dar. Tenor: Bloß keine Investoren (Es gebe ja sowieso keine). Eine Stunde später referierte Finanzchef Axel Hellmann über die Notwendigkeit von Kapitalaufnahme. Tenor: Externe Finanzierungen seien unabdingbar, um zukünftig eine ambitionierte Mannschaft in die Arenen der Bundesliga schicken zu können (Interessierte Investoren gebe es reichlich). Ein öffentlich ausgetragener Disput. Mitten in der Wüste. Ein Paukenschlag.

Bewahren oder Erneuern

Es ist ein Richtungsstreit, der für die meisten vielleicht überraschend zutage tritt, aber im Hintergrund schon seit Monaten schwelt. Es ist ein Zwist, der oftmals auf einen Kampf zwischen den Bewahrern, den Traditionalisten auf der einen und den Erneuerern, den Modernisierern auf der anderen Seite reduziert wird. Das greift zu kurz.

Bruchhagen ist ein Bundesliga-Dino mit einem guten Ruf in der Branche, angesehen in der Stadtgesellschaft und Fußball-Deutschland. Bruchhagen kann nicht aus seiner Haut, er will es auch gar nicht, er setzt gerne mal ein Ausrufezeichen und zeigt, wer bis 2016 die Richtlinienkompetenz inne hat: Er selbst. Der Ostwestfale ist ein konservativer Geschäftsmann, der nach dem alten Kaufmannprinzip handelt und sich seit einem Jahrzehnt gegen externe Finanzierungen gewehrt hat. So hat er den Verein seit jeher geführt. So ist er lange Zeit gut gefahren. Und gerade jetzt, anderthalb Jahre vor seinem Abgang, will der Klub neue Wege gehen. Das widerstrebt ihm.

Finanzchef Hellmann werkelt in Bruchhagens Schatten an der generellen Ausrichtung der Eintracht, er will die Marke stärken, strebt vermehrt ins Ausland, er öffnet den Klub. Hellmann, ein kluger Netzwerker, hat im Hintergrund längst Allianzen geschmiedet, Konzepte entwickelt, wie sich die Eintracht für den immer härter werdenden Wettbewerb mit vielen Werksklubs wappnen will. Er hat den Aufsichtsrat hinter sich gebracht, im Kontrollgremium gibt es ein klares Votum für die Aufnahme von Kapital – zu moderaten Bedingungen. Das könnte ein gangbarer Weg in eine bessere Zukunft sein.
Den eingeschlagenen Kurs wird Bruchhagen nicht wirklich aufhalten wollen, vielleicht hat er nur seine persönlichen Zweifel mal hinterlegen wollen. Doch klar ist auch: Ans Ziel kommt man schneller, wenn alle gemeinsam in eine Richtung rudern.

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