Auf dem Boden der Realität: Martin Hinteregger kann seinen Frust nach dem verpassten Dreier zum Auftakt gegen Bielefeld nicht verbergen.
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Auf dem Boden der Realität: Martin Hinteregger kann seinen Frust nach dem verpassten Dreier zum Auftakt gegen Bielefeld nicht verbergen.

Pfiffig sieht anders aus

Eintracht-Enttäuschung zum Auftakt: Warum es neue Leute braucht

  • Ingo Durstewitz
    vonIngo Durstewitz
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Die einfallslose Frankfurter Eintracht müht sich zum Auftakt zu einem trüben Remis gegen den Aufsteiger Arminia Bielefeld und muss sich gewaltig steigern oder neue Leute holen, wenn sie wirklich oben angreifen will.

Frankfurt - Der Riese Bas Dost hat an diesem milden Spätsommertag im September garantiert nicht seine beste Leistung abgerufen. Der 31 Jahre alte Niederländer, 196 Zentimeter hoch, hat sich zwar furchtlos in jeden Luftkampf geworfen, das einzige Eintracht-Tor geschickt vorbereitet, er ließ eine gute Möglichkeit aus, weil er lieber dribbelte statt abzuziehen, weshalb er über sich selbst „stocksauer“ war, aber alles in allem war diese erste Partie der 52. Frankfurter Bundesligasaison gegen den altbekannten Neuling Arminia Bielefeld nicht das Spiel des Holländers. Und in der verbalen Einordnung des zuvor Dargebotenen lag der Mittelstürmer dann ebenso daneben wie einige seiner Kollegen. „Wir haben ein gutes Spiel gezeigt“, sagte Bas Dost also, gerade im ersten Durchgang. „Ich bin sehr zufrieden mit der Mannschaft, wir haben das super gemacht, ich habe viele gute Sachen gesehen.“ Nun ja. Man kann das zweifelsohne auch anders sehen.

Eintracht Frankfurt fällt gegen Bielefeld nichts ein

Es gibt keine zwei Meinungen, dass die Eintracht den Auftakt vor immerhin 6500 Fans, die nach mehr als einem halben Jahr Absenz tatsächlich für eine Art Stadionatmosphäre sorgten und ein Bundesliga-Gefühl aufleben ließen, hätte gewinnen können, vielleicht sogar müssen. Die Frankfurter haben 14 Ecken rausgeholt und reingeschlagen, 18 Torschüsse abgegeben, sie spielten fast 250 Pässe mehr als der Aufsteiger aus Ostwestfalen, hatten 60 Prozent Ballbesitz und vier, fünf klare Chancen, die einen Treffer hätten zur Folge haben können. Aber, oh nein, ein Feuerwerk hat die Eintracht nicht abgefackelt.

Ihr gesamtes Bemühen war redlich, aber angestrengt, nichts ging spielerisch oder flockig vom Fuß, die Angriffe waren schablonenhaft, ausrechenbar. Wie schon vor Wochenfrist gegen den Drittligisten 1860 München. Die Eintracht-Profis fanden selten ein Mittel gegen die defensiven, aber cleveren Arminen, sie passten zu oft quer oder zurück, Überraschendes passiert bei einer solchen Herangehensweise selten.

Auch die Schlüsselspieler von Eintracht Frankfurt enttäuschen

Und sie ließen sich, wie Trainer Adi Hütter richtig analysierte, dazu verleiten, „lange Bälle zu spielen“, zu diesem wenig probaten Stilmittel hat die Mannschaft gerade in der Schlussphase in einem nur schwer erträglichen Maße gegriffen. So sieht moderner, pfiffiger Fußball nicht aus. „Insgesamt hatten wir viel zu viele einfache Ballverluste. Dadurch ist es uns nicht gut gelungen, den Gegner laufen zu lassen“, urteilte der Coach.

Seinem Team habe die Ruhe gefehlt, „viele Spieler wollten etwas Besonderes machen“, statt den einfachen, aber zweckdienlichen Pass zu spielen. Gerade Sebastian Rode versuchte sich im Mittelfeld öfter mal mit eher komplizierten Zuspielen.

