+
Der Platzhirsch: Präsident Peter Fischer.

Eintracht Frankfurt Präsidentenwahl

Peter Fischer, der Platzhirsch

  • schließen

Mit Hochspannung erwartet Eintracht Frankfurt die Präsidentenwahl. Dabei muss Peter Fischer zum ersten Mal in seiner Karriere als Vereinspräsident um sein Amt kämpfen.

Peter Fischer weiß schon genau, welche Schlagzeile er am Montag liebend gerne lesen möchte: „Die Richtigen machen weiter.“ Wer die Richtigen sind, da gibt es für den 58 Jahre alten Vereinspräsidenten der Eintracht nicht den leisesten Zweifel: Es ist seine Mannschaft – mit ihm an der Spitze.

Der Sonntag soll für Fischer der Tag der Abrechnung werden, am Sonntag will der angezählte Präses zurückschlagen. Denn in den vergangenen Wochen haben viele über Peter Fischer gesprochen, aber nur selten mit ihm. Der Eintracht-Boss hatte sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. „Ich betreibe keinen öffentlichen Wahlkampf“, betonte er. Er habe mehr als 14 Jahre Zeit gehabt, sich zu zeigen. „Ein Herausforderer muss die Chance haben, sich zu präsentieren.“ Das sagte er dem Fanportal „sge4ever.de“. Dem einzigen Medium, mit dem er ausführlich gesprochen hat. Alle anderen Interviewanfragen beschied er abschlägig.

Wer sich aber privat mit ihm unterhält, der hört die Entschlossenheit in seiner Stimme – und die Siegesgewissheit. Fischer will am Sonntag aufräumen mit einigen Anschuldigungen. „Vor allem mit dem Mythos, dass man die Steuerangelegenheit anders hätte lösen können.“ Dieser Vorwurf kommt immer wieder von Herausforderer Reiner Schäfer.

Der Schöngeist hat ausgedient

Für Fischer ist die derzeitige Situation dennoch eine ungewöhnliche. Es ist das erste Mal, dass er eine Abwahl fürchten muss, dass es überhaupt einen Gegenkandidaten gibt. In fast 15 Jahren. Früher wurde nur über die Höhe der Zustimmung spekuliert, an manchen Abenden wurde der gebürtige Licher, der seit 1970 in Frankfurt lebt, ohne Gegenstimme und Enthaltung gewählt.

Diese Zeiten gehören der Vergangenheit an, zumindest seit dem zurückliegenden Jahr, als er eine „Bilanz des Schreckens“ (FR) vorlegen musste. Seitdem bläst dem früheren Basketballer der Wind eisig und von vorne ins Gesicht. Umgefallen ist er nicht.

Die vergangenen zwölf Monate haben den Präsidenten verändert, er ist nicht mehr omnipräsent, er dosiert die öffentlichen und medienwirksamen Auftritte. Er, der Lebemann und Paradiesvogel, wirkt verschlossener und nachdenklicher, versucht, Zusammenhänge in Hintergrundgesprächen darzustellen, anstatt mit blumigen Worten schöne Bilder zu malen. Es ist nicht die Zeit, um den Schöngeist heraushängen zu lassen. Es ist eher die Zeit, sich mit dicken Bandagen in den Kampf zu stürzen. Viele langjährige Weggefährten behaupten, Peter Fischer, der Sonenkönig, sei immer dann besonders stark, wenn er mit dem Rücken zur Wand stehe. Am Sonntag kann er es beweisen. Und doch ist klar: Der gelernte Werbekaufmann geht als haushoher Favorit ins Rennen.

Natürlich wird er seine – unbestrittenen – Verdienste um den Gesamtverein in den Ring werfen: Die Mitgliederzahl etwa, die von 4600 auf 29 000 gestiegen ist. Oder die Befriedung des angespannten Verhältnisses zwischen AG und Verein. Und den Umbau des Riederwaldes, der allerdings teurer wurde als geplant. Peter Fischer, Volkstribun, Porschefahrer, Beachclubbesitzer auf Ibiza, steht vor seinem vielleicht wichtigsten Kampf.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare