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Frostige Stimmung? Nicht beim Training.

Kommentar Eintracht Frankfurt

In der Pflicht

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Eintracht Frankfurt zeigt sich einmal mehr als launige Diva. Jetzt stehen richtungsweisende Wochen bevor - ein wenig mehr Druck und Konzentration kann da nicht schaden Ein Kommentar.

Erstaunlicherweise wirkt derzeit das Binnenklima bei Eintracht Frankfurt arg gereizt, die Stimmung ist auffällig schlecht. Schlechter jedenfalls, als sie nach einer Niederlage in der Fremde normalerweise sein müsste. Das verblüfft ein bisschen, weil sich der Klub doch objektiv gesehen genau da einreiht, wo ihn viele ohnehin verorten und wo er womöglich auch hingehört: Tabellenplatz neun, Mittelfeld, Mittelmaß. Dazu sind zwei Remis in der Rückrunde gegen Wolfsburg (2.), Augsburg (5.), ein Sieg gegen Schalke (4.) nicht ganz schlecht, verloren wurden nur zwei Auswärtsspiele, eigentlich normal, oder?

Und doch lastet allenthalben eine tiefe Enttäuschung über dem Klub, drückt ein seltsames Unverständnis über das zuletzt auf dem Rasen Gebotene aufs Gemüt, so sehr, dass vielen, zumindest kurzfristig, die Lust am nächsten Stadionbesuch vergällt ist. Es ist die schmerzhafte Enttäuschung darüber, dass es sportlich nicht vorwärts geht, dass unerklärliche Aussetzer den Klub immer wieder zurückwerfen, gerne genau dann, wenn die Möglichkeit groß war, einen Schritt nach vorne zu tun. Es ist diese fehlende Kontinuität, die nervt, die Nonchalance, wie auf dem Silbertablett präsentierte Siege hergegeben werden, die ärgerlich macht. Es ist das Gefühl: Es geht nichts voran, eine Weiterentwicklung findet nicht statt, ja, es ist nicht so recht erkennbar, wofür diese Mannschaft steht, wohin sie will. Man erkennt keine Handschrift. Zwischen himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt liegen oft nur 90 Minuten. Diese Mannschaft ist nicht berechenbar. Und niemand hat auch nur eine Ahnung, wie sich die Hessen am Samstag gegen den HSV präsentieren. So wie gegen Mainz? So wie gegen Schalke?

Viele haben den Eindruck: Die Mannschaft, die zuweilen führungslos scheint, lernt nicht aus ihren Fehlern, siehe etwa die Spiele gegen Freiburg, Mainz und die erste Halbzeit Augsburg, siehe auch die verzweifelte, schier unendliche Suche nach einem tragbaren Defensivkonstrukt.

Dieser Wankelmut hat jetzt auch die Verantwortlichen aufgeschreckt. Sie spüren: Da läuft was aus dem Ruder, da stimmt was nicht. Da muss ganz dringend gegengesteuert werden. Bruno Hübner ist noch ein bisschen näher an die Mannschaft herangerückt. Er nimmt diese zuletzt so sprunghafte Elf in die Pflicht, will ihr nicht mehr alles durchgehen lassen: Da muss jetzt schnellstens etwas passieren. Zumindest muss erkennbar sein, welchen Weg diese Mannschaft einzuschlagen gedenkt. Es sind richtungsweisende Wochen, ein wenig mehr Druck und Konzentration kann da nicht schaden.

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