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Plötzlich Dampf über links

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Von: Thomas Kilchenstein, Ingo Durstewitz

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Kann nicht nur weit einwerfen: Jetro Willems.
Kann nicht nur weit einwerfen: Jetro Willems. © Stefan Krieger

Jetro Willems ist an zwei der drei Frankfurter Toren gegen den HSV direkt beteiligt.

Man kann jetzt nicht sagen, dass Jetro Willems in dieser Saison besonders viele Spuren hinterlassen hätte. Kein Tor hat der ehemalige niederländische Nationalspieler geschossen, immerhin eine Vorlage war ihm geglückt, seinerzeit zum Tor des Monats von Sebastien Haller gegen den VfB Stuttgart. Aber das war in der Hinrunde, am 7. Spieltag. Willems, für sechs Millionen Euro vom PSV Eindhoven als Ersatz für den zum FC Schalke gewechselten Bastian Oczipka verpflichtet, hat zu Beginn der Rückserie gar seinen Stammplatz auf dem linken Flügel verloren. Trainer Niko Kovac war nicht zufrieden mit dem 24-Jährigen, der es scheut, steil zu gehen, lieber nach innen einknickt, um den sicheren Quer- oder Rückpass zu spielen. An seiner Stelle trumpfte seit Anfang dieses Jahres Timothy Chandler auf, und wenn man weiß, dass der Deutsch-Amerikaner von Haus aus rechter Außenverteidiger ist, kann man in etwa erahnen, wie weit Willems zeitweise der Musik hinterherhinkte.

Davon freilich war an diesem Samstag gegen den Hamburger SV nichts zu sehen. Ganz im Gegenteil: Der Niederländer aus Rotterdam mit Wurzeln in Curacão machte auf seiner linken Seite enorm viel Dampf, da war endlich Feuer und Leidenschaft zu sehen - und: Jetro Willems setzte auch zu beachtlichen Spurts an. Und mit welcher Power. Noch tief in der zweiten Halbzeit ließ er Hamburger Abwehrspieler im Vollsprint stehen wie Schulbuben. Dazu war er an zwei der drei Frankfurter Tore direkt beteiligt, von ihm kam jeweils der vorletzte Pass. Das wichtige 1:0 bereitete er mit einem herzhaften Antritt vor, vor dem 2:0 hätte er fast selbst das Tor erzielt, doch HSV-Schlussmann Julian Pollersbeck wehrte seinen Schuss ab. So effektiv, so dynamisch hat man das Kraftpaket lange nicht mehr gesehen. Und endlich kam auch mal seine feine Technik zum Tragen. Denn eigentlich bringt Jetro Willems, der in Frankfurt noch bis 2021 gebunden ist, alles mit, was ein dynamischer Außenverteidiger haben muss. Warum zeigt er es nur so selten?

Timothy Chandler, der ihm vorübergehend den Rang abgelaufen hatte, war gegen den HSV ebenso dabei - wenn auch nur kurz und überraschenderweise als Innenverteidiger. Nach einer guten Viertelstunde musste er aufgeben, er habe „ein merkwürdiges Gefühl im Knie“ verspürt, sagte Trainer Niko Kovac. Chandler hatte sich im Herbst des vergangenen Jahres einer Meniskusoperation unterziehen müssen. Für ihn kam Marco Russ, ein etatmäßiger Innenverteidiger, den man eigentlich in der Anfangsformation erwartet hatte. Seit Wochen spielt der mittlerweile 32-Jährige auf stabilem Niveau. Auch Carlos Salcedo war Russ vorgezogen worden. Der Mexikaner hatte nach seinem Schlüsselbeinbruch, den er sich Ende März bei einem Einsatz in der mexikanischen Nationalmannschaft zugezogen hatte, nach ein paar Trainingstagen Grünes Licht signalisiert. Bis auf ein, zwei Wackler hatte er seine Sache ordentlich gemacht, zwar unauffällig und wenig spektakulär - aber deutlich besser jedenfalls als Simon Falette, der am vorletzten Spieltag in München gegen die Bayern komplett neben den Schuhen stand und folgerichtig aus dem Kader geflogen war.

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