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Rückt womöglich wieder in den Blickpunkt: Stefan Reinartz (links).

Eintracht Frankfurt

Prickelnde Aufgaben

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Eintracht Frankfurt ist infolge des Saisonverlaufs fast schon gezwungen, das Hessenderby gegen Darmstadt 98 zu gewinnen.

Beim letzten Aufeinandertreffen der beiden hessischen Klubs in der Bundesliga, am 28. April 1982, pilgerten ganze 10 000 zahlende Zuschauer ins Frankfurter Waldstadion. Sie sahen einen müden 2:1-Erfolg der gastgebenden Eintracht gegen den SV Darmstadt 98, viel ist nicht hängen geblieben von diesem Spiel, außer vielleicht, dass auf Frankfurter Seite noch Stars wie Nachtweih, Nickel, Bum-kun Cha, Körbel oder Pezzey kickten, und dass die „Lilien“ am Ende der Runde die Liga wieder verlassen und schlappe 33 Jahre auf ihre Rückkehr warten mussten.
Wenn am kommenden Sonntag (17.30 Uhr) die beiden hessischen Klubs aufeinandertreffen, dann ist mächtig Feuer unterm Kessel. Es ist kein Spiel wie jedes andere auch, es ist natürlich ein Derby, ein aufgeladenes Prestigeduell vor mit 51 500 Zuschauern ausverkauftem Hause, es ist „ein Hammerspiel“, wie Eintracht-Trainer Armin Veh jüngst in aller Bescheidenheit sagte. Und es ist vor allem – mal wieder – ein richtungsweisendes Spiel.

Aber nur für Eintracht Frankfurt.

Eigentlich, und wenn man den Fachleuten Glauben schenkte, wäre es ein Spiel mit völlig anderen Vorzeichen gewesen. Die Eintracht mindestens im gesicherten, wenn nicht gehobenen Mittelfeld, die Darmstädter heillos unten rumkrebsend, chancenlos in der Erstklassigkeit. Bekanntlich ist es anders gekommen, ganz anders. Und es sind nicht die Frankfurter, die dieses Derby freudig erwarten und genießen können. Ganz im Gegenteil: Den Frankfurtern schlottern schon jetzt die Knie – wehe, wenn sie auch diese Partie verlieren sollten. Dann, und dazu gehört nicht viel Phantasie, dürfte die Arena im Stadtwald erzittern. Und der ganze Klub zudem. Dann stünde Eintracht Frankfurt das Wasser bis zum Hals, der Abstiegskampf hätte endgültig Einzug gehalten.

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Tatsächlich ist es so, dass der Frankfurter Abwärtstrend mehr als besorgniserregend ist. Die Eintracht hat – nach Werder Bremen (sechs Punkte) – aus den letzten zehn Spielen die wenigstens Zähler aller Klubs gesammelt, nämlich sieben, bei einem Sieg und vier Remis. Selbst Darmstadt 98 und FC Augsburg haben mehr Punkte geholt. Dazu kommt, dass die Eintracht in diesem Zeitraum nur ganze sechs Tore erzielt hat und ihr in dieser Hinrunde lediglich ein Heimsieg (6:2 gegen Köln) gelungen ist. Und es ist im Moment nicht zu erkennen, wie die Mannschaft dieser „Spirale des Misserfolgs“ (Klubchef Heribert Bruchhagen) entkommen könnte.

Auch mental ist Eintracht Frankfurt in einer äußerst prekären Lage. Die 98er, ohnehin in jedem Spiel krasser Außenseiter, können locker-flockig aufspielen, sie haben absolut nichts zu verlieren. Der Druck des Gewinnen-müssens liegt klar aufseiten der Gastgeber. Und urplötzlich hat diese Partie – wegen der Fanproblematik beider Lage ohnehin als Hochsicherheitsspiel eingestuft – noch einmal an Brisanz zugelegt: Sie ist zum wichtigsten Spiel der Hinrunde avanciert.

Denn für die Eintracht geht es zunächst einmal um Schadensbegrenzung. „Wir müssen mal anfangen zu punkten“, hat Trainer Veh die Losung ausgegeben. Er war es auch, der vor mehr als vier Wochen als Erster den Abstiegskampf ausrief, als er sagte, es ginge für die Eintracht nur darum, drei Mannschaften hinter sich zu lassen. Damals hat das kaum einer verstanden. Doch Veh hielt es für erforderlich, auf die damals keineswegs deutlich aufscheinende Gefahr hinzuweisen. Man könne von der Mannschaft nicht Dinge verlangen, die sie nicht erfüllen könne, sagte er noch. Seit damals kamen ganze zwei Punkte hinzu.

Der Druck auf die Frankfurter Eintracht, die sich anfangs der Saison gänzlich andere Ziele gesetzt hat, ist zwar erkenn- und fühlbar größer geworden. Aber sie hat noch immer zwei Heimspiele vor der Brust. Neben Darmstadt kommt am letzten Hinrundenspieltag Werder Bremen in die Arena. Da kann die Eintracht – zwei Siege vorausgesetzt – diese bislang verkorkste Hinrunde noch halbwegs retten. Und: Sie hat es in der eigenen Hand. Mit möglicherweise dann 20 Punkten wäre man einigermaßen im Soll.

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Und schließlich: Gegen wen will Eintracht Frankfurt überhaupt noch gewinnen, wenn nicht vor heimischer Kulisse gegen einen Aufsteiger? Und dann zwei Wochen später gegen den Mitabstiegskonkurrenten Werder Bremen? Bei allem Respekt: Niemand verlangt in dieser Phase von der Eintracht, dass sie bei Borussia Dortmund gewinnt. Es sind faire Aufgaben gegen Teams auf Augenhöhe, lösbare Aufgaben. Sollten sie dennoch zu schwer sein, wäre Eintracht Frankfurt eben nicht gut genug. Auch nicht für diese Liga?

Was also macht Hoffnung? Womöglich kann Veh am Sonntag wieder auf die Dienste von Stefan Reinartz und Marc Stendera zählen, denen es besser gehen soll. Gerade Stendera hat dem Team gefehlt, er gibt der Mannschaft eine gewisse Struktur. Dazu hat es Stopper Carlos Zambrano vermieden, sich in Mainz seine fünfte Gelbe Karten einzuhandeln. Und der Auftritt des jungen Mijat Gacinovic war vielversprechend – zumindest hat Veh personell ein paar Optionen mehr.

Denn er muss ja Alexander Meier ersetzen, den gesperrten Kapitän. Nach seinem Ausscheiden riss sich die Mannschaft in Unterzahl zu einer deutlich engagierteren Vorstellung zusammen. Ob das jetzt in direktem Zusammenhang mit Meier steht, mit fünf Treffern weiterhin bester Eintracht-Schütze, sei einmal dahingestellt. Aber sonderlich viele treffsichere, torgefährliche Spieler hat die Eintracht ja nicht in ihren Reihen.

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