+
Auf vielen Transparenten forderten die Fans den Rücktritt des Innenministers.

Proteste

Mit 54 Plakaten gegen Peter Beuth

  • schließen

Eintracht-Fans nutzen das Heimspiel gegen Hoffenheim zum Protest gegen den Innenminister.

Es ist gut möglich, dass der hessische Innenminister Peter Beuth (CDU) in nächster Zeit ein paar mehr Mails bekommt als üblich. Seine Adresse war am Samstagnachmittag jedenfalls in riesigen Buchstaben auf einem Transparent in der Fankurve von Eintracht Frankfurt zu lesen – verbunden mit der Aufforderung, ihm „Anregungen und Kritik“ zum Polizeieinsatz zu schicken, über den Frankfurt seit dem Europacupspiel gegen Schachtjor Donezk vor anderthalb Wochen diskutiert.

Es war beileibe nicht das einzige Plakat, das sich mit Beuth beschäftigte. Insgesamt 54 Transparente hingen im weiten Rund. Sogar im VIP-Bereich wurden Banner hochgehalten.

Dabei verzichteten die Fans auf vulgäre Beleidigungen. Das F-Wort, das vor dem Spiel gegen Donezk zur Sicherstellung eines Transparents und in der Folge zur Absage der geplanten Choreografie geführt hatte, war nur selten zu lesen. Dafür gab es zahlreiche Wortspiele wie „Lügenbeuthel“, „Stadionverbot für Witzbeuthel“ oder „Beuthlin, du Hobbit“. Auf einem Banner wurde ein Song der Punkband „Die Ärzte“ zitiert: „Deine Gewalt ist nur ein stummer Schrei nach Liebe“, hieß es dort. Auf anderen Transparenten („Beuth feuern, Fußball feiern“) forderten die Fans den Rücktritt des Innenministers.

Fotostrecke: Die Banner der Eintracht-Fans

Während des Spiels wurde der Ton noch rauer. Die Zuschauer bedachten den hessischen Innenminister mit Schmähgesängen, die die gesamte Anfangsphase andauerten und auch nach dem Schlusspfiff zu hören waren. Dabei kamen die Gesänge bei weitem nicht nur aus der Fankurve. Beuths Darstellung der Ereignisse vom Donnerstag, wonach die Polizei richtig gehandelt habe, er selbst aber weder von der Durchsuchung der Fankurve noch von der anschließenden Sicherstellung des Banners gewusst habe, wollte offenbar kaum jemand der knapp 50000 in der Arena glauben.

Ultras werfen Beuth „persönlichen Kleinkrieg“ vor

Kurz vor Ende des Spiels zeigten die Ultras ein Banner der Bundespolizei und zerrissen es. Allerdings war es nicht die Bundes-, sondern die hessische Landespolizei, die gegen die Fans vorgegangen war, und Beuth ist auch nicht Dienstherr der Bundespolizisten.

Gleich drei Stellungnahmen hatten die Fans in den Umläufen rund ums Stadion ausgehängt. Der Nordwestkurve e.V., ein Zusammenschluss der aktiven Fanszene, forderte den Rücktritt des „inkompetentesten hessischen Innenministers aller Zeiten“, die Ultras warfen Beuth vor, einen „persönlichen Kleinkrieg“ zu führen, und der „13. Mann“, der Eintracht-Fans unter anderem juristische Unterstützung anbietet, setzte sich mit der Aufarbeitung des Einsatzes vor der Fankurve auseinander.

Dabei war ein Fan von einem Polizisten über die Werbebande gestoßen und schwer verletzt worden. Der Frankfurter Polizeipräsident Gerhard Bereswill hatte jedoch wenige Tage nach dem Einsatz erklärt, er halte das Vorgehen für rechtmäßig. Eine Einschätzung, die die Fans empört. Der „13. Mann“ forderte die Polizei auf, Ermittlungen gegen den Beamten einzuleiten, der den Fan gestoßen hatte.

Peter Beuth wurde derweil nicht nur in Frankfurt auf Transparenten scharf angegangen. Im Abendspiel zwischen Mönchengladbach und Bayern hing ein Banner in der Fankurve der Borussia: „Gladbach-Verbot für Beuth“.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare