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Die Partie zwischen Frankfurt und Leipzig im Frankfurter Stadtwald war von Beginn an von Protesten gegen die Ansetzung am Montagabend bestimmt.

Frankfurt - Leipzig

Aus Protest gesiegt

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  • Ingo Durstewitz
    Ingo Durstewitz
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Eintracht Frankfurt setzt sich gegen RB Leipzig durch und erobert Tabellenplatz drei. Gegen die Spielansetzung am Montagabend gibt es Proteste der Fanszene.

Als Torwart Lukas Hradecky dann den letzten Ball abgefangen und Schiedsrichter Felix Zwayer eine spektakuläre Partie abgepfiffen hatte, war Eintracht Frankfurt tatsächlich auf Champions-League-Kurs. Mit 2:1 (2:1) bezwangen die Hessen RB Leipzig und springen damit auf Platz drei, hinter Borussia Dortmund und den FC Bayern München. Es war ein immens intensives Spiel, hochemotional und mit allerlei Galligkeit geführt. Die Eintracht war in der Tat auf Augenhöhe mit RB Leipzig. Timothy Chandler und Kevin-Prince Boateng, der seine fünfte Gelbe Karte sah und nächsten Samstag in Stuttgart fehlen wird, hatten die Frankfurter Tore erzielt. Die Frankfurter Leistung war aller Ehren Wert, der spielerischen Klasse der Sachsen setzten die Hessen nimmermüden Kampfeswillen und Einsatz entgegen. Und dieser Erfolg war nicht einmal unverdient. Die Gastgeber hatten insgesamt mehr Torchancen. Der Jubel darüber fiel allerdings gedämmter aus, weil ein Fan einen Herzinfarkt erlitten hatte. Er verstarb wenig später.

Das Spiel begann erwartungsgemäß mit minutenlanger Verzögerung. Die Fans hatten im Vorfeld Aktionen angekündigt, mit denen gegen die ungeliebten Montagsspiele demonstriert werden sollte. Kaum waren die beiden Mannschaften um kurz vor 20.30 Uhr auf den Rasen gelaufen, da strömten Hunderte von Fans, nicht aufgehalten von den Ordnungskräften, in den Innenraum und hielten im Stadion, entlang der Gegengerade und vor der eigenen Kurve, Plakate hoch. „Die Straße holt sich den Fußball zurück - Eintracht-Fans gegen Montagsspiele“, stand auf einem. Vor der Nordwestkurve, dort, wo die beinharten Anhänger der Eintracht stehen, stand der Slogan, der das Motto des ganzen Abends überschreiben sollte: „Wir pfeifen auf das Montagsspiel - wir geben den Ton an.“ Schiedsrichter Felix Zwayer pfiff die Partie mit gut sieben Minuten Verspätung an, er ließ die Demonstration zu. Offensichtlich war das abgesprochen. Schon zuvor war auch das Rahmenprogramm anders als bei „normalen“ Bundesligaspielen deutlich gedimmter ausgefallen.

Stattdessen spielte die Stadionregie den Hit von den Boomtown Rats „I don’t like mondays.“ Dazu intonierten die Fans immer wieder den Stadiongassenhauer „Fußballmafia DFB.“ Obwohl sich die Fans weiterhin im Innenraum aufhielten, pfiff Zwayer das Spiel an. Erst danach marschierten sie unter dem Beifall der Zuschauer in die Kurve zurück. Anschließend gingen die Proteste weiter: Wann immer die Leipziger in Ballbesitz waren ertönten laute Pfiffe, bei Ballbesitz der Eintracht herrschte Ruhe.

Feurige Partie

Auch der Beginn der zweiten Halbzeit verzögerte sich um einige Minuten, weil immer wieder aus der Nordwestkurve und der Gegengeraden Tennisbälle in rauen Mengen auf das Spielfeld geworfen wurden.

Natürlich litt die Partie unter diesen Voraussetzungen, es war wahrlich kein kreuznormales Spiel. Das war eigentlich schade, denn sofort entwickelt sich eine prima Partie mit rassigen, zuweilen verbissenen Zweikämpfen, nicklig, gallig und hochemotional. Gerade in den ersten 45 Minuten war jede Menge Feuer drin, so viel Feuer, wie oft in 90 Minuten nicht.

Die Leipziger verzichteten auf einige Stammspieler, etwa Timo Werner, auch Emil Forsberg saß zunächst auf der Ersatzbank. Und doch fanden die Gäste besser und schneller ins Spiel. RB Leipzig agierte zunächst unglaublich schnell, der Ball lief wie auf Schienen, teilweise kombinierten sie nach Belieben.

Die Eintracht, die doch auf den am Spann angeschlagenen Omar Mascarell verzichten mussten, aber wieder auf David Abraham zurückgreifen konnten, wusste oft gar nicht wie ihr geschah. So auch beim 0:1, als sich die Leipziger die Kugel fast im Direktspiel solange zupassten, bis Jean-Kevin Augustin zum 0:1 (13.) einschieben konnte.

Doch die Hessen bissen sich ins Spiel zurück. Timothy Chandler gab einen ersten Warnschuss ab (14.), acht Minuten später war es der Linksverteidiger, der nach einer Ecke und zwei Kopfballverlängerungen von Ante Rebic und Abraham zum 1:1 eindrückte. Die Eintracht war wieder im Spiel. Und sie ging sogar in Führung: Rebic war steil geschickt worden, seinen Rückpass drosch Kevin-Prince Boateng, technisch sehr anspruchsvoll, mit links in Tor.

Glück hatte die Eintracht nach einer guten halben Stunde, als Schiedsrichter Zwayer nach einem Missverständnis zwischen Makoto Hasebe und Ante Rebic auf Elfmeter entschied, der Kroate hatte in der Tat den starken Marcel Sabitzer im Strafraum gefoult. Doch nach Intervention des Video-Assistenten aus Köln nahm der Unparteiische diese Entscheidung zurück, Köln hatte zuvor ein Abseits von Sabitzer entdeckt. Da waren die Hessen mit Fortuna im Bunde, während RB-Trainer Ralph Hasenhüttl die Welt nicht mehr verstehen wollte.

Kurz vor der Pause dieses furiosen Spiels hätte Rebic sogar noch das 3:1 erzielen können, doch aus spitzem Winkel scheiterte er an Torwart Peter Gulacsi (44.). Wie emotional, wie aufgeladen diese Begegnung war,verdeutlichte auch die Szene unmittelbar nach dem Halbzeitpfiff, als Naby Keita, zuvor schon unangenehm aufgefallen, Makoto Hasebe von hinten mit dem Knie einen Schubs mitgab. Eine Rudelbildung war die Folge. Ohnehin waren die Leipziger durch allerlei Mätzchen negativ in Erscheinung getreten.

Das Spiel wogte auch im zweiten Abschnitt hin und her. Beide schenkten sich nichts, es blieb nicklig, war immer wieder unterbrochen. Die Torraumszenen wurden weniger, spannend blieb die Partie aber weiterhin. Die Eintracht kämpfte um jeden Zentimeter Boden, stemmte sich mit Mann und Maus gegen die Leipziger, die mittlerweile ihre Asse Forsberg und Werner ins Spiel gebracht hatten. Und doch schafften es die Frankfurter, die Partie mit viel Geschick und ein wenig Glück über die Zeit zu schaukeln.

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