Luka Jovic

Der Plan mit Luka Jovic

Von Ingo Durstewitz

Sechs Minuten für sein Heimatland am Ball: Luka Jovic.

Die Eintracht will ihr bisher nur ausgeliehenes Sturmjuwel langfristig unter Vertrag nehmen - eine Win-win-Situation.

Es ist nicht zu erwarten, dass der Frankfurter Stürmer Luka Jovic am Sonntag im ersten WM-Spiel der Serben gegen Costa Rica in der Startformation stehen wird. Die Rolle des Stoßstürmers ist Aleksandar Mitrovic zugedacht, der 23-Jährige ist gesetzt und ein Mittelstürmer, wie er im Buche steht: 1,89 Meter groß, 88 Kilo schwer, bullig, wuchtig, kantig.

Er hat im letzten Länderspiel vor den weltumfassenden Titelkämpfen beim 5:1-Kantersieg gegen Bolivien einen Dreierpack geschnürt. Auch in seinem Verein war er sehr erfolgreich, den FC Fulham schoss er mit zwölf Toren in 17 Partien zurück in die Premier League. Zum ältesten Londoner Profiklub ist Mitrovic nur ausgeliehen gewesen, nach verrichteter Arbeit (vulgo: Tore am Fließband) kehrt er nun zu seinem Stammverein Newcastle United zurück. An Mitrovic kommt der noch drei Jahre jüngere Luka Jovic nicht vorbei. Noch nicht.

Dass Jovic überhaupt in Russland dabei ist, kann man schon als Überraschung bezeichnen, er ist in letzter Sekunde und ohne einen einzigen Länderspieleinsatz für die A-Elf auf den WM-Zug aufgesprungen, während sein deutlich erfahrenerer Vereinskollege Mijat Gacinovic auf den letzten Drücker aus dem Aufgebot gestrichen wurde. Auch dies ein kleiner Paukenschlag.

Hintergründig betrachtet sind aber beide Entscheidungen von Nationaltrainer Mladen Krstajic nachvollziehbar und richtig. Gacinovic hat sich durch beinahe schon erschütternd schwache Leistungen in der Rückrunde aus dem serbischen Kader gespielt (da half ihm auch sein schon jetzt legendärer Sololauf hinein ins Glück beim Pokalsieg gegen die Bayern nichts mehr). Jovics Entwicklung im vergangenen halben Jahr lief diametral anders, er hat sich in den Fokus und nach Russland geknipst. Seine Trefferquote war gemessen an seiner Einsatzzeit überragend, allein in der Rückrunde hat er sieben Treffer in der Liga und einen im Pokal erzielt, und was für einen: Mit seinem spektakulären Hackentrick hat er sich nicht nur die Medaille zum Torschützen des Monats April abgeholt, sondern der Eintracht den Weg nach Berlin und also zum ersten Titel nach 30 Jahren geebnet: Sein fantastischer Treffer war das 1:0 im Halbfinale auf Schalke.

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Mittlerweile hat der Stürmer auch seinen ersten Einsatz für die A-Elf der Serben auf dem Buckel, vor zehn Tagen durfte er beim 0:1 gegen Chile für sechs Minuten mitmachen – eingewechselt für Aleksandar Mitrovic. „Luka hat viel Potenzial, er zieht die Aufmerksamkeit auf sich“, begründete Chefcoach Krstajic die Nominierung. „Er stellt die Zukunft des serbischen Fußballs dar.“

Auch der mittlerweile von der Eintracht geschiedene Niko Kovac schwärmte in den allerhöchsten Tönen von dem Torjäger-Juwel, seine Eiseskälte und diese herausragende Qualität vor des Gegners Kasten habe er im Laufe seiner gesamten Karriere zuvor erst einmal beobachten können: „Das kannte ich vorher nur von Davor Suker.“ Suker, einst bei Real, war einer der besten Torjäger seiner Generation, für Kroatien machte er 49 Tore in 70 Länderspielen.

Jovic, der schon in jungen Jahren mit dem kolumbianischen Superstar Falcao verglichen wurde, weiß, wem er dieses Talent zu verdanken hat: „Ich denke, der liebe Gott hat mir diesen Torriecher gegeben. Ich habe das in mir, so etwas kann man nicht erlernen“, sagte er der FR. „Ich überlege im Strafraum auch nicht großartig, wo ich hinzulaufen habe. Das ist ein Instinkt.“

Die Eintracht weiß natürlich, was sie sich da für einen Hochkaräter an Land gezogen hat, auch wenn Jovic bis 2019 von Benfica Lissabon erst einmal nur ausgeliehen ist. Doch es war ganz sicher ein kluger Schachzug, sich in das Vertragswerk eine Kaufoption einarbeiten zu lassen, für etwas mehr als zwölf Millionen Euro kann sie den Spieler fest verpflichten – wenn man es auf die beiden Spielzeiten umlegt, gut sechs Millionen pro Saison.

Die Sportliche Führung arbeitet an einem Plan, den Spieler schon jetzt fest unter Vertrag zu nehmen. Jovic soll trotz bestehenden Arbeitspapiers aktuell schon mit einer erheblichen Gehaltsauffrischung rechnen können. Der neue Kontrakt soll demnach eine möglichst lange Laufzeit haben, das ist sowieso im Trend, auch die Kontrakte von Lukas Hradecky in Leverkusen oder Marius Wolf in Dortmund laufen bis 2023.

Für die Eintracht ist das eine Win-win-Situation, denn sie könnte ihn reifen und sich entfalten lassen. Der Verein würde in sportlicher Hinsicht von einer guten Performance profitieren; Jovic hat unbestritten das Potenzial, ein herausragender Torjäger zu werden. Und sollte er von seiner eigenen Entwicklung eingeholt und überholt werden, sollte er also eine Art Leistungsexplosion erfahren, könnte der Klub ihn für sehr viel Geld abgeben. Eine gute WM wäre noch mal ein Beschleuniger.

Jovic wird nach seiner Rückkehr mit Sebastien Haller um den Platz im Sturm konkurrieren. Den Franzosen wollen die Frankfurter nicht abgeben, obwohl es für den Mittelstürmer durchaus Angebote gibt. Von der Insel sollen Offerten im zweistelligen Bereich herübergeflattert – und dankend abgelehnt worden sein

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