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Ratlos und ohnmächtig

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Von: Ingo Durstewitz

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Junger Fußballgott: Alex Meier, frustriert.
Junger Fußballgott: Alex Meier, frustriert. © Imago

Nach dem 1:3 gegen den HSV brennt im August 2010 bei der Eintracht der Baum.

Die Frankfurter Eintracht, schrieb die FR im August 2010, sei schon am zweiten Spieltag auf dem Boden der Tatsachen angekommen. 1:3 gegen den HSV nach 1:0-Führung. Dazu einen Spielmacher Alexander Meier, der einen rabenschwarzen Tag erwischt hatte, riesige Torchancen vergab und bei zwei Gegentoren geschlafen hatte. „Ich penne bei zwei Standardsituationen. Da stehe ich falsch“, räumte der Lange angenehm selbstkritisch ein. 

In der 61. und 81. Minute nutzten erst Joris Mathijsen, dann Ruud van Nistelrooy diese Unachtsamkeiten jeweils nach Ecken von Zé Roberto. Paolo Guerrero machte schließlich den Deckel drauf (89.), dabei hatte die Eintracht 1:0 in Front gelegen und einige Chancen gehabt (natürlich durch Alex Meier), diese Führung auszubauen. Doch es sollte nicht sein, und hinterher gab es lange Gesichter im Stadtwald. Und eine ganze Menge Frust. 

Die Welle der Begeisterung nach der fast schon perfekten Vorbereitung war damals nach genau 180 Spielminuten und den Niederlagen zum Auftakt in Hannover (1:2) und eben gegen den HSV zu Hause abgeebbt, die schöne Aufbruchstimmung war perdu. Ein klassischer Fehlstart? „Kann man so sagen“, bekannte Klubchef Heribert Bruchhagen. 

Eine gewisse Ohnmacht hatte die Eintracht erfasst, diesen miesen Start hätte kaum einer für möglich gehalten. In Frankfurt herrschte erhöhte Wachsamkeit. „Wir sind absolut in die falsche Richtung gestartet“, sagte Trainer Michael Skibbe. „Wir müssen von unten nach oben gucken, das ist unangenehm.“ Meier, der Pechvogel, sagte: „Wir sind jetzt wieder in der Realität angekommen.“ Die Träumer sind aufgewacht. 

Am Saisonziel von 50 Punkten wollte Skibbe festhalten. Er ahnte aber: Es wird verdammt schwer. Binnen acht Tagen war das ganze schöne Selbstvertrauen weg, war die einst so breite Brust eingefallen. Ernüchterung war eingekehrt. Skibbe sagte nur eine gute Woche nach dem Saisonstart allen Ernstes: „Die Länderspielpause wird uns ganz gut tun. Wir können durchschnaufen und abschalten.“ Er wusste aber auch: „Natürlich stehen wir jetzt mehr unter Druck, weil wir bald punkten müssen.“ 

Die Verantwortlichen von Eintracht Frankfurt standen diesem Fehlstart einigermaßen ratlos gegenüber. Gerade weil die Eintracht gegen den HSV „ganz gut Fußball gespielt hat“ (Pirmin Schwegler), doch am Ende mit leeren Händen dastand. „Ich bin mit der Leistung nicht ganz unzufrieden“, sagte Skibbe. 

Und Vorstandschef Bruchhagen flankierte: „Es ist nicht schön, wenn man zwei Spiele zu Beginn verliert, aber das Vertrauen in die Mannschaft ist nach wie vor vorhanden.“ Nun ja. Am Ende war der Aufprall doch noch härter als gedacht, nach einem Zwischenspurt bis auf Platz sieben legte die Eintracht – mal wieder – eine desaströse zweite Saisonhälfte hin, eine Serie, die als „Rückrunde der Schande“ in die Geschichte eingehen sollte – und stieg zum schlechten Schluss sang- und klanglos ab. 

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