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Engagiert wie immer: Jörg Berger.
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Engagiert wie immer: Jörg Berger.

Trainer Jörg Berger über seine Zeit in Frankfurt

Der Retter

Jörg Berger wird diesen heißen Sommertag, dieses Spiel, diese verrückten 90 Minuten, diesen Krimi niemals vergessen. Natürlich nicht.

Von Dominik Hechler

Jörg Berger wird diesen heißen Sommertag, dieses Spiel, diese verrückten 90 Minuten, diesen Krimi niemals vergessen. Natürlich nicht. Damals, am 29. Mai 1999, ballte er irgendwann gegen 20 nach fünf die Fäuste, riss die Arme nach oben und umarmte jeden, der ihm in die Quere kam. Jörg Berger war voller Glücksgefühle. Losgelöst. Entzückt. Entrückt. Der damalige Trainer der Frankfurter Eintracht hatte mit seiner Mannschaft das fast Unmögliche doch noch möglich gemacht. Durch einen fulminanten 5:1-Erfolg am letzten Spieltag über den 1.FC Kaiserslautern (Stichworte: Übersteiger, Jan-Aage Fjörtoft) sicherten sich die Hessen in allerletzter Sekunde den Klassenerhalt.

Berger, der Retter, hatte seinem Ruf als Feuerwehrmann mal wieder alle Ehre gemacht. "Ich hatte in meiner langen Trainerlaufbahn wirklich viele Höhen und Tiefen, aber das, was damals in Frankfurt passiert ist, werde ich sicherlich nie mehr vergessen", erzählt der mittlerweile 65-Jährige im Rückblick.

Überhaupt hat Berger, der in Deutschland viele Vereine in seiner Karriere angeleitet hat, zu Frankfurt eine ganz besondere Beziehung. "Nach meiner Flucht aus der DDR im Jahr 1979 hatte ich bei der Eintracht meinen ersten Kontakt mit dem Bundesligafußball. Frankfurt war quasi das Sprungbrett für meine spätere Laufbahn", so Berger, der beim damaligen Coach der Hessen, Friedel Rausch, hospitieren durfte und keine zehn Jahre später dann zum ersten Mal selbst Trainer der Eintracht wurde, nachdem er in der Winterpause der Spielzeit 1988/89 vom Zweitligisten SC Freiburg an den Main gewechselt war.

In seiner ersten Saison rettete er die Hessen dann vor dem Abstieg, um sie ein Jahr später auf den dritten Tabellenplatz und somit ins internationale Geschäft zu führen. Ein Erfolg, der, wie er selbst sagt, ihn auch heute noch sehr stolz mache. Dennoch waren seine Amtszeiten bei der Eintracht nie wirklich von langer Dauer. "Ich wäre gerne mal Trainer bei den Frankfurtern gewesen mit einem starken Präsidium im Rücken, wie es zum Beispiel aktuell der Fall ist", sagt Berger, der nachschiebt, dass "man als Coach nur so gut sein kann wie sein Vorstand".

Doch sein Blick geht nicht zurück im Zorn. Der Fußballfachmann hat auch so seinen Weg gemacht. Sein letzter großer sportlicher Erfolg war das Erreichen des DFB-Pokalfinales im Jahr 2004 mit dem Zweitligisten Alemannia Aachen. Doch während seiner Aachener Amtszeit musste Berger auch einen persönlichen Schicksalsschlag verkraften. Bei dem ehemaligen Eintracht-Coach wurde im Jahr 2002 ein Darmtumor festgestellt, weshalb Berger sein Amt als Alemannia-Trainer einige Zeit ruhen lassen musste. Drei Jahre später wurde er erneut gezwungen, sich einer Operation zu unterziehen, da sich Lebermetastasen gebildet hatten. Doch der 65-Jährige ist ein Kämpfertyp, der auch in dieser schweren Zeit nie aufgeben hat. "Aktuell geht es mir gesundheitlich gut, ich stehe voll im Leben", erzählt Berger, der verrät, dass er bis zuletzt Anfragen von Vereinen hatte, die ihn gerne als Coach verpflichten hätten. "Sogar Erstligisten waren dabei", befindet er.

Aber dieser Zug ist abgefahren. Spätestens, nachdem er am Ende der vergangenen Saison nach dem 33. Spieltag (!) für ein Spiel bei Arminia Bielefeld einsprang. Doch den Abstieg konnte auch der Retter Berger nicht verhindern. Heute witzelt er: "Ich kann mir nicht mehr vorstellen, mich zweimal am Tag in den Schnee zu stellen und Training zu machen." Er könne sich allenfalls eine Position als Berater in einem Verein vorstellen. Geleistet hat er in seinem bewegten Leben ohnehin genug.

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