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Eintracht Frankfurt: Quartett im Vorstand komplett

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Von: Thomas Kilchenstein

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Sorgt für Kontinuität: Finanzchef Oliver Frankenbach (li.), neben Markus Krösche. Foto: AFP
Sorgt für Kontinuität: Finanzchef Oliver Frankenbach (li.), neben Markus Krösche. © AFP

Eintracht Frankfurt stellt in der Führungsetage Weichen, baut den Vorstand aus, Finanzchef Oliver Frankenbach verlängert.

Frankfurt am Main - Mit einem Schmunzeln könnte man die vorzeitige Vertragsverlängerung bis 2026 von Oliver Frankenbach, dem Finanzchef von Eintracht Frankfurt, damit begründen, dass der Mann in absehbarer Zeit ja eine Menge zu tun bekommt, und zwar das, was ein Kassenwart am liebsten tut: nämlich Geld zählen. In den nächsten Wochen und Monaten strömen die Euros nur so in die Kassen des hessischen Europapokal-Siegers, allein 15,4 Millionen Euro, weil der Klub am 6. oder 7. September sein Debüt in der Champions League geben darf. Dazu hat die vergangene, so erfolgreiche Europa League-Runde eine Menge Geld in die Kassen gespült. Mit dem Finalsieg von Sevilla nahmen die Hessen an Startgeldern und Prämien die garantierte Summe von 22,15 Millionen Euro ein. Hinzu kommen zwei Beträge, die sich nach dem Uefa-Klub-Koeffizienten (ca. 3,5) und dem Anteil am sogenannten Marktpool der Bundesliga (ca. sechs Millionen) richten. Weiterhin dürften die Heimspiele etwa zehn Millionen Euro gebracht haben, 3,5 Millionen Euro obendrauf werden für die Teilnahme am Supercup am 10. August in Helsinki gegen den Champions League-Sieger Real Madrid oder FC Liverpool fließen. Und noch eine Million, sollte die Eintracht diese Partie sogar gewinnen.

Eintracht Frankfurt: 23 Millionen Euro Miese in der Saison 2021/22

Oliver Frankenbach hat also allerhand zu tun, selbst wenn diese imposanten Zahlen als brutto zu verstehen und Prämien, Verluste der Vergangenheit und andere Ausgaben nicht berücksichtigt sind. Allein diese Saison 2021/22 werde die Eintracht „mit einem knackigen Verlust“ abschließen, konkret mit etwa 23 Millionen Euro, sagte Frankenbach. Trotz des warmen finanziellen Regens „müssen wir uns mit Kapitalmaßnahmen beschäftigen“, erläuterte der Finanzvorstand, Geld in Hülle und Fülle sei nicht vorhanden.

Aufsichtsratschef Philip Holzer betonte nach der entsprechenden Sitzung des Gremiums, man habe in der Führungsspitze „für klare Strukturen“ sorgen wollen. Mit Frankenbach arbeite er seit vielen Jahren „sehr vertrauensvoll zusammen“, er könne alle Höhen und Tiefen des Fußballs vernünftig einordnen. Und: Die Zahlen mögen zwar nicht „immer gut sein, sie sind aber immer richtig.“

Natürlich zeigt diese Vertragsverlängerung die Wertschätzung, die der 54-Jährige - Spitzname ZDF („Zahlen, Daten, Fakten“) - im Klub genießt, zumal sein alter Kontrakt noch eine Laufzeit bis 2024 hatte. Aber diesen Fachmann, seit 1998 bei der Eintracht, seit 2001 Prokurist und seit 2015 Finanzvorstand, will man binden. Er stehe „für Kontinuität und Stabilität“, sagte Holzer. Einer wie Frankenbach, der Solidität und Seriosität mit Weitblick und Unaufgeregtheit verbindet, ist unverzichtbar in einem Unternehmen wie Eintracht Frankfurt, das nach den ökonomischen Einbrüchen durch die zweijährige Pandemie - Frankenbach sprach von einem „Kahlschlag“ - mit einem Minus von 70 Millionen Euro endlich wieder durchstarten will. In der gerade abgelaufenen Saison belaufe sich der Umsatz auf 235 Millionen Euro.

Ähnliche Kompetenz ist auch bei Philipp Reschke verortet, einer der klügsten Köpfe bei der Eintracht und von enormer „emotionalen Intelligenz“ (Holzer). Der Justiziar wird ab dem, 1. Juli für drei Jahre in den Vorstand des Klubs aufrücken, er ist dann viertes Mitglied im Vorstand, neben Frankenbach (bis 2026), dem für den Sport zuständigen Markus Krösche (bis 2025)und Sprecher Axel Hellmann (bis 2027). Reschke, 50, verheiratet und Vater zweier Kinder, soll Hellmann entlasten, der aktuell das Marketing verantwortet und sich künftig vornehmlich um die Bereiche Digitalisierung, Internationalisierung und den weiteren Ausbau der Kommunikationsfähigkeit kümmern soll. Im Falle von Stimmengleichheit im Vorstand dürfte vermutlich Hellmanns Stimme die entscheidende sein.

Eintracht Frankfurt „Haben viel vor der Brust“

Reschke soll künftig die Ressorts Recht, Fanangelegenheiten, Merchandising, Zuschauerservice und Personal verantworten. In der Marketing-Abteilung hatte der gebürtige Bremer vor mehr als 20 Jahren im Klub auch angefangen, bald wurden dem Volljuristen, der aus einer angesehenen Frankfurter Bankiersfamilie stammt, Themen auf juristischem Gebiet übertragen.

Auch seine Beförderung ins Vorstands-Quartett ist eine Reaktion auf die größer und umfangreicher gewordenen Aufgaben künftig in der Champions League. Der Klub ist im Aufbruch, auch hinter den Kulissen, die Chance, die die erstmalige Teilnahme in der Königsklasse bietet, will man nicht verstreichen lassen. „Wir haben viel vor der Brust“, betonte Philip Holzer, der beide einstimmig getroffenen Personalentscheidungen als „wegweisend“ verortete. (Thomas Kilchenstein)

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