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Yilmaz als möglicher Neuzugang bei Eintracht Frankfurt: Nicht Teil des Soforthilfeprogramms

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Von: Ingo Durstewitz

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Ridvan Yilmaz
Sechsfacher Nationalspieler der Türkei: Ridvan Yilmaz, wohl bald für die Eintracht am Ball. © Seskimphoto / Imago Images

Der potenzielle Eintracht-Zugang Ridvan Yilmaz wird Zeit brauchen. Derweil wird Ajdin Hrustic zum Elferheld und Ragnar Ache zum Abgänger.

Frankfurt – Elfer schießen kann er, der Ajdin Hrustic. Eiskalt ist er vom Punkt, hat Nerven wie Drahtseile. Im dramatischen Europa-League-Finale gegen die Rangers netzte der Eintracht-Spieler, gerade eingewechselt, im Thriller von Sevilla im Shootout ein, ganz abgezockt verlud er Torwart-Methusalem Allan McGregor, mit links flach unten links rein ins Netz. Und jetzt hat er es wieder getan. Im entscheidenden Playoffspiel um den vorletzten Platz bei der WM in Katar zwischen Australien und Peru schickte er den südamerikanischen Schlussmann Pedro Gallese ins falsche Eck, 3:2, ein paar Minuten später ging er in der ausflippenden Traube der Spieler aus Down Under unter. Australien fährt zur WM, 5:4-Sieg nach Elfmeterschießen. Ekstase in Katar.

Natürlich kaprizierte sich danach alles auf den eigenes für das Spektakel vom Punkt eingewechselten Torwart der Socceroos, den Hampelmann Andrew Redmayne, der Alex Valera, den letzten Schützen der Peruaner, mit seinen Mätzchen völlig aus dem Tritt brachte und den Schuss parierte. „Es bringt den Spieler aus dem Konzept“, sagt Kollege Hrustic über den Goalie. „Du verlierst die Konzentration.“

Eintracht Frankfurt: „Wovon ich als Kind geträumt habe, das habe ich nun erreicht“

Für Peru mit dem Ex-Eintracht-Raubein Carlos Zambrano in der Abwehr ein Drama. Für Australien mit Regisseur Hrustic ein Monumental-Triumph. Für den Spieler geht ein märchenhafter Saisonendspurt zu Ende. Nur 26 Tage nach dem historischen Erfolg mit der Eintracht erlebte er die nächste Gefühlseruption. „Wovon ich als Kind geträumt habe, das habe ich nun erreicht“, sagte der fast 26-Jährige mit bosnischen Wurzeln, der seinen Stolz nur schwer bändigen konnte. „Nicht viele haben an uns geglaubt. Aber Underdogs kämpfen, die kämpfen, die kämpfen. Bis zur letzten Sekunde.“

Der Techniker wird sich nun erst einmal in die wohlverdienten Sommerferien begeben, eine Woche bekommt er Extraurlaub, muss sich erst Anfang Juli und nicht wie viele seiner Kollegen am 27. Juni in Frankfurt einfinden. Da startet der Europa-League-Sieger die Vorbereitung.

Hrustic von Eintracht Frankfurt – Glücklich, aber unzufrieden

Es kann aber auch sein, dass Hrustic seine Zelte in Frankfurt abbricht. Er ist mit seinem Status nicht zufrieden, drängt auf mehr Einsätze – auch im Hinblick auf die WM. Seinen Stammplatz im Nationalteam will er auf den letzten Metern keinesfalls verlieren, dazu muss er aber häufiger spielen. Hrustic hat zwar schon spektakuläre und wichtige Tore für die Eintracht geschossen, aber sitzt meistens nur auf der Bank. Das hat Gründe.

Wenn er spielt, schafft er es zu selten, wirklich zu überzeugen. Er läuft zu oft nebenher, spielt zu viele Sicherheitsbälle. Dabei sind ja gerade das Passspiel und seine Schussgewalt seine größten Trümpfe, das mangelhafte Zweikampfverhalten und das fehlende Tempo macht er aber so nicht wett. Hrustic hat noch einen Vertrag bis 2023, die Eintracht würde dem Mittelfeldmann keine Steine in den Weg legen, wenn er einen Wechselwunsch an sie herantragen würde. Andererseits ist er kein Großverdiener und in manchen Situationen sehr wohl von Wert. Wie es weitergeht, ist offen.

Eintracht Frankfurt: SGE vor Verpflichtung von Linksverteidiger

Da sieht es bei Ridvan Yilmaz schon klarer aus. Es wird damit gerechnet, dass die Eintracht den Linksverteidiger dieser Tage unter Vertrag nimmt. Der 21-Jährige kommt von Besiktas Istanbul und war in dieser enttäuschenden Saison (Platz sechs) einer der wenigen Lichtblicke. Das Besiktas-Eigengewächs, das mit 17 schon bei den Profis debütierte, kam auf 26 Spiele, drei Tore und vier Vorlagen.

Das ist nun weit weg von dem, was ein Filip Kostic leistet, aber er soll ja behutsam herangeführt werden. Wunderdinge sollte niemand erwarten. „Junge Spieler brauchen ihre Zeit. Da geht es um Akklimatisierung, gerade wenn sie aus dem Ausland kommen“, sagt Sportvorstand Markus Krösche. „Sie sollen in ihrer ersten Saison alles kennenlernen und reinschnuppern, dann können sie mit der Mannschaft wachsen.“ Der Nationalspieler, der schnell ist und Offensivdrang hat, muss an seinen taktischen Defiziten arbeiten und an körperlicher Robustheit zulegen. Eine Soforthilfe ist er nicht.

Das war auch Ragnar Ache nicht. Der Angreifer wird in der neuen Saison auf Leihbasis für Bundesligaabsteiger Greuther Fürth stürmen. „Wir glauben unverändert an die Entwicklungsfähigkeit von Ragnar. Leider hatte er in der Vergangenheit immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen“, sagt Krösche: „Der befristete Wechsel zu einem ambitionierten Zweitligisten kann hilfreich sein, wieder in einen Rhythmus zu kommen und neuen Schwung zu nehmen.“ Zur Wahrheit gehört auch: Ache, Vertrag bis 2025, konnte die Bundesligatauglichkeit nie auch nur im Ansatz nachweisen. (Ingo Durstewitz)

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