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Haben sich als Gruppe nicht auseinander dividieren lassen - trotz einiger Rückschläge: die Frankfurter Fußballer, glücklich und urlaubsreif.
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Haben sich als Gruppe nicht auseinander dividieren lassen - trotz einiger Rückschläge: die Frankfurter Fußballer, glücklich und urlaubsreif.

Aufschwung

Rekordjahr für Eintracht Frankfurt: SGE im Königreich

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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  • Daniel Schmitt
    Daniel Schmitt
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Der erstaunliche Aufschwung hält an: Eintracht Frankfurt überwintert nach dem Sieg gegen Mainz auf einem Europapokalplatz – und freut sich über ein Jahr der Rekorde.

Frankfurt – Corona, das ist nun keine ganz exklusive Botschaft, hat die Welt ja ganz schön ins Wanken gebracht, den Spitzenfußball natürlich ebenfalls. Da gibt es allerlei Irrungen und Wirrungen, Spielabsagen, Partien im Geisterhaus, Interviews am Laptop und dergleichen mehr. Und so wunderte sich zunächst auch niemand wirklich, als am Samstagabend nach dem fälligen Bundesligaspiel zwischen Eintracht Frankfurt und dem FSV Mainz 05 die auswärtigen Rheinhessen in die Rolle der Gastgeber schlüpften, den PK-Raum im Frankfurter Waldstadion für sich alleine in Anspruch nahmen und Trainer Bo Svensson in bester Didi-Hamann-Manier gegen die eigene Mannschaft nageln ließen. Doch weder Delta noch Omikron waren schuld daran, dass die Pressekonferenz nicht wie üblich gemeinsam abgehalten wurde, sondern die Eintracht. „Sie haben noch eine interne Besprechung“, wie die Mainzer Sprecherin Silke Bannick aufklärte.

Kurze Zeit später trat dann der Frankfurter Trainer Oliver Glasner auf, entschuldigte sich artig für die Verspätung. Doch das Meeting mit der Mannschaft habe keinen Aufschub geduldet. „Wir wollten die Spieler nicht länger aufhalten und haben unsere Abschlussbesprechung gleich abgehalten. Ich habe mich bei ihnen bedankt.“ Und dann: Weihnachtsferien. „Sie sollen für zehn Tage den Fußball mal Fußball sein lassen und sich über Dinge freuen, die sonst zu kurz kommen.“

Rekordjahr Eintracht Frankfurt: Sechs der letzten sieben Spiele gewonnen

Ab in den Urlaub – mit einem verdammt guten Gefühl. „Ich gehe“, sagte der Coach, bevor er sich für ein paar Tage ins Warme verabschiedete, „mit großem Stolz in den Weihnachtsurlaub.“ Das kann er auch, der Oliver Glasner, dessen Halbjahreszeugnis laut besagtem TV-Experten Dietmar Hamann nicht besser hätte ausfallen können: „Eins mit Stern.“

Nach dem letzten Spiel in 2021, dem hart umkämpften, aber ebenso verdienten 1:0 (1:0)-Erfolg gegen den Nachbarn Mainz 05, herrscht bei Eintracht Frankfurt im trüben Dezember eitel Sonnenschein. Sechs der letzten sieben Spiele hat die Mannschaft gewonnen, die Maximalausbeute von neun Punkten in der Englischen Woche geholt; sie ist die Elf der Stunde, hat sich von weit unten nach weit oben gearbeitet und überwintert mit 27 Zählern auf einem Europapokalplatz. Das ist beinahe unglaublich, vor einigen Wochen hätte niemand in den kühnsten Träumen mit solch einer Entwicklung gerechnet. So manch Funktionär hatte in seiner persönlichen Hochrechnung gar mit fast zehn Punkten weniger kalkuliert. „18 Punkte in der Vorrunde, 20 in der Rückrunde, Platz zwölf – und dann nächste Saison wieder angreifen.“ Es ist anders gekommen.