Grundsätzlich, das ist bekannt, mangelt es dem Team nicht an Mentalität, sondern an Speed, Esprit und Kreativität. Und wenn dann noch „Schlüsselspieler“ (Hütter) wie Filip Kostic und Daichi Kamada nicht ihren besten Tag erwischen, um es mal vorsichtig zu formulieren, dann krankt die gesamte Offensive. „Vielleicht hat das Spiel nach vorne auch deshalb nicht so funktioniert wie in vielen Spielen zuvor.“

Rode ist sich sicher: „Können froh sein, dass wir noch 1:1 gespielt haben“

Die Mannschaft war, wie Hütter treffend befand, dennoch eisern gewillt, das erste Saisonspiel für sich zu entscheiden, und auch der Fußballlehrer sendete die entsprechenden Signale: In der Halbzeit wechselte er den unglücklich agierenden Danny da Costa sowie den zu häufig rückwärts spielenden Dominik Kohr aus und brachte dafür Steven Zuber (enttäuschend) und Aymen Barkok (vielversprechend), das war das klare Zeichen Richtung Offensive, was aber auch dazu führte, dass die Bielefelder durch Konter gefährlich wurden und durch Cebio Soukou gar in Führung gingen (51.). Der Aufsteiger profitierte da von einem Stellungsfehler auf der linken Bahn, Martin Hinteregger turnte in der Mitte umher, Filip Kostic kam zu spät.

Arminen-Trainer Uwe Neuhaus führte als generellen „Kritikpunkt“ an: „Wir haben es nicht geschafft, in die große Räume zu kommen.“ Die taten sich tatsächlich auf, und auch Eintracht-Coach Hütter wusste, dass sein Ensemble noch mehr Probleme hätte bekommen können, wenn die Neulinge von der Alm im letzten Drittel nicht so ungenau und unbedarft gespielt hätten. So ein bisschen Harakiri war schon wieder dabei im Eintracht-Kosmos. Es kam nicht selten vor, dass die wuseligen Gäste blank auf die wenigen Frankfurter Abwehrspieler zuliefen. „Bielefeld war nach Kontern immer gefährlich“, bilanzierte Sebastian Rode. „Deshalb können wir froh sein, dass wir noch 1:1 gespielt haben.“

Eintracht Frankfurt und die vage Hoffnung

Den Ausgleich machte, natürlich, André Silva, der nach einer Flanke von Kostic und einer Verlängerung von Bas Dost auf 1:1 stellte (62.). Mehr war drin, aber nicht möglich, weil entweder da Costa (22.), Silva (32.) oder Martin Hinteregger (48./90.) nicht trafen und dann auch noch Kamada einen Doppelpass aufnahm, anstatt ihn für David Abraham durchzulassen; der Japaner stand nämlich deutlich im Abseits (78.).

Natürlich ist die Saison noch ganz jung, und natürlich muss man dem Team Zeit zugestehen, um hineinzufinden in die Spielzeit, doch die vage Hoffnung, dass jetzt alles auf einmal sehr viel besser wird, weil die Mannschaft zielgerichteter und intensiver trainieren kann, ist zumindest derzeit nicht mehr als genau das: eine vage Hoffnung. Das Team ist solide, ordentlich, auch kratzbürstig und gewiss zu einzelnen Highlights fähig (gerade dann, wenn es das Spiel nicht machen muss), aber es gibt eben natürliche Grenzen, die sich nicht oder nur schwerlich verschieben lassen. Es gilt, was nicht wenige prognostizierten: Im Idealfall geht es zumindest in Richtung der internationalen Plätze, im Normalfall heißt die Realität Mittelfeld.

Außer es würde noch mal etwas auf dem Transfermarkt passieren, was anzunehmen ist. Doch Geld ist nur begrenzt vorhanden, weshalb es schon ein gutes Händchen und eine Dosis Fortune braucht, um echte Verstärkungen an Land zu ziehen. Auch das kein leichtes Unterfangen.

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