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Vorsicht, Torgefahr! Die magischen Drei: Sebastien Haller, Ante Rebic, Luka Jovic. (v.L.).

Eintracht - Stuttgart

Prellbock, Abrissbirne und das Versprechen auf die Zukunft

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Wildgewordene Spieler der Frankfurter Eintracht überrennen die Stuttgarter Mannschaft: Das Angriffstrio Haller, Rebic und Jovic ergänzt sich nahezu optimal.

Zugegeben, besonders schön ist diese Filmszene nicht. Ganz im Gegenteil, sie ist sogar ziemlich traurig. Da will ein kleiner Löwenjunge einfach nicht auf seine Eltern hören, marschiert ziellos durch die schier endlosen Weiten der Savanne und gerät so unfreiwillig in eine gefährliche Lage. Allein gegen alle. Gegen wildgewordene behornte Rinder, die dem kleinen Löwenjungen Angst und Panik ins Gesicht treiben, ihn zur verzweifelten Flucht zwingen, die zwar gelingt, aber für seinen Papa, den König der Löwen, fürchterlich endet.

Nun hat ein Fußballspiel wenig, um ehrlich zu sein eigentlich gar nichts, mit der Geschichte von Simba, dem kleinen Löwenjungen von Walt Disney, zu tun. Auch hält der weltberühmte Zeichentrickfilm „König der Löwen“ sicher nur bedingt dafür her, das Bundesligaduell zwischen dem VfB Stuttgart und Eintracht Frankfurt (0:3) zu analysieren, schließlich gibt es im Schwabenland weder eine Savanne, noch ist am Freitagabend ein Löwenkönig gestorben. Eines aber hat Kevin Trapp entdeckt, was dann doch irgendwie ein bisschen in diese Geschichte passt.

Wildgewordene Spieler, die eine Stuttgarter Mannschaft überrennen. „Das war wie eine Büffelherde“, sagte der Torhüter der Eintracht, „wenn die da vorne loslegen, brennt’s immer.“

Die da vorne, das waren mal wieder die drei angreifenden Kollegen von Trapp – Ante Rebic, Sebastien Haller und Luka Jovic. Erstmals in dieser Saison wurden sie von Trainer Adi Hütter gemeinsam in der Startformation aufgeboten und sie entfachten in Stuttgart zwar nicht in Wirklichkeit ein Feuer, zumindest mit ein bisschen Fantasie war der Flächenbrand in der Stuttgarter Hintermannschaft aber doch zu erkennen. In hohem Tempo, mit kantigem Körpereinsatz, auch mit spielerischer Finesse attackierten die Frankfurter Büffel das Tabellenschlusslicht. Sie liefen die VfB-Abwehr weit in der gegnerischen Hälfte an, waren die ersten Verteidiger ihrer Mannschaft, und darüber hinaus natürlich die Torschützen. Das 1:0 machte Haller per Abstauber, nachdem zuvor Rebic gepasst und Jovic geschossen hatte. Das 2:0 köpfte Rebic, nachdem zuvor Haller eine Großchancen versiebt und Jovic geflankt hatte. „Unsere drei Stürmer sind der Wahnsinn. Sie kann momentan keiner aufhalten“, sagte Marc Stendera. 

18 von 23 Toren erzielt

Wer die Zahlen betrachtet, der kann der Einschätzung des Frankfurter Mittelfeldspielers kaum widersprechen. 18 von 23 Eintracht-Toren in dieser Bundesligasaison erzielte das Trio, in Stuttgart setzten Haller, Rebic und Jovic 14 der 17 Frankfurter Torschüsse ab, bereiteten sich die meisten davon auch noch gegenseitig vor. Und das obwohl die Aufstellung vor der Begegnung durchaus als Wagnis bezeichnet werden durfte. Schließlich hatten der Franzose, der Kroate und der Serbe in dieser Spielzeit noch nie von Beginn an gemeinsam auf dem Rasen gestanden. Eingespielt konnten sie in dieser taktischen Formation also gar nicht richtig sein.

Vor allem hätte sich wohl nicht jeder Trainer getraut, in einem Auswärtsspiel drei Stürmer und dazu noch zwei offensive Außenbahnflitzern – auch Danny da Costa und Filip Kostic marschierten ständig nach vorne – aufzubieten. Adi Hütter bewies Mumm und wurde dafür belohnt. Auch Bruno Hübner hielt den taktischen Kniff seines Trainers für gelungen: „Adi hatte ja schon mal signalisiert, dass er alle drei Stürmer zusammen von der Leine lässt. Jetzt war es halt so weit“, sagte der Eintracht-Sportdirektor.

Hütter gewährten den Büffeln also ihren Auslauf und stattete sie mit vielen Freiheiten aus. Klar, Haller und Jovic hieß die nominelle Doppelspitze, Rebic sollte ein bisschen dahinter agieren – in der Theorie jedenfalls. In der Praxis spielten alle überall. Mal ließ sich Haller tief fallen, um Bälle zu verlängern, dann tauchte Jovic auf der rechten Seite auf, dann Rebic ganz vorne in der Spitze. Mit dieser Variabilität waren die Frankfurter nicht zu stoppen. 

Zumal jeden Einzelnen des Trios andere Qualitäten auszeichnen. Da ist Sebastien Haller, der Prellbock, der Kopfballstürmer, der Zuarbeiter, der Torjäger. In Stuttgart erzielte der 24-Jährige nicht nur seinen siebten Saisontreffer in der Liga, er spulte auch die zweitmeisten Kilometer seiner Mannschaft ab (11,09). Da ist Luka Jovic, das Versprechen für die Zuknuft, der Abschlussspieler, der diesmal trotz sieben Schüssen nicht traf und dennoch ein Sonderlob von seinem Trainer erhielt. „Er hat ständig gerackert, so stelle ich mir da vor“, sagte Hütter. 

Und da ist natürlich Ante Rebic, das Powerpaket, der Kopf-durch-die-Wand-Spieler, der vor 25 Jahren irgendwann nach einer wunderbaren Liebschaft einer Abrissbirne und einer fußballerisch begabten Betonwalze das Licht der Welt erblickt haben muss, so schonungslos geht er mit seinen Gegnern und sich selbst in den Zweikämpfen ins Gericht. Kurzum: Ein Frankfurter Angriffstrio mit sich derzeit nahezu perfekt ergänzenden Qualitäten. Trainer Adi Hütter analysiert das vergleichsweise nüchtern: „Ich hatte unter der Woche die Idee, dass das gegen Stuttgart mit allen dreien zusammen ganz gut passen könnte. Und es war eine richtige Entscheidung.“ Kann man so sagen.

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