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Haushoch überlegen: Sebastien Haller (links) setzt sich gegen Limassols Verteidiger Georgios Vasiliou durch und köpft zum 2:0 ein.

Eintracht Frankfurt - Apollon Limassol

Die Reise geht weiter

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  • Ingo Durstewitz
    Ingo Durstewitz
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Eintracht Frankfurt siegt bei einem weiteren stimmungsvollen Abend mit 2:0 gegen Limassol und hat das Sechzehntelfinale dicht vor Augen.

Natürlich begann auch die zweite internationale Ballnacht im Frankfurter Tollhaus wie schon die erste gegen Lazio Rom vor wenigen Wochen: mit einer überwältigenden und imposanten Choreographie. Die fleißigen Fans hatten sich wieder nicht lumpen lassen und einen bunten, glamourösen und stimmungsvollen Rahmen geschaffen, quasi den Boden bereitet, auf dem die Eintracht ihre so famosen Darbietungen stilsicher weiterführen sollte. Und die Mannen in den schwarzen Hemden gehorchten aufs Wort. Auch im dritten Gruppenspiel der Europa League hielten sie sich schadlos, dieses Mal war Apollon Limassol der Kontrahent, der den Frankfurtern nicht mal im Ansatz das Wasser reichen konnte. Am Ende hatte die Mannschaft von Trainer Adi Hütter locker und leicht mit 2:0 (2:0) gewonnen, die Tore erzielten Filip Kostic (13.) und Sebastien Haller (32.). Der Sieg hätte noch sehr viel höher ausfallen können, doch dieses Mal wollte nicht jeder Ball ins Tor.

„Wir hätten aber das dritte Tor machen müssen. Wir haben es unnötig ein bisschen spannend gemacht“, krittelte Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic hinterher bei RTL Nitro sanft, war ansonsten aber bester Laune: „Es macht Freude, wenn du ein Spiel nach dem anderen gewinnst, für uns ist das ja keine Normalität. Da sind wir sehr glücklich darüber. Diese Siege sind ja auch verdient.“

Eintracht setzt Siegesserie fort

Die Eintracht hat ihre weiße Weste bewahrt, führt die Tabelle der Gruppe H mit drei Siegen aus drei Partien souverän an. Das ist mehr als die halbe Miete für die Qualifikation fürs Sechzehntelfinale, das am 17. Dezember ausgelost und Mitte Februar ausgespielt wird. Das war das erklärte Ziel der Verantwortlichen, die stets betonten, die Europa League genauso ernst wie die Bundesliga nehmen zu wollen. Sie hielten Wort. Das ist sehr wohltuend. Die Hessen haben damit fünf Pflichtspiele hintereinander gewonnen, bei einer Torausbeute von 19:4. Wann gab es das zuletzt?

Die Eintracht zeigte sogleich, wer Herr im eigenen, vollbesetzten Hause ist, angetrieben von den frenetischen Fans legten sie den Vorwärtsgang ein – das ist man ja gar nicht mehr anders gewohnt, die Vorstellungen im Süden Frankfurts waren zuletzt allesamt fulminante Vollgasveranstaltungen. Und das ohne den neuen Eintracht-Ballermann Luka Jovic, der erst vor wenigen Tagen mit einem Fünferpack gegen Fortuna Düsseldorf (7:1) glänzte, dieses Mal aber zunächst auf der Bank Platz nehmen musste. Coach Adi Hütter kann ja seine ganzen Hochkaräter da vorne nur schwerlich alle zusammen unterbringen. „Wir haben da ein Luxusproblem“, sagte Bobic: „aber das ist schön.“ Für den Serben Jovic stürmte der Kroate Ante Rebic. 

Schon nach vier Minuten hätte der 25-Jährige erstmals treffen können, doch nach einem Zuspiel von Sebastien Haller verzog er knapp. Die Führung für die Platzherren folgte dennoch umgehend, obwohl sich die erfahrenen Zyprioten gerade so ein bisschen ins Spiel hinein gegrooved hatten. Doch da hatten sie die Rechnung ohne ihren Schlussmann gemacht, der sich nach gut 13 Minuten ein wenig, nun ja, tollpatschig anstellte. Einen gänzlich harmlosen Schuss von Filip Kostic ließ Bruno Vale nämlich erst durch die Hände und dann auch noch durch die Beine kullern, und schließlich landeten beide, Ball und Torwart, zusammen im Netz. Dumm gelaufen. Für Limassol, für die Eintracht war das Geschenk der weit gereisten Gäste ganz nett. Und der Türöffner. 

Angriff auf Angriff

Fortan drückten die Frankfurter vehement aufs Tempo, Angriff auf Angriff rollte dem Tor von Apollon entgegen, die Akteure aus Zypern fielen alsbald in einen Zustand der kollektiven Überforderung – das kann man bei der geballten Wucht der Eintracht sogar irgendwie verstehen. Das Team aus Limassol hat es in den gesamten 90 Minuten nur einmal (oder dreimal) geschafft, das von Frederik Rönnow gehütete Tor in Gefahr zu bringen – da aber binnen weniger Sekunden ganz gewaltig, zweimal trafen sie Aluminium, einmal rettete Marco Russ auf der Linie (80.). Der Däne Rönnow hütete das Gehäuse für Stammkeeper Kevin Trapp, der wegen den schon länger anhaltenden Oberschenkelproblemen geschont wurde. Eine Vorsichtsmaßnahme. In zwei Tagen steht ja schon wieder das nächste Spiel an, dann in der Liga in Nürnberg zur ungewohnten Anstoßzeit um 13.30 Uhr. 

Die Partie lief längst in eine klare Einbahnstraße hinein, immer munter in Richtung des Tores von Limassol. Immerhin erwehrten sich die Gäste ihrer Haut noch bis zur 32. Minute, da wurde es dann dem Frankfurter Verteidiger Evan Ndicka zu bunt. Der Franzose schlich sich also nach vorne, halb links vor dem Strafraum, in der Mitte sah er seinen Landsmann Haller starten, der natürlich auch am 1:0 schon wieder beteiligt war, und zirkelte die Flanke sehr gekonnt hinein in die Mitte, wo der Angreifer seine ganze Wucht ausspielte und zum 2:0 einköpfte. Trotz einer phänomenalen Saison Hallers war es sein erstes Tor in diesem Wettbewerb. Chancen, sein Konto aufzustocken, hatte er noch genügend. Die beste wahrscheinlich kurz nach Wiederanpfiff, als er, per Hacke von Rebic freigespielt, den anfangs so unglückseligen Torwart Vale aber anschoss (49.). Da hätte es schon 3:0 stehen müssen, doch kurz vor dem Pausenpfiff schaffte Jonathan de Guzman das Kunststück, einen Ball am Pfosten vorbei zu schießen, der zwingend ins Netz gehört hätte. 

Hallers Chance war der Auftakt zu einer wahren Drangphase der Platzherren, die auch mit dem Vorsprung im Rücken nicht zurückschalteten, sondern ihr Heil weiter in der Offensive suchten. Das mündete in einer ganzen Reihe von Möglichkeiten, die entweder Rebic, Haller, de Guzman, Ndicka, David Abraham oder Mijat Gacinovic vergaben. Gerade Gacinovic tat sich dabei mit so manch unglücklichem Abspiel hervor. Und kurz vor Schluss scheiterte dann sogar der Düsseldorf-Held Luka Jovic an Torwart Vale. Gibt’s doch gar nicht. Die prächtige Stimmung konnte das natürlich nicht trüben. 

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