Rekordjahr Eintracht Frankfurt: Glasner - „Die Tabelle kann ich gar nicht glauben“

Auch die Sportliche Leitung ist bass erstaunt. „Die Tabelle kann ich gar nicht glauben“, sagt Glasner. Sportvorstand Markus Krösche assistiert: „27 Punkte – das hätte vor der Saison keiner gedacht. Zumal ja auch der Start ruckelig war.“ Kann man wohl sagen. Die Gesamtleistung des Jahres ist noch beeindruckender: 70 Zähler hat die Eintracht in 2021 erspielt, damit liegt sie hinter Bayern (91) und Dortmund (76) auf Rang drei und deutlich vor RB Leipzig (59). Das ist Champions-League-Niveau, die Eintracht im Reich der Könige. Was fast untergeht: Auch auf europäischem Parkett haben die Hessen überzeugt, ihre nicht eben leichte Gruppe gewonnen und sich direkt fürs Achtelfinale qualifiziert. Hut ab.

Wohin geht die Reise also noch? Was ist drin in dieser Spielzeit, in der gleich drei Schwergewichte – Leipzig, Wolfsburg, Gladbach – augenscheinlich schwächeln. Glasner wagt da keine Prognose, aus gutem Grund, damals, Saison 2003/04, als er noch Spieler bei der SV Ried war, habe man im Winter auf Rang vier gelegen und von „Europa geträumt - am Ende sind wir abgestiegen“. Daher sei er, der heutige Trainer, „ein gebranntes Kind, deshalb habe ich aufgehört, so weit nach vorne zu denken.“ Auch in Frankfurt kennt man sich mit diesen Abstürzen (Stichwort „Rückrunde der Schande“) gut aus.

Eintracht-Spieler in der Einzelkritik

Eintracht-Sieg gegen Mainz: Lindström feiert sein Tor, Hasebe die 200

Rekordjahr Eintracht Frankfurt: Kein Zufall

Der aktuelle Aufschwung ist sicher überraschend, aber kein Zufall. Die Mannschaft vereint Willen, Mentalität und Teamspirit mit individueller Klasse und einer gewissen wilden Wucht, vor allem aber hat sie verstanden, was der neue Chef an der Seitenlinie von ihnen verlangt. Viele Tore fallen nach klaren Mustern, die sich wiederholen (siehe weiteren Bericht Seite S2).

Die Mannschaft ist gefestigt und trotzt Widerständen. Die vielen gedrehten Spiele oder die späten Treffer in der Nachspielzeit sind klare Indizien dafür. „Wir haben uns Schritt für Schritt weiterentwickelt und unsere Leistungen auf anschaulichem Niveau stabilisiert“, untertreibt Glasner, der nicht auf Verstärkungen im Winter drängt. „Ich habe Markus keine Wunschliste zukommen lassen.“ Jener Krösche verweist zwar auf einen großen Kader, aber prinzipiell habe man Vertrauen in jeden Spieler. „Ob sich Veränderungen ergeben, wird man sehen.“

Rekordjahr Eintracht Frankfurt: Glasner - „Es gibt nicht den einen Schlüsselmoment“

Glasner ist denn auch gefragt worden, ob er denkt, dass es in dieser Saison eine Art Initialzündung gab, die die Wende zum Guten eingeleitet hat. Vielleicht die Reise nach Athen, auf der sich die Eintracht auf vielen Ebenen sehr viel näher gekommen ist und sich irgendwie verschweißt hat. Oder womöglich der überraschende Erfolg in Freiburg samt ebenso überraschender Bockstark-Leistung.

„Es gibt nicht den einen Schlüsselmoment“, sagt er. Entscheidend sei, dass „wir immer bei uns geblieben sind, immer an uns geglaubt haben und uns als Gruppe nicht haben auseinander dividieren lassen.“ Schließlich habe es auch Härtefälle gegeben, Spieler, die auf der Tribüne saßen, aber dennoch nie aufbegehrt oder in den Stinkstiefel-Modus geschaltet hätten. „Alle waren immer für die Mannschaft da“, urteilt Glasner. „Das ist etwas Außergewöhnliches, das ist für mich der wahre Schlüssel.“

Rekordjahr Eintracht Frankfurt: Würdiger Abschluss

Für Sportchef Krösche gab es sehr wohl einen Moment, als sich das Schlechte ins Gegenteil verkehrte. Es war der glückliche Erfolg beim Schlusslicht Greuther Fürth, als man spürte, wie viel Druck auf den Spielern lastete, sie verkrampften, in der Nachspielzeit den Ausgleich schlucken mussten, aber prompt zurückschlugen und doch noch mit 2:1 gewannen. „Das war ein Schlüsselerlebnis, das hat etwas Gutes ausgelöst.“ Auf jeden Fall schon mal einen würdigen Abschluss des Frankfurter Rekordjahres. (Ingo Durstewitz, Daniel Schmitt)

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