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Morgens ein Rennbahnfoto.

Stillleben

Rennbahn nach Baku

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Ganz offensichtlich besteht eine magische Verbindung zwischen einem Rennbahn-Skyline-Foto am Morgen und dem Spielergebnis am Abend.

Gute Traditionen – so wichtig! Wo wären wir im Leben, und vor allem: Wo wäre die Frankfurter Eintracht, wenn wir nicht unsere guten Traditionen pflegten? Jedenfalls wären wir nicht im Achtelfinale der Europa League, Jeschäftsfreunde, so viel steht ja wohl schon mal fest.

Und deshalb werden gewisse Leute auch am heutigen Donnerstag wieder einen ganz bestimmten Ritus ausführen. Sie werden, weil es auf dem Weg liegt – na ja, nicht wirklich ganz genau auf dem Weg, aber relativ genau, nicht mal eine Dreiviertelstunde Umweg – sie werden also einen klitzekleinen Schlenker machen auf dem Weg zur Arbeit an diesem Donnerstagmorgen. Diese gewissen Leute. Dann werden sie ein Foto von der Frankfurter Rennbahn knipsen, durch den Zaun. Also ein Foto der Matschepampe, die die Bauarbeiter von der ehemaligen Pferderennbahn übriggelassen haben, und von der Skyline, die im Hintergrund immer noch steht. Der traditionellen Frankfurter Skyline.

Es wird kein Kunstfoto sein. Einfach nur mit dem Telefon draufgehalten. Trotzdem kommt meist ein ganz ordentliches Bild dabei raus, das Motiv ist zu gut, die Brache im Vordergrund, die Türme in der Ferne, manchmal scheint die Sonne dazu. Heute dräut vermutlich ein Wolkenhimmel drüber.

Aber auf die Qualität kommt es in diesem Zusammenhang nicht an. Die Magie liegt, wie eingangs erwähnt, in der Tradition. Denn seit dieses Europa begann, diese traumhafte Reise in die große weite Welt des Fußballs, sind gewisse Leute tatsächlich vor jedem abendlichen Heimspiel der Eintracht schon morgens nach Niederrad gepilgert und haben besagtes Foto geschossen.

Am 4. Oktober. Morgens ein Rennbahnfoto – abends ein 4:1 gegen Lazio Rom.

Am 25. Oktober. Morgens ein Rennbahnfoto – abends ein 2:0 gegen Apollon Limassol.

Am 29. November. Morgens ein Rennbahnfoto – abends ein 4:0 gegen Olympique Marseille.

Am 21. Februar. Morgens ein Rennbahnfoto – abends ein 4:1 gegen Schachtjor Donezk.

Noch Fragen? Allesamt Resultate, die für das Rückspiel in einer K.o.-Rundenbegegnung beste Voraussetzungen schaffen würden. Und das 4:1 gegen Lazio war übrigens das Hinspiel, gewissermaßen. Das Quasi-Rückspiel hat die Eintracht dann der Einfachheit halber auch gewonnen. Kann man so machen. Gegen italienische Kontrahenten. Woher kommt noch mal der Achtelfinalgegner? Ach ja, richtig. Italien.

Ganz offensichtlich besteht also eine magische Verbindung zwischen dem Rennbahn-Skyline-Foto am Morgen und dem Spielergebnis am Abend. Zum Ritus gehört, das Foto nach dem Klick sofort im sozialen Internet-Kurznachrichtendingens Twitter zu veröffentlichen, damit die Welt auch rechtzeitig davon erfährt.

Es gibt Leute, die glauben nicht an solcherlei Hokuspokus. Was ein Foto mit einem Fußballergebnis zu tun habe, fragen sie. Wie das denn bitte funktionieren solle, dass jemand die Rennbahn fotografiert, oder seinetwegen die Skyline, und dann gewinne deshalb abends ein Fußballverein.

Aber das sind meist die Leute, die nichts von Europa verstehen, die Europa nicht feiern (und gern auch mal Afrika oder Asien) wie wir weltverliebten Frankfurter. Das sind auch oft Leute, die keine Skyline haben und nie eine Pferderennbahn hatten. Diese Leute, die das alles nicht verstehen, die würden sich wahrscheinlich sogar an einem Europapokal-Spieltag rasieren.

